Review: Ben Hur

11 Oscars und das berühmteste Wagenrennen, das jemals auf der Leinwand ausgetragen wurde – da geht doch noch was, dachte man sich bei Paramount und fragte Regisseur Timur Bekmambetov (Wächter der Nacht, Wanted) ob er Lust hätte. Der sagte ja und so kommt am 1. September Ben Hur erneut in die Kinos. Stellt sich nur die Frage, ob es sich um einen modernen Monumentalfilm oder einen monumentalen Fehler handelt?

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Weil seinem Adoptivbruder Messala (Toby Kebbell) sein Ruf und seine Karriere in der römischen Armee wichtiger sind als die Familie, wird der angesehene und wohlhabende Judah Ben Hur (Jack Huston) von seiner Familie und seiner großen Liebe Esther (Nazanin Boniadi) getrennt und als Sklave auf eine römische Galeere gebracht. Nur ein Gedanke hält ihn am Leben: Rache zu nehmen an dem ehemals geliebten Bruder. Nach Jahren der Qual und Verzweiflung kehrt Judah Ben Hur nach Jerusalem zurück und stellt sich in einem Wettkampf auf Leben und Tod  nicht nur gegen Messala sondern das gesamte römische Imperium.

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Wer einen Blick auf den vernichtenden Metascore geworfen hat, der ahnt bereits: da ging doch nichts mehr. Was nicht heißt, dass es nichts positives über Ben Hur zu sagen gibt, denn wenn er dem Remake-Wahn Hollywoods schon kein Ende bereitet, ihn aber zumindest entschleunigt, dann wurde dieser ansonsten völlig überflüssige Film nicht umsonst gedreht. Auch über Jack Huston kann man nettes sagen: so sieht er nicht nur gut aus, sondern er hat auch Charisma und Talent – genug, dass man seinem Judah Ben Hur wohlwollend folgt und es einem gleichzeitig auffällt, wie verschwendet er hier ist. Und weil aller guten Dinge bekanntlich drei sind, gibt es sogar noch einen positiven Aspekt an der Neuverfilmung: mit 125 Minuten ist sie wesentlich sitzfleischfreundlicher als die 222 Minuten von 1959.

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Selbst wenn man jeglichen Vergleich mit dem Klassiker und der Literaturvorlage von 1880 außen vor lässt ist Ben Hur ein alberner Film. Die Geschichte um Liebe und Hass, Rache und Vergebung wurde von den Drehbuchautoren Keith Clarke und John Ridley mit der nuancierten Kraft eines Elefantenfusses auf einer Tastatur umgesetzt. Emotionale Entwicklungen der Sorte ich hasse dich .. 1.. 2.. 3.. ich liebe dich erinnern nicht nur an Teenie-Serien und ungesunde Beziehungen, sondern resultieren hier beim emotionalen Höhepunkt in Gelächter. In Sachen Drehbuch wäre in der Tat noch etwas gegangen.

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Der bekannteste Name in der Besetzungsliste ist ohne Zweifel Morgan Freeman, der egal wie mies ein Film sein mag, einfach abliefert. Auch hier ist Freeman souverän, was als besondere Leistung gelten muss angesichts dessen, was Kostüm und Make-Up Department ihm zumuteten. Ein englischer Kollege beschrieb seinen Anblick als „das Ergebnis einer leidenschaftlichen Nacht zwischen einem Erzengel und Whoopie Goldberg“. Schöner kann ich es auch nicht sagen. Zu Toby Kebbell fällt einem dagegen wenig poetisches ein. Von Anfang an stellt sich das Bedürfnis ein, ihm mal ein paar saftige Ordnungsschellen zu verpassen. Aber nicht etwa wegen Messalas inneren Konflikten und Entscheidungen, nein, wegen Kebbels permanent beleidigtem-jammerigen-trotzigen Gesichtsausdruck, der wohl besagte Konflikte vermitteln soll. Was die restlichen Schauspieler/innen angeht, so muss man leider sagen, dass sie komplett austauschbar sind.

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Der Grund warum man sich Ben Hur ansieht ist natürlich das Wagenrennen. Das ist angemessen brutal und unterhaltsam, mal beabsichtig, mal weniger, denn wenn im O-Ton einer klingt wie Jeff Dunhams Ahmed the Terrorist (“I kill you”), dann fällt es schon schwer, das alles ernst zu nehmen. Man hätte auch dem CGI-Team ruhig ein paar Überstunden zahlen können, denn als Zuschauer ist man inzwischen sehr verwöhnt. Neben dem Wagenrennen ist die Seeschlacht ein absolutes Highlight. Sie ist brutal, spannend und interessant umgesetzt. Hier hat sich Bekmambetov sichtlich Mühe gegeben. Weniger Mühe hat man sich in Sachen historischer Authentizität gegeben, aber die war Bekmanbetov auch nicht wichtig. Der Film soll einem jungen (dummen) Publikum zugänglich sein, das war ihm wichtig. Also sitzt die Stretchjeans hat knackig eng. Die hatten halt gute Nähmaschinen damals in Jerusalem.

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Und dann gibt es da noch Jesus (Rodrigo Santoro). Judah ist sein Zeitgenosse und ihre Lebenswege kreuzen sich immer wieder. Das ist insofern wichtig, weil dadurch das Motiv der Vergebung eingeführt wird. Allerdings leiden die Szenen mit ihm unter der aufdringlich bedeutsamen Inszenierung. Es ist schwer zu sagen, ob man sich seitens der Filmemacher einfach besonders viel Mühe geben wollte oder ob man nicht genug Vertrauen in die Kraft der Aussagen und Handlungen hatte. Das Ergebnis ist, dass es einen erstaunlich kalt lässt. Da ist George Clooneys Monolog in Hail, Caesar! – immerhin eine Parodie auf solche Filme – berührender inszeniert, zumindest bis zu dem Moment, wo er den Text vergisst. Um abschließend aber noch einmal etwas positives herauszuheben: der Film sieht in seiner Farbigkeit sehr schön aus und erinnert an biblische Gemälde alter Meister.

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Fazit

Der Filmklassiker als emotional kraftlose Action-Nummer. Kann man natürlich mal machen, hätte es aber wirklich nicht gebraucht.

3.5
Überflüssig

Pros

  • Die Seeschlacht
  • Das Wagenrennen
  • Schöne Farbigkeit

Kontras

  • Austauschbare Besetzung
  • Emotionalen Momente
  • CGI nicht gut genug

Unser Fazit


Handlung
3
Präsentation
4