Review: Inferno

Ab 13. Oktober ist Tom Hanks erneut als Harvard-Symbologe Robert Langdon im Kino zu sehen. Diesmal in der Dan Brown Adaption Inferno, in der – der Titel lässt es erahnen – mal wieder Dante entstaubt wird. Zur Seite steht ihm Felicity Jones (Rogue One, Die Entdeckung der Unendlichkeit) und natürlich wird auch wieder mächtig durch die Gegend gerannt, als wäre der Teufel höchstpersönlich hinter ihnen her. Also auch ab ins Kino rennen?

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Robert Langdon (Tom Hanks) wacht in einem italienischen Krankenhaus auf. Diagnose: Amnesie. Zudem plagen ihn wahrhaft höllische Bilder. Bevor ihm die Ärztin Sienna Brooks (Felicity Jones) mehr sagen kann, trachtet ihm auch schon jemand nach dem Leben und er muss zusammen mit Brooks fliehen. Es beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit durch ganz Europa, um zu verhindern, dass ein Virus freigesetzt wird, der die halbe Weltbevölkerung auslöschen würde. Die einzigen Hinweise die es zum Ort des Anschlags gibt, hängen mit Dantes Inferno zusammen. Aber warum hat Langdon diese Bilder vor Augen, die direkt aus dessen Höllenkreisen stammen könnten?

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Dan Brown steht zwar nicht gerade für literarische Offenbarungen, aber seine Romane und auch Ron Howards Verfilmungen (The Da Vinci Code – Sakrileg, Illuminati) vermochten das Publikum gut zu unterhalten und waren entsprechend erfolgreich. Keine große Filmkunst, aber gute Unterhaltung dürfte man also beim dritten Film des erfolgreichen Trios aus Hanks, Howard und Brown durchaus erwarten. Inferno ist allerdings ein bisschen wie ein 122-minütiger Ausflug ins cineastische Fegefeuer: quälend langweilig, brutal unrealistisch und grausam unspannend. Eigentlich ist sieht er aus wie eine Fernsehproduktion der öffentlich-rechtlichen … wenn sie das Geld für Tom Hanks und die Drehorte hätten.

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Tom Hanks kann man wahrlich keinen Vorwurf machen, er ist wie immer gut. Man nimmt ihm die Amnesie ab. Felicity Jones ist aber wenig glaubwürdig als Ärztin, Wunderkind und Dante-Spezialistin. Ihr fehlt das Format, um mit Hanks mithalten zu können, dessen Langdon hier immerhin mit halbem Hirn agiert. Besser ist dagegen Omar Sy, bei dem man sich wenigstens mal fragt, ob er überhaupt einer der Guten ist. Am besten ist allerdings Irrfan Khan als der mysteriöse Harry Sims. Nein, damit tut man ihm unrecht, denn er ist nicht nur besser, er ist das absolut Beste an diesem Film. Die einzigen Lichtblicke im ansonsten schwachen Drehbuch sind Sims Texte, die Khan so genüsslich trocken liefert, dass es schon fast eine sündhafte Freude ist.

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Die Grundidee von Inferno ist nicht die schlechteste für einen spannenden Film, aber wie soll man etwas daraus machen, wenn der Drehplan Ähnlichkeit mit dem Tagesprogramm einer asiatischen Reisegruppe aufweist? Hier wird von einer Sehenswürdigkeit zur nächsten gehetzt, dass der italienischen Tourismusbehörde die Seele lacht. Es ist eine Schnitzeljagd, die mit jeder Station an Langeweile gewinnt und anstatt mitzurätseln fragt man sich irgendwann, warum Zobrist (Ben Foster) das Virus nicht einfach freigesetzt hat. Gut, das wäre dann ein völlig anderer Film geworden, aber so schlecht wäre das auch nicht gewesen. Einer, in dem es vielleicht sogar realistisch gewesen wäre, wenn die WHO unbürokratisch und spontan agiert. Immerhin ist die Umsetzung der gequälten Seelen, inspiriert von den Botticelli Zeichnungen, die Langdon vor seinem inneren Auge sieht, gelungen (FSK ab 12 Jahren).

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Fazit

Inferno ist zwar nicht höllisch schlecht, aber auf eine quälende Art auf Fernsehniveau. Wer sich Filme gerne wegen der Drehorte ansieht, wird hier seine Freude haben. Wer einen gut durchdachten und spannend präsentierten Action-Thriller möchte, eher nicht. Dank Irrfan Khan wird man es trotzdem nicht (völlig) bereuen, den Film gesehen zu haben.

4
Gähn

Pros

  • Hanks & Khan
  • Schöne Drehorte

Kontras

  • Wenig spannend
  • Fernsehfilm-Look
  • Reine Sehenswürdigkeiten-Abklapperei
  • Dante & Hölle für Dummies

Unser Fazit


Handlung
3
Präsentation
5