Review: Dragon Quest VII: Fragmente der Vergangenheit (3DS)

Wie sich die Zeiten ändern. Europäische Liebhaber japanischer Rollenspiele hatten es immer schwer, schlichtweg weil der Sprung von Japan zu Nordamerika zu Europa für JRPGs häufig zu weit ist – irgendwo auf der Strecke bleiben sie dann stehen und wir müssen zum teuren Import greifen oder schauen gleich in die Röhre. Ein Kanditat dieser bescheidenen Entwicklung war damals der siebte Teil der beliebten Dragon Quest-Reihe für die originale PlayStation. 2000 in Japan, 2001 in den U.S. of A. und niemalsnicht für uns. Aber die Geschichte hat ein Happy End. Das Remake des Klassikers für den 3DS erscheint nun am 16. September auch hierzulande. Hurra für offene Weltmärkte! Drei Jahre später als im Heimatland, aber man will ja nicht meckern. Schauen wir uns lieber an, was die Neugestaltung eines 16 Jahre alten Rollenspiel zu bieten hat.

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Auf einem weiten Ozean existiert breit und weit nur eine kleine überschaubare Insel. Laut den Gelehrten ist dies auch das einzige Stück Land auf der ganzen Welt. Klingt unglaubwürdig? Der Sohn des Fischers, die Tochter des Bürgermeisters und der Prinz des Reichs zweifeln auch daran. Irgendwo muss es doch andere Menschen und Inseln auf diesem unendlichen Meer geben! Also tun sich die drei jungen Freunde zusammen, um der Wahrheit auf den Grund zu gehen. Wo sind diese anderen Inseln? Existieren sie überhaupt? Gemeinsam finden sie einen geheimnisvollen Schrein mit einer gewaltigen Landkarte, die Landmasse weit über ihrer winzigen Heimat offen legt. Wie es sich herausstellt, sind all diese anderen Inseln vor Äonen untergegangen bis nur noch eine einzige übrig blieb. Das wäre eine durchaus bestürzende Entdeckung, wenn dieser Schrein nicht zugleich auch als Zeitreiseportal funktionieren würde. Welch glücklicher Zufall, nicht wahr? Entschlossen die Vergangenheit umzuschreiben, beschließen die mutigen Abenteurer also jede einzelne Insel zu besuchen und sie vor ihrem drohenden Ende zu bewahren. Eine noble, wenn auch langwierige Aufgabe.

 

Kein schlechter Anfang. Die Geschichte ist erfrischender als das übliche Einsammeln von MacGuffins, um den drohenden Weltuntergang aufzuhalten, der für so alte JRPGs eigentlich typisch ist. Grundsätzlich muss man die großen und kleinen Stories loben, die Dragon Quest für jede einzelne Insel der Vergangenheit aus dem Ärmel schüttelt. Einmal droht ein Vulkanausbruch alles Leben auszulöschen, einmal wurden alle Bewohner in Stein verwandelt, dann wütet eine Monsterplage. Probleme gibt es genug zu lösen, aber die Geschichten sind immer nett und unterhaltsam, wenn teilweise auch zu langatmig. Klassisch ist und bleibt nur das Gameplay, die rundenbasierenden Kämpfe, die Erkundungen von Tempeln und Höhlen, das Aufspüren von Schatztruhen, das Erlernen von neuen Zaubersprüchen – wer schonmal ein RPG gespielt hat, weiß was ihn erwartet. Dazu gibt noch ein solides Klassensystem (dass es erst freizuschalten gilt), einprägsame Charaktere und schon hat man alles, was man braucht, um unzählige Abenteuer-Stunden mit Drachen, Magie und Helden zu verbringen.

 

Ein kleiner Vorbehalt jedoch: Dragon Quest VII ist ein inhaltsreiches Spiel. Die Spielzeit eines kompletten Durchgangs dürfte locker im dreistelligen Stundenbereich liegen, was unter anderem Umständen ein Pluspunkt wäre, hier jedoch als Warnung gemeint ist. So solide die Mechaniken sein mögen, so laufen sie sich doch nach dem 50ten Turm / Schloss / Höhle voller Monster mit ziemlicher Sicherheit tot. Nachdem das Klassensystem entdeckt und verstanden wurde, ändert sich einfach nichts mehr am Gameplay und früher oder später entwickelt sich ein gleichbleibender Trott aus der Weltenrettung. Die einzelne Geschichten sind nett, aber sind kein Staudamm gegen die anrollende Ermüdung. Das liegt nicht an der Qualität, aber der Präsentation der Mini-Stories. Anstatt am Stück erzählt zu werden, muss der Spieler stets am richtigen Ort und mit der richtigen Person reden, um weiter zu kommen – oft aber ohne, dass dies mit verständlichen Hinweisen versehen wird. Die Orte sind nicht groß, daher ist es eine Frage der Zeit bis man blind alle Figuren abgeklappert hat, um den richtigen Handlungsträger zu finden, aber es wird irgendwann trotzdem eine Geduldprobe.

Das Remake verbessert allerdings, was im Original vermutlich noch für Frust gesorgt hätte. Neben einer bunt-hübschen 3D Grafik, die Akira Toriyamas Zeichenstil richtig zum Leben erweckt, gibt es auch ein neues Hilfesystem, damit der Spieler nicht stecken bleibt. Um die einzelnen Inseln in der Vergangenheit zu besuchen, muss man immerhin die namensgebende Fragmente einsammeln. Früher eine Frage der hartnäckigen Suche, heute wird man mit Hinweisen auf die richtige Fährte gelotst. Auch das Aufleveln der Klassen geht etwas schneller von der Hand. Zweifelsohne eine Besserung, immerhin will niemand sich durch 1000 Monsterkämpfe quälen, nur um endlich neue Fähigkeiten freizuschalten. Wenn überhaupt, würde dass die Verschleißerscheinungen noch verstärken.

Fazit

Kann man dem Spiel vorwerfen, dass es zu lange dauert, wenn man vorher gut 50 Stunden Spaß mit Dragon Quest VII hatte? Ich weiß es nicht. Vielleicht nein, immerhin unterhalten manch andere Spiele nicht halb so lange. Vielleicht ja, immerhin muss ein gutes Spiel auch die richtige Balance zwischen Inhaltslänge und Abwechslung finden, bevor sich das Prinzip tot läuft. Wie auch immer man diese Frage beantworten mag, DQ VII ist kein schlechtes Spiel und für Fans des Genres definitiv empfehlenswert, nur sollte man wissen, worauf man sich einlässt.


Dragon Quest VII: Fragmente der Vergangenheit [3DS] (Nintendo 3DS) Publisher: Nintendo Erscheinungsdatum: 16. September 2016 EUR 14,99 bei Amazon.de (Partnerlink)


7.3
Klassisch

Pros

  • Oldschool JRPG Gameplay
  • Unterhaltsame Stories
  • Großer Umfang

Kontras

  • Schwache Story-Präsentation
  • Gameplay nutzt sich ab

Unser Fazit


Gameplay
7
Präsentation
7
Story / Umfang
8