Review: Metroid Prime: Federation Force (3DS)

Wenn am 2. September 2016 Metroid Prime: Federation Force auf dem deutschen Markt erscheint, werden einige eingefleischte Metroid Fans das Spiel nur kaufen, um es gleich darauf zu zerstören. Und das nicht etwa weil es ein grauenvolles Spiel ist (Spoiler: Ist es nicht!), sondern weil das Spiel schon seit seiner Enthüllung im letzten Jahr zum Scheitern verdammt war. Nach Jahren des Wartens und einem enttäuschenden Metroid: Other M für Wii, liefert Nintendo zum 30-jährigen Jubiläum, einen Spin-off Shooter, ohne Samus Aran und mit Chibi-Grafik.

Die Enttäuschung für Fans der legendären Prime Spiele aus dem Hause Retro Studios war groß und eben nicht nur weil dieser Ableger der Reihe auf dem Handheld erscheint und von Next Level Games („Luigis Mansion 2“, „Mario Strikers Charged“) entwickelt wurde. Doch wie schlägt sich das fertige Spiel nun ganz nüchtern betrachtet? Wir haben Federation Force für euch bereits vor dem offiziellen Release ausgiebig angespielt und berichten.

3ds-metroid-prime-logo

Aye, Weltraumpiraten!

Federation Force spielt nach den Geschehnissen von Metroid Prime 3: Corruption (Wii). Als junger Marine der galaktischen Federation, werdet ihr damit beauftragt, ungewöhnliche Aktivitäten im Bermuda System zu untersuchen. Ihr deckt auf, dass die Weltraumpiraten doch nicht von Samus Aran ausgerottet wurden und sie heimlich an einer Superwaffe arbeiten, welche die galaktische Föderation zerstören soll. Die Marines werden damit beauftragt die Bedrohung ausfindig und unschädlich zu machen.

Soweit so gut. Die Story an sich fügt sich relativ gut in das Gesamtbild des Metroids Universum ein, doch wird beim spielen des Titel schnell klar, dass sie hier kaum mehr als eine Nebensache ist. Während die „Original Trilogie“ sehr mit ihrer Geschichte und der tollen Atmosphäre bei den Fans punkten konnte, gehen diese Aspekte in Federation Force zu Gunsten des Multiplayer-Fokus leider unter. Mir war die Handlung des Spiels relativ schnell egal und insbesondere während den Missionen des Spiels, konnte ich mich nicht dazu überwinden, wertvolle Zeit zu vergeuden, um die zahlreichen Info-Terminals in der Spielwelt nach weiteren Storydetails auszuhorchen. Fans, lasst Euch außerdem gesagt sein, dass unsere geliebte Samus in der Handlung des Spiels eine größere Rolle spielt, als ursprünglich erwartet. Parallel zu euren Missionen, führt auch Samus Aran den Kampf gegen die Weltraumpiraten weiter und zwischen den Missionen bekommt ihr immer wieder kleine Updates über ihre aktuellen Erkenntnisse. Sie hat sogar ein kleines Cameo in einer der späteren Missionen des Spiels. Dennoch – wie echtes Metroid Material fühlt sich Federation Force nicht an. Viel eher wie ein sehr entfernter Verwandter – eine kleine Hommage an eines besten Shooter-Franchises der Spielegeschichte.

Singleplayer Ödnis, Multiplayer Spaß

Ein weiterer Punkt in dem sich Federation Force signifikant von den bisherigen Prime Spielen unterscheidet, wäre der neu gesetzte Fokus auf den Multiplayer-Modus. Während es sich bei vergangenen Spielen der Reihe ausschließlich um Singleplayer-Spiele handelte, geht Federation Force den gleichen Weg wie im vergangenen Jahr Zelda: TriForce Heroes und baut das gesamte Spielerlebnis um den Multiplayer-Aspekt auf. Dies hat zur Folge das sämtliche Spielmodi im Singleplayer nicht einmal ansatzweise so viel Spaß machen, wie im Spiel mit Anderen – lokal oder online. Das gleiche Problem plagte schon Triforce Heroes im Singleplayer. In Federation Force steuert der Spieler einen Mech-Anzug in einem Squad mit drei weiteren Spielern.

Sind weniger als vier Spieler oder gar keine Mitstreiter verfügbar, so unterstützt das Spiel euch mit einer Ersatzdrohne pro fehlendem Squad-Mitglied. Diese können zwar reichlich Schaden anrichten und halten euch gerne auch den Rücken frei, doch mangelt es ihnen an einer wichtigen Eigenschaft: Intelligenz. Die Aushilfs-Drohnen sind leider nicht in der Lage Rätsel zu lösen und in Aufgabenteilung zu arbeiten, sodass ihr einen immensen Nachteil im Singleplayer habt, insbesondere wenn ihr den Highscore jagt und euch die Zeit davonrennt. Fazit: Je weniger echte Spieler in eurem Squad sind, desto schwieriger, langweiliger und frustrierender werden die Missionen.

Doch das heißt nicht, dass Federation Force unter keinen Umständen Spaß macht – im Gegenteil. Spielt ihr zusammen mit Freunden lokal (ein Spielmodul pro Kopf) oder online mit zufälligen Squad-Partnern, so kann das Spiel wirklich eine Menge Spaß machen. Insbesondere mit vier Spielern unterscheidet sich das Spielerlebnis vom Singleplayer so sehr, dass es fast schon schockierend ist. Viele Missionen die im Singleplayer einfach nur frustrierend sind, machen auf einmal wirklich Spaß und ich habe mich stets gut unterhalten gefühlt. Das Spiel gibt den einzelnen Spielern außerdem Ansporn immer ihr bestes zu geben, denn der Spieler mit der höchsten Punktzahl, darf sich am Ende der Mission als erstes an den gesammelten MODs bedienen. Dabei handelt es sich um Ausrüstungschips für euren Mech, die dessen Fähigkeiten verbessert oder eure Waffen erweitert.

Sammelwahn und Abwechslung?

Die MODs geben dem Spiel deutlich mehr Dynamik und ermöglichen euch, die eigene Kampfmaschine nach persönlichen Vorlieben anzupassen. Das Spiel lässt euch weiterhin den Paintjob eures Mechs anpassen. Neue Designs schaltet ihr nach und nach frei, doch sind die meist nur kosmetischer Natur. Seid ihr im Besitz eines Metroid amiibo, könnt ihr zudem weitere Paintjobs freischalten, die positive Boni mit sich bringen. Auch andere amiibo funktionieren mit dem Spiel, schalten jedoch immer den gleichen Paintjob frei. Schade. Diese sammelbaren Inhalte spornen in jedem Fall dazu an, erneut in die Missionen abzutauchen, alle Verstecke zu entdecken und den Highscore zu knacken. Nach etwa 9 Stunden Spielzeit habe ich immer noch eine Hand voll Missionen vor mir, sowie zahllose MODs und Paintjobs, die mir noch fehlen.

Was die gebotene Abwechslung angeht, so bin ich etwas zwiegespalten. Die Missionen bieten für meinen Geschmack reichlich davon. So gibt es beispielsweise Missionen mit Fokus auf (simple) Rätsel, dass Beschützen eines Objekts oder aber das Bezwingen eines großen Obermotz. Letztere sind wirklich abwechslungsreich gestaltet und immer wieder ein kleines Highlight zwischen den regulären Missionen. Missionen enthalten gelegentlich sogar unerwartete Spielelemente wie Stealth- oder Sprung-Passagen. Weniger begeistert bin ich von der Spielwelt selbst. Das gesamte Spiel ist auf die drei Planeten des Bermuda-Systems aufgeteilt, die zwar recht nett gestaltet sind, aber eben immer das gleiche Ökosystem / Landschaft für den Spieler bereithalten. Nach ein paar Missionen auf einem Planeten hat man sich einfach satt gesehen. Auch sind die coolen Waffen im Spiel leider immer an eine sehr begrenzte Menge Munition gebunden, sodass man oftmal nur mit seinem normalen Blaster auskommen muss. Spieltechnisch macht es Sinn, doch empfand ich auch dies gelegentlich als ermüdend.

Cooles 3D und gewöhnungsbedürftige Steuerung

Was die Präsentation des Titels angeht, so kann ich mich abseits der monotonen Gestaltung nicht wirklich beschweren. Die Level sind zwar nicht selten recht karg gestaltet, aber rein technisch macht das Spiel einen guten Eindruck. Das Bild selbst ist durchgehend flüssig und selbst bei größeren Effektmengen bleibt die Bildrate stabil. Besonders gut gefallen hat mir der 3D-Effekt in diesem Spiel. Der Prime-typische Visor sorgt für einen intensiven Tiefeneindruck und man bekommt ein gutes Gefühl für seine Umwelt. Leider kollidiert dieses Feature mit meinem bevorzugten Steuerungsschema für das Spiel.

Habt ihr einen New 3DS / New 3DS XL könnt ihr in Federation Force zwischen zwei unterschiedlichen Steuerungsmethoden wählen. Die Standard-Steuerung greift auf das Gyrometer zur feinen Positionierung des Fadenkreuzes zurück – ähnlich wie es schon bei Splatoon Standard ist. Diese Methode ist intuitiver und sehr präzise, benötigt aber etwas mehr Eingewöhnung als der klassische Dual-Stick Ansatz. Dieser ist den Besitzern besagter Konsolen vorbehalten, da nur diese über den zusätzlichen C-Stick verfügen, welcher zum Zielen verwendet wird. Ich bevorzuge die Gyro-Methode, da sich das Fadenkreuz so absolut positionieren lässt. Dies hat jedoch zur Folge, dass der 3DS gekippt und bewegt werden muss, was den 3D-Effekt praktisch unbrauchbar macht – besonders auf alten 3DS Handhelds ohne Head-Tracking.

Metroid Prime: Blast Ball?!

Kommen wir nun zum großen „Mini-Spiel“ von Federation Force: Blast Ball. Dabei handelt es sich um ein kleines Sportspiel, in dem zwei Teams gegeneinander antreten und versuchen einen überdimensionierten Ball ins gegnerische Tor zu befördern. Das Spiel selbst erinnert etwas an das aktuell sehr beliebte Rocket League, bietet jedoch viel weniger Abwechslung und wurde daher von mir auch schnell wieder ignoriert. Die paar Runden die ich während meines Tests gespielt habe, konnten mich einfach nicht überzeugen. Es fühlt sich einfach etwas zu sehr an wie ein Überbleibsel aus der Prototyp-Phase für das eigentliche Hauptspiel.

Fazit

Metroid Prime: Federation Force ist nicht so schlecht wie sein Ruf in der Fan-Gemeinde, doch hat es auch zu viele Probleme, um als wirklich gutes Spiel seinen Platz neben der legendären Prime-Trilogie einzunehmen. Es ist ein Spin-off vergleichbar mit TriForce Heroes für das Zelda Franchise, dass im Multiplayer eine Menge Spaß machen kann, im Singleplayer jedoch total enttäuscht. Dies liegt in seiner Natur und ich würde es ihm verzeihen, würden die fehlende Atmosphäre und die nebensächliche Story das Gesamtbild nicht noch weiter trüben. Wer jedoch Lust auf einen guten Handheld Shooter hat und mit den Schwächen des Spiels leben kann, der kann mit ein paar Freunden durchaus seinen Spaß haben.


Metroid Prime: Federation Force [3DS] (Nintendo 3DS) Publisher: Nintendo Erscheinungsdatum: 2. September 2016 EUR 17,99 bei Amazon.de (Partnerlink)


6.7
Durchwachsen

Pros

  • Unterhaltsamer Multiplayer
  • Abwechslungsreiche Missionen
  • Nette Bosskämpfe

Kontras

  • Schlechter Singleplayer
  • Begrenzte Schauplätze
  • Kaum „Metroid"-Feeling

Unser Fazit


Gameplay
6
Präsentation
7
Umfang / Story
7