Review: Die Insel der besonderen Kinder

Der Originaltitel von Die Insel der besonderen Kinder lautet Miss Peregrine’s Home for Peculiar Children. Man kann peculiar durchaus mit besonders übersetzen, aber eigentlich geht es eher in Richtung sonderbar, merkwürdig und seltsam. Wer wäre da geeigneter als Tim Burton, der Mann mit dem Herz für Außenseiter, den Roman von Ransom Riggs zu verfilmen? Am 6. Oktober kommt der Film in die Kinos. Fragt sich nur, ist er jetzt merkwürdig oder besonders? Oder gar beides?

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Als Jake (Asa Butterfield) noch klein war, liebte er es, wenn ihm sein Großvater die Geschichte eines besonderen Waisenhauses in Wales erzählte. Aber als er älter wird, glaubt er die Geschichten von unsichtbaren Kindern oder solchen in denen ein Bienenstock wohnt nicht mehr. Doch dann stirbt sein Großvater unter merkwürdigen Umständen und Jake macht sich mit seinem Vater (Chris O’Dowd) auf nach Wales, um das Waisenhaus und dessen Leiterin Miss Peregrine (Eva Green) zu besuchen. Dort angekommen muss Jake feststellen, dass Realität und Zeit nicht an jedem Ort das sind, was man unter ihnen allgemein zu verstehen pflegt.

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Eine Jugendbuchverfilmung, mal ganz was Neues … nicht. Aber gerade wer selbige, Remakes und Sequels satt hat, wird bei Die Insel der besonderen Kinder fündig, vorausgesetzt natürlich, dass es ein bisschen schräg sein darf. Es ist schließlich ein Tim Burton, wenn auch einer ohne Johnny Depp, Helena Bonham-Carter und Danny Elfman! Das Erstaunliche: man vermisst sie nicht! Asa Butterfield (Enders Game) erfüllt nicht nur optisch alle Anforderungen an eine Burton Figur, er verkörpert auch perfekt den sensiblen Aussenseiter. Chris O’Dowd ist dagegen grandios als Normalo und Samuel L. Jackson ist mit einer fast schon unverschämten Spielfreude dabei, die auf unterhaltsame Weise haarscharf am over-acting grenzt. Eva Green beeindruckt mit der Ausstrahlung und Schönheit eines  Filmstars von früher. Sie hat weniger Filmminuten, als es einem vorkommt, solch einen Eindruck hinterlässt sie – auch dank eines tollen Special Effects. Dazu sind die Kinder ausnahmslos ideal besetzt. Sie sind wirklich eine besonders liebenswert merkwürdige Truppe.

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Auch wenn er es verdienen würde, wird der Film nicht nur gute Kritiken bekommen. Für die einen wird er zu schräg sein, anderen nicht schräg genug und natürlich wird es wieder die geben, die völlig überfordert mit dem Konzept von interner Logik sind. In der Tat, wer nicht in der Lage ist für 127 Minuten eine Welt zu akzeptieren, in der Frauen sich in Vögel verwandeln und die Zeit zurückdrehen können, für den ist der Film vielleicht wirklich nichts. Wer aber fantasievolle Geschichten liebt und auch mal damit leben kann, dass nicht alles Sinn macht, der wird hier einen der unterhaltsamsten Filme des Jahres vorfinden. Neben den tollen Darstellern sind die Kostüme von Oscar-Gewinnerin Colleen Atwood, das wunderbare Set-Design (irgendwo zwischen unheimlich und nostalgisch), die Special Effects und auch die musikalische Untermalung eine Freude. Der Film ist witzig, spannend, ein bisschen gestört – wenn Puppen mit Hummerscheren gegeneinander kämpfen oder ein Teller voller Augäpfel serviert wird, ist das Albtraummaterial deluxe für zarte Seelen – und er hat die mit Abstand bescheuertste Action-Sequenz des Jahres zu bieten. Bescheuert gut, so manchem liefen bei der Pressevorführung die Tränen runter vor Lachen.

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Die Versuchung ist da, diesen Film mit X-Men zu vergleichen. Zum einen wegen der besonderen Fähigkeiten der Kinder, zum anderen stammt das Drehbuch von Jane Goldman, die auch X-Men: First Class geschrieben hat. Aber es ist eine ganz eigene Geschichte, die zu seltsam ist, um sich lediglich als ein weiterer Film im Superhelden Universum einzuordnen. Er ist zudem vollgestopft mit den sonderbarsten Ideen, unterschiedlichsten Bildern und Motiven, aber Burton schafft es, daraus ein harmonisches Ganzes zu machen, das zudem ein ganz großes Herz hat. Aber, werden sich die Fans des Romans fragen, ist er denn auch der Vorlage gerecht geworden? Nun, diejenigen, die das Buch lieben, waren anschließend vollkommen verzückt – wohlgemerkt trotz einiger Änderungen.

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Fazit

Schräge Bilder und Ideen, tolle Darsteller, ein bisschen gestört (FSK: ab 12), die absurdeste Action-Sequenz seit langem und ganz viel Herz: Die Insel der besonderen Kinder ist bezaubernd anders. Wer sich darauf einlässt und für den Logik nicht die heilige Kuh des Entertainments ist, der wird hier wunderbar unterhalten. Die Figuren sind merkwürdig, aber der Film ist besonders.

8.5
Schräg

Pros

  • Charmant & mit Herz
  • Grandiose witzige Action
  • Tolle Darsteller
  • Tolle Bilder

Kontras

  • Interne Logik verlangt Akzeptanz
  • Für manche zu schräg
  • bzw nicht schräg genug

Unser Fazit


Handlung
8
Präsentation
9