Review: Snowden

Am 22. September kommt mit Snowden der neue Polit-Thriller von Oliver Stone (Platoon, Wall Street, Natural Born Killers) in die Kinos. Die letzten Filme (Alexander, Savages) des einstigen Provokateurs Stone waren nicht gerade cineastische Offenbarungen, aber die Geschichte eines modernen Helden – oder Verräters, je nach Standpunkt – kann man eigentlich nicht in den Sand setzen. Oder doch?

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Verräter oder Held? Was trieb Edward Snowden dazu, geheime NSA-Dokumente zu veröffentlichen? War ihm bewusst, welchen Preis er dafür zahlen würde? Wie sah sein Leben aus, bevor er beschloss es hinter sich zu lassen? Wie konnte er überhaupt die Informationen an die Öffentlichkeit bringen? Und kann es wirklich “nur” die Geschichte eines normalen Mannes sein, der es nicht mit seinem Gewissen vereinbaren konnte, zu schweigen?

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Edward Snowden ist der Mann, der Menschen weltweit dazu brachte, die Kameras in ihren Laptops mit einem Stück Papier zu verdecken. Einst als Spinnerei von Verschwörungstheoretikern abgetan, gab es auf einmal handfeste Beweise: die USA hat nicht nur die Möglichkeit zur Überwachung ihrer Bürger, sie missbraucht sie auch. Welch Überraschung. Wie so oft mit unbequemen Wahrheiten, ebbte das Interesse nach einer Weile ab. Die von Snowden ausgelöste NSA-Affäre liegt gerade mal drei Jahre zurück, Snowden selbst muss sich noch im Exil aufhalten, aber sein Name ist längst nicht mehr in aller Munde, der Begriff des “Whistleblowers” bedurfte bei Olympia erneut der Erklärung und dass die Mehrheit der Internetnutzer Lehren aus den Erkenntnissen gezogen haben, ist zumindest nicht offensichtlich. Der Film kommt also genau zum richtigen Zeitpunkt. Das Problem: der Film fühlt sich wenig aktuell an, ein bisschen so, als läge das alles schon viel länger zurück. Dafür ist er aber überraschend spannend. Das er auch etwas einseitig ist, versteht sich fast schon von selbst – etwas anderes würde man von Stone auch nicht erwarten.

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Oliver Stone verpasst also die Möglichkeit, dass zu tun, was er mal so gut konnte: provokant ein wichtiges Thema so zu präsentieren, dass man darüber diskutieren muss. Sein Film ist eher konventionell, was wiederum etwas angestaubt für so ein aktuelles Thema wirkt, besonders wenn es auch ein Multiplexpublikum ansprechen soll. Für letzteres sind wohl die ausgewalzte Vorgeschichte und die privaten Momente gedacht, die den Film auf zu lange 135 Minuten bringen. Was nicht heißt, dass Snowden kein guter Film ist. Snowden ist interessant, aufschlussreich und vor allem spannend – selbst wenn man sich bereits mit dem Thema beschäftigt hat. Was nicht zuletzt an Joseph Gordon-Levitt als Edward Snowden liegt, der hier eine Darstellung liefert, die dem Film ein goldenes Qualitätssiegel aufdrückt. Das Thema wird naturgemäß die Gemüter spalten, aber wer Gordon-Levitts Leistung nicht anerkennt, der hat sich wirklich kein Fitzelchen Objektivität bewahrt. Wirklich einig dürften sich aber alle darüber sein, dass Nicolas Cage und Rhys Ifans dagegen grottig sind. Immerhin, mit Zachary Quinto, Shailene Woodley und Melissa Leo überwiegt die Anzahl der guten Darsteller. Das interessanteste was man über Scott Eastwood sagen kann, ist, dass er die ganze Zeit bekleidet ist. Nicht ganz optimal sind übrigens auch einige von Stones Regieentscheidungen, die einen mitunter aus dem Film reißen.

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Fazit

Snowden ist ein solider, etwas einseitiger und spannender Film, der trotz seiner Aktualität etwas angestaubt wirkt. Joseph Gordon-Levitt liefert eine Glanzleistung ab, aber Oliver Stone verpasst die Chance, dieses wichtige Thema so zu präsentieren, dass man darüber nachdenken und reden muss. Sollte man aber trotzdem.

7
Solide

Pros

  • Stark: Gordon-Levitt
  • Spannend
  • Komplexes Thema verständlich präsentiert

Kontras

  • Zu lang
  • Cage wirkt wie Comedy
  • Einseitig

Unser Fazit


Handlung
8
Präsentation
6