Review: Sonic Boom: Feuer & Eis (3DS)

Der Moment auf den wir alle gewartet haben: Sonic Boom ist endlich wieder zurück! Nach dem gloriosen Auftakt des Sonic-Reboots/Remakes/Reimagining/Relaps auf der Wii U, haben Fans und Kritiker nur darauf gewartet, dass aus Sonic Boom eine wohlverdiente Trilogie wird. Gut, Sarkasmus mal beiseite gelassen, Sonic hat es heutzutage ohnehin nicht leicht. Auch wenn ab und zu mal ein ordentliches Videospiel unter dem Namen des blauen Igels erscheint, kann das flotte Tierchen mit Turnschuhen einfach keine Vollkatastrophen vermeiden. Sonic Boom ist nur allgemeinhin der jüngste Ausrutscher in einer Reihe von Gurken, die sich Sega schon mit ihrem Maskotchen geleistet hat. Man denke an Sonic 2006 oder Sonic & The Black Knight. Aber das vorherige 3DS-Spiel, welches ebenfalls mit dem Sonic Boom Label herauskam, wurde allgemeinhin zumindest nicht als furchtbar und mehr als recht unterdurchschnittlich betrachtet. Vielleicht besteht also durchaus Hoffnung, dass Entwickler Sanzaru Games sich mit Sonic Boom: Fire & Ice steigern kann. An Fanfeedback dürfte es ja nicht mangeln. Und schau an: Genau so ist es. Fire & Ice ist ein wenig besser als sein Vorgänger Shattered Crystal. Betonung allerdings liegt auf ein wenig.

 

Die Handlung: Sonic erlangt durch einen Riss im Boden auf unerklärliche Weise die Macht über Feuer und Eis. Damit aber seine ganzen lauten, quietschigen Freunde auch etwas davon haben, schließt Tails kurzerhand alle Armbänder der Gruppe kurz und überträgt die neu gewonnen Superkräfte per Funk. Ja, so funktionieren Wissenschaft und Technik nun einmal. Fortan beschließt also Sonic und seine anderen vermarktbaren Merchandise-Gestalten weitere plötzlich auftauchende Bodenspalten zu schließen, weil diese bestimmt gefährlich sind. Oder so. Das machen sie indem sie quer über eine Handvoll Inseln rennen und dabei schlechte Witze reißen. Ach, übrigens ist auch Dr. Eggman wieder dabei. Er bereitet Wettrennen mit Robotern für Sonic vor, damit er ihn auslachen kann, wenn er verliert. Zumindest kommen keine Zeitreisen und keine fliegenden Schlangen mit dem Namen Lyric vor.

Ich will ehrlich sein, ich finde Sonic und seine quirlige Bande schon grenzwertig erträglich in ihrem Normalzustand. Manchmal ganz unterhaltsam wie in Sonic Colors, manchmal einfach nervig wie Sonic: Lost World. Die Boom-Variante, sei es nun Videospiel oder Cartoon-Serie, ist jedoch die bisher unausstehlichste Interpretation. Hauptsächlich weil jede Figur auf eine einzige Charaktereigenschaft reduziert wird, diese dafür aber besonders dominant in den Vordergrund rückt. Sonic ist der unlustige Klugscheißer, Tails ist der Nerd, Amy hat keine Persönlichkeit mehr, Knuckles ist der Hohlkopf mit Muskeln und die neue Figur Sticks ist die Ausgeburt der Hölle. Insofern will ich die Geschichte, Dialoge und Figuren gar nicht weiter kommentieren. Wer die Cartoon-Serie mag, wird auch hier zurecht kommen.

 

Bleiben wir also allein bei den Mechaniken. Der Spieler rennt durch unzählige 2D-Platform Level, um das Ende zu erreichen und somit die verteilten Spalten zu schließen. Darüber hinaus gibt es aber immer versteckte Kleinigkeiten und Areale zu entdecken, sowie Hindernisse zu überwinden. Dabei kann man sich dem neuen Gimick bedienen, nämlich Eisklötze beim Berühren schmelzen oder physikalisch-fragwürde Wasserblöcke zurück in feste Schollen verwandeln. So kreiert man neue feste Platformen von denen man springen kann oder brennt sich Durchgänge frei. Auch hat jeder der fünf spielbaren Figuren einzigartige Eigenschaften, wie etwa die Fähigkeit sich durch den Boden zu graben oder einen Bumerang, der Schalter aus der Ferne aktiviert. Soweit so gut. Einzeln für sich genommen sind die einzelnen Level durchaus flotte Hindernisparcours, allerdings nutzt sich die Trickkiste der Entwickler rasch ab. Ganze Abschnitte und deren Aufbau gleichen sich oder scheinen direkt voneinander kopiert zu sein, sodass es sogar zur Verwirrung kommen kann ob man nicht versehentlich die selbe Stage zweimal spielt. Auch sieht die Umgebung oft exakt gleich aus, ohne visuelle Eigenschaften, die sie auseinanderhalten würden. Das macht die Auswahl an Stages pro Insel relativ austauschbar und langweilig. Grundsätzlich mangelt es dem Gamedesign an Inspiration und Kreativität. Was Feuer & Eis bietet ist Durchschnittsware, nicht mehr, nicht weniger.

 

Darüber hinaus gibt es zur Abwechslung optionale Mini-Spiele wie 2D-Shooter Segmente oder U-Boot Navigation unter Wasser. Beides ist gleichwertig furchtbar. Einige Automatic Runner-Sektionen wären als Reaktionsspielchen grundsätzlich ganz nett, wenn die Kameraperspektive nicht gegen den Spieler ausgerichtet wäre und die Taste zum Rennen nicht zugleich andere Aktionen wie Ausweichen oder Springen blockieren würde. Zuletzt eben noch die erwähnten Rennen gegen Eggmans Roboter. Sie sind in Ordnung. Immerhin ist dort einmal Geschwindigkeit vorwiegend, auch wenn man deswegen die exakt selbe kleine Stage dreimal hintereinander ablaufen muss. Für Multiplayer-Interessierte gibt es auch Rennstrecken gegen andere Spieler, allerdings war zu Zeiten des Tests niemand online, mit dem man dies hätte ausprobieren können. Somit überlass ich es der Fantasie der Leser, ob dieser Modus möglicherweise die anderen Fehler wieder ausgleicht.

Die Mittelmäßigkeit von Feuer & Eis ist insofern bedauerlich, als dass die Steuerung zwar ein wenig überbelegt, aber insgesamt sehr eingängig ist. Rennen, Springen, Eisblöcke schmelzen, mit dem Lasso über Abgründe hangeln etc. wird nach einiger Zeit zu einem amüsanten Spiel aus Rhythmus- und Reaktionsvermögen, vor allem in voller Geschwindigkeit. Wenn das Leveldesign nicht so öde wäre, hätte dieses Sonic tatsächlich ein guter Zeitvertreib werden können. Aber so? Bei der Auswahl an besseren 3DS-Spielen gibt es keinen Grund Feuer & Eis auch nur in Erwägung zu ziehen, außer für die absoluten Hardcore-Sonic Fans. Aber diese haben sich schon vor diesem Review für oder gegen das Spiel bereits entschieden, nicht wahr?

Fazit

Meh. Keine Katastrophe und kein Meisterwerk. Das Projekt Sonic Boom kommt mit Sonic Boom: Fire & Ice weiterhin an keine Qualität heran, die es noch rechtfertigt, dass das Label weitergeführt werden muss. Hoffentlich belässt es Sega endlich dabei, sodass wir uns nächstes Jahr voll auf das neue Sonic sowie Sonicmania konzentrieren können. Und dann hoffen, dass diese der Geschichte um Sonic wieder ein positives Kapitel hinzufügen.


Sonic Boom: Feuer und Eis [3DS] (Nintendo 3DS) Publisher: Nintendo Erscheinungsdatum: 30. September 2016 EUR 19,69 bei Amazon.de (Partnerlink)


4.7
Meh

Pros

  • Eingängige Steuerung

Kontras

  • Eintöniges Leveldesign
  • Schlechte Minispiele
  • Story, Charaktere & Sticks

Unser Fazit


Gameplay
5
Präsentation
6
Umfang / Story
3