Review: Paper Mario – Color Splash (Wii U)

Mit der NX Konsole am Horizont, gibt es langsam immer weniger Spiele für Nintendos Wii U Konsole. Doch bevor die Konsole im nächsten März von ihrem noch unbekannten Nachfolger abgelöst wird, gibt es noch ein paar große Wii U Titel auf die sich Nintendo Fans freuen dürfen. Eines dieser Spiele ist Paper Mario: Color Splash, welches am 7. Oktober 2016 exklusiv für Nintendos Heimkonsole erscheint. Ich habe bereits viele Spielstunden in den Titel gesteckt und darf euch nun verraten, ob Color Splash der beliebten Spielereihe aus dem Hause Intelligent Systems gerecht wird oder ob wir es mit einem zweiten Sticker Star zutun haben.

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Bringt Farbe ins Spiel

In Paper Mario verschlägt es unseren Klempner auf Prisma Island, wo Bowser und seine Shy Guys die Farbe der Insel mit Strohhalmen aus den Einwohnern und Umgebungen gesaugt haben. Um die Ordnung auf der Insel wiederherzustellen, schließt sich der Farbeimer Huey Mario an und zusammen machen sie sich auf die Suche nach den acht großen Farbsternen, die in die Hände von Bowsers Schergen gefallen sind. Zu allem Überdruss entführt dann Bowser auch noch Prinzessin Peach (wer hätte es gedacht), die Mario auf die Insel begleitet hat.

Die Ausgangslange in Paper Mario: Color Splash ist sicher alles andere als einfallsreich, aber wie bei Mario Spielen üblich, werden sich nur die Wenigsten daran stören. Die Paper Mario Reihe ist seit jeher bekannt für ihren genialen Meta-Humor und auch in Color Splash kommt dieser nicht zu kurz. Praktisch jeder Dialog im Spiel zaubert dem Spieler ein Schmunzeln ins Gesicht, so gut sind die vielen Tausend Zeilen geschrieben. Sei es nun die Tatsache das sich Charaktere darüber lustig machen, dass Peach mal wieder entführt wurde oder absurd-lustige Anekdoten aus dem Leben der zahlreichen Papier Toads im Spiel. Doch nicht nur die Dialoge sind voller Humor. Dieser spiegelt sich auch im Leveldesign und den Umgebungen wieder. Nichts in der Welt von Paper Mario ist wirklich ernst zu nehmen und genau das macht auch den Charme dieser kunterbunten Papierwelt aus.

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Seitdem die Mario & Luigi Rollenspiele mindestens genauso populär sind wie die Paper Mario Titel, versucht Intelligent Systems mit der Reihe neue Wege zu gehen und überlässt die klassischen RPG-Aspekte zunehmend den Mario & Luigi Spielen. So hat sich im Paper Mario Universum seit dem ersten Spiel für das Nintendo 64 viel verändert und diese Änderungen kamen nur bedingt gut an. Das mit Sticker Star eingeführte Kampfsystem sorgte für viel Unmut bei Langzeit-Fans und dennoch lebt es in Color Splash – wenn auch in einer deutlich verbesserten Form – weiter. Die rundenbasierten Kämpfe in Color Splash tragt ihr mit Kampfkarten aus, die genau für einen Einsatz zu gebrauchen sind und anschließend verschwinden. Weiterhin müsst ihr darauf achten, dass eure Karte immer mit genügend Farbe bemalt ist, da ihre Stärke sonst rapide abnimmt. Diese Farbe geht von eurem allgemeinen Farbkontingent ab, dass ihr in den einzelnen Leveln u.a. auch zur Bemalung der Umgebung benötigt. Dazu später mehr. Auf ein Level-System im klassischen Sinne wird erneut verzichtet, auch wenn Mario Erfahrung aus einem Kampf mitnehmen kann, die sein maximales Farbkontingent erhöht und ihn dadurch indirekt stärkt.

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Neu sind auch die sogenannten „Dinge“: Dabei handelt es sich um „echte“, dreidimensionale Objekte in der Papierwelt, die Mario sammeln und ausquetschen kann, um sie in mächtige Kampfkarten zu verwandeln. Jedes „Ding“ kommt mit seiner eigenen Cutscene daher, in der eure Gegner auf sehr amüsante Art und Weise erledigt werden. Romantische Klostampfer und Sparschweine mit Breakdance Skills sind hier nur der Anfang. Die „Dinge” stechen in der Spielwelt aus Pappe und Papier sofort ins Auge, aber das müssen sie auch, denn die Bosskämpfe setzen voraus das ihr ein bestimmtes Ding gesammelt habt, oder der Boss ist unbezwingbar. Habt ihr die Sache gesammelt, ist der Boss quasi kein Problem mehr. Das Spiel gibt euch Tipps wo ihr die notwendigen Gegenstände findet, doch gefällt mir das „Alles oder gar nichts“ Prinzip hier einfach nicht. Auch konnte ich trotz aller Anstrengungen mit dem ungewöhnlichen Kampfsystem des Titels nicht richtig warm werden. Dies mag einerseits meiner Liebe zum klassischen JRPG-Gameplay zuzuschreiben sein, doch bieten mir die Kämpfe auf Dauer einfach nicht genug Spannung und strategische Tiefe um mich bei Laune zu halten.

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Das soll jedoch nicht heißen das ich mit Color Splash keinen Spaß hatte – im Gegenteil. Nach Sticker Star bin ich mit einer geringen Erwartungshaltung an das Spiel herangegangen und war dann letztendlich doch sehr positiv überrascht. Zum Zeitpunkt dieser Rezension habe ich knapp 17 Stunden in das Spiel gesteckt und etwas mehr als die Hälfte der Story gesehen. Die komplette Spielzeit sollte sich also im Bereich 30+ Stunden ansiedeln. 100%-Gamer werden sich auch über die zusätzliche Herausforderung freuen, sämtliche farbleeren Flecke in den Leveln mit Marios Farbhammer zu bemalen. Übertreibt ihr es dabei, sieht das Level schnell aus wie in Splatoon (definitiv nichts schlechtes), doch ist es sehr oft auch notwendig diverse Objekte anzumalen, um diese zu aktivieren und im Level voranzuschreiten. Als Belohnung für eure Hammer-Arbeit gibt es neue Musikstücke in der Sound-Galerie – sofern ihr sämtliche Farbe dem jeweiligen Level wiederhergestellt habt.

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Ungewöhnlich für Kenner der Paper Mario Reihe ist die neue Weltkarte. Diese ist bei klassischen 2D-Mario Spielen zwar Tradition, doch hat man bei Paper Mario bisher auf eine begehbare Welt gesetzt. Mich persönlich hat diese Änderung jedoch nicht gestört, da die einzelnen Level immer noch groß genug sind und die Auswahl spezifischer Areale jetzt schneller vonstatten geht. Besonders begeistert war ich von der Präsentation des Spiels: Die Papp-Grafik ist durch die tolle Farbgestaltung und den authentischen Papp-Look diesmal besonders toll anzusehen. Hinzu kommen sehr charmante Animationen, sodass man sich an Color Splash nie wirklich satt sieht. Auch der Soundtrack ist erste Sahne und bietet einige fantastische Kompositionen, die perfekt zu ihren jeweiligen Leveln passen. Insbesondere die stark Jazz-inspirierten Musikstücke haben mir gefallen. Schade, dass es wahrscheinlich auch hier keinen Soundtrack Release geben wird.

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Fazit

Paper Mario: Color Splash ist vielleicht nicht das Spiel auf das alle Langzeit-Fans der Reihe gehofft haben, aber als einer dieser Fans, kann ich euch dennoch versichern, dass das Spiel sein Geld wert ist. Die fantastische Präsentation und der unvergleichbare Humor lassen den Spieler über die Gameplay-Mängel hinwegsehen, die diesmal glücklicherweise weniger gravierend ausgefallen sind, als noch bei Sticker Star. Wer zum Jahresende neues Futter für seine Wii U benötigt, der sollte dem neusten Paper Mario Abenteuer definitiv eine Chance geben.


Paper Mario Color Splash - [Wii U] (Nintendo Wii U) Publisher: Nintendo Erscheinungsdatum: 7. October 2016 EUR 19,99 bei Amazon.de (Partnerlink)


8.3
Unterhaltsam

Pros

  • Charmante Charaktere / Story
  • Klassischer Paper Mario Humor
  • Wunderschöne Grafik

Kontras

  • Durchwachsenes Kampfsystem

Unser Fazit


Gameplay
7
Präsentation
9
Umfang / Story
9