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Review: Ash vs. Evil Dead – Staffel 1

Groovy! Bruce Campbell alias Ash Williams ist zurück und tritt den Untoten 30 Jahre nach seinem Auftritt in “Evil Dead” in die Weichteile. Seit September ist die Serie auch in Deutschland verfügbar – exklusiv im Amazon Prime-Abo. Kann der Comedy-Splatterhorror auch in Episodenformat zünden? Unsere spoilerfreie Kritik.

Kettensäge statt Hand, Schrotflinte auf dem Rücken, immer einen Oneliner auf den Lippen: So kennen Fans Ash (gespielt von B-Movie-Hero Bruce Campbell) aus der “Evil Dead”-Trilogie, die hierzulande unter dem Namen “Tanz der Teufel” bekannt ist. Über 20 Jahre nach dem letzten Ableger unter Sam Raimi, “Armee der Finsternis”, gibt es nun ein Wiedersehen als zehnteilige Mini-Serie “Ash vs. Evil Dead”. Die Erwartungen der Fans sind hoch, wurden sie doch über mehrere Jahre hinweg mit Teasern auf eine Neuauflage des Splatterhorrors angefixt, nur damit diese dann fulminant mit dem Reboot von “Evil Dead” (2013) ohne Campbell und Raimi vor die Wand gefahren wurden.

Zwischendurch bekamen Fans immer Tröpfchenweise neues Material vorgesetzt, das zwar von schwankender Qualität war, jedoch auch das Franchise an sich nach “Armee der Finsternis” am Leben erhielt. Ash kämpfte sich virtuell durch miserable bis ganz okay-e Videospiele (“Evil Dead: Hail to the King”, “Evil Dead: Fistful of Boomstick”, “Evil Dead: Regeneration”) oder Campbell machte sich in einem selbst finanzierten B-Movie (“My Name is Bruce”) über seinen Kultstatus als männliche Screamqueen lustig. Bis 2014 Raimi, Campbell und das Starz Network plötzlich mit der Streaming-Only Serie “Ash vs. Evil Dead” um die Ecke kamen.

Zurück in die Hütte

“Ash vs. Evil Dead” spielt ca. 30 Jahre nach den Ereignissen aus “Tanz der Teufel 2”, als eine Gruppe Jugendlicher ein unbeschwertes Wochenende in einer einsamen Waldhütte verbringen wollte und versehentlich das absolut Böse in unsere Welt brachten. Schuld war das Necronomicon Ex Mortis, ein in Menschenhaut gebundenes Buch mit dem Wissen aus Jahrtausenden. Überlebt hat einzig Ash (Bruce Campbell), der nicht nur seine rechte Hand verlor, sondern auch seine Freunde nach und nach mit Kettensäge und Gewehr zerteilen musste. Das Böse konnte er damals wieder in seine Dimension verbannen.

 

So viel zur Vorgeschichte. In “Ash vs. Evil Dead” wird erneut aus dem Necronomicon vorgelesen, das Böse erreicht wieder Ash und will sich für die Niederlagen der Vergangenheit an dem Anti-Helden rächen – die Prämisse ist so simpel, dass man den Verantwortlichen beinahe Faulheit vorwerfen kann muss. Dass die Serie trotzdem funktioniert, liegt an drei Elementen: Bruce Campbells Performance zwischen Slapstick-Chauvi und Badass-Helden ist irre unterhaltsam. Zweitens sind die Support-Charaktere (Ray Santiago als Pablo, Dana DeLorenzo als Kelly und Lucy Lawless als Ruby Knowby) ein passender Ausgleich zu Bruce Campbells sehr markantem Auftreten und geben der Gruppe genügend Dynamik, um über die zehn Folgen gut zu unterhalten. Zu guter Letzt sind da dann noch die übertriebenen aber gut gemachten Splatter- und Spezialeffekte, die in vielen Fällen nicht aus dem Computer kommen und damit an die zugrunde liegenden Horrorklassiker erinnern. Auch den Kostümdesignern und Maskenbildnern gilt hier ein ausdrückliches Lob.

Ash: Älter, aber nicht reifer

Im Mittelpunkt der Serie steht natürlich Ash – der nichtsnutzige Verkäufer, der zwar bereits zweimal die Horden der Untoten besiegt hat, aber für mindestens einen Ausbruch selbst verantwortlich war. Auch diesmal verursacht er durch seine Unbedachtheit den Beginn der Apokalypse. Das Setup der Serie könnte also kaum generischer da sein. In den Videospielen war es zumindest immer jemand anderes, der das Necronomicon missbraucht hat – aber hier ist es schlichtweg Ashs Dummheit. Ohne Spoiler: Weed und das absolute Böse sind in “Ash vs. Evil Dead” eng verzahnt.

Für Kenner der Filme gesprochen ist Ash mehr “Armee der Finsternis” als “Tanz der Teufel 2” – selbstbewusst, aber inkompetent in Details, mit echten Frauenqualitäten. Aber er durchläuft auch einen seelischen Spießrutenlauf und darf sogar etwas charakterliche Entwicklung zeigen. Kein Vergleich also zum omnipotenten Helden, den er im mittelalterlichen “Armee der Finsternis” spielen durfte, sondern deutlich bodenständiger. Trotzdem verursacht Ash wieder jede Menge Chaos und macht durch seine Missgeschicke seine oft guten Ideen komplett zu Nichte. Und trotzdem wächst kein (untotes) Gras mehr, wo er mit seiner Arm-Kettensäge hinschlägt.

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Auch ein (Anti-)Held braucht einen Guten-Morgen-Kaffee. Gut zu sehen: Ashs neue mechanische Hand.

Gemeinsam gegen das Böse

Diesmal ist Ash jedoch nicht alleine und hat mit dem eigentümlichen Pablo und der ständig angepissten Kelly zwei Kompagnons auf seiner Reise zur Zerstörung des Necronomicons, die ein gutes Gegengewicht zu Ashs Selbstüberschätzungstriade bilden. Auch wenn Ash weiterhin im Mittelpunkt steht, müssen sich Pablo und Kelly nicht über zu wenig Screen time ärgern – sie treiben die Handlung plausibel genug an und haben ihre Wow-Momente.

Ein wenig präsenter ist hingegen Lucy Lawless als Ruby, die in der ersten Folge als mysteriöse Verfolgerin Ashs eingeführt wird und noch eine große Rolle im Kampf um das Necronomicon spielen wird. Zudem hat Lawless in den 20 Jahren seit “Xena” nichts von ihrer Ausstrahlung eingebüßt und ist somit der ideale Gegenspieler für Ash. Auf der Seite der Verfolger ist zudem die Polizistin Amanda Fisher (Jill Marie Jones), die seit dem brutalen Mord an ihrem Partner ebenfalls Ash als Verdächtigen jagt. Die weiteren Nebendarsteller sind eher Kanonen- und Untotenfutter und werden spätestens zur nächsten Folge effektvoll in Einzelteile zerlegt. Apropos effektvoll…

Dämonen, Besessene und Kunstblut

Serien haben meist ein großes Problem im Vergleich zu ihren Leinwandpendants: Durch die niedrigeren Produktionskosten, gepaart mit längerer Laufzeit, leiden Spezialeffekte als erstes – und da wiederum Splatterhorror von guten Effekten abhängig sind, ist die Liste wirklich guter Horrorserien sehr kurz. Um hier schon einmal die ersten Sorgen zu nehmen: “Ash vs. Evil Dead” leidet unter diesem Syndrom nicht. Hier ist der Einfluss der originalen “Evil Dead”-Trilogie deutlich: Sam Raimi war schon immer ein Fan praktischer Tricks, weswegen in den einzelnen Episoden vergleichsweise selten zu visuellen Effekten aus dem Computer gegriffen wird.

 

In den Dämonen und Besessenen stecken also Schauspieler, die mit Makeup und Ganzkörperkostümen effektvoll verwandelt wurden. Highlight ist hier der Dämon Eligos, bei dem nicht nur ein uneinladendes Maskenbild verpasst wurde, sondern auch mit einer Priese CGI-Wackeleffekt nachgeholfen wurde und deswegen extra-gruselig wirkt. Ebenfalls dabei: Echtem Kunstblut, mit dem die Darsteller besprenkelt werden. Literweise besprenkelt. Wahrscheinlich hängt jetzt die gesamte Kunstblut-Industrie Hollywoods von “Ash vs. Evil Dead” ab, so viel Kunstblut spritzt aus allen Ecken. Im Minutentakt werden Untote zerfetzt, Unbeteiligte durchbohrt oder Glieder abgetrennt. Das passt jedoch wunderbar zu dem Splatterfest, das “Evil Dead” in den 80iger Jahren war. Seine FSK-18-Einstufung hat die Serie auf jeden Fall verdient. Im Gegensatz zu den indizierten Filmen der 80iger ist das eine kleine Sensation, zeigt aber auch, wie sich das Medium seit den ersten Splatterfilmen verändert hat.

Fazit

Es hätte viel schief gehen können bei “Ash vs. Evil Dead” – aber hier stimmt wirklich (fast) alles. Die Action, die Selbstironie und das Wiedersehen mit alten Bekannten: Das ist eine Reunion, die Fans begeistert. Darin liegt aber auch die größte Schwäche der Serie, auch wenn sie versucht, ohne den Kultstatus der originalen Filmtrilogie auszukommen und neue Zuschauer zu gewinnen. Das klappt in Teilen, jedoch steht hier die Prämisse aus Comedy zwischen Slapstick und B-Movie, sowie den Splatter-Elementen der Serie im Weg. Die Mischung ist sehr speziell und spricht primär diese eine Zielgruppe an, die mit “Evil Dead” großgeworden ist. Bruce Campbell als Lead liefert hier sein gewohntes Schauspielportfolio ab, der Rest unterstützt ihn nach Leibeskräften. Das reicht nicht für eine Nominierung zur Serie des Jahres, aber zeigt, dass auch Nischenserien heutzutage funktionieren können.

Wer die 10 Folgen à 30 Minuten der ersten Staffel (vorzugsweise auf Englisch) verschlungen hat, muss auch nicht wieder ein Jahr bis zur Fortsetzung warten: Amazon Instant Video wird ab Oktober 2016 die zweite Staffel von “Ash vs. Evil Dead” scheibchenweise (eine Folge pro Woche) zur Verfügung stellen. In der Staffel verbündet sich Ash nicht nur mit Ruby, sondern auch mit seinem Vater, um das Böse jetzt wirklich zu besiegen – vielleicht.

8
Hail to the King, Baby.

Pros

  • Charismatische Schauspieler
  • Effektive Horrorelemente
  • Großartige Hommage

Kontras

  • Für Neulinge sonderbare Mischung
  • Nichts Neues für's Genre