Review: Suicide Squad

Nach der Katastrophe die Warner Bros. und Zack Snyder im Frühjahr unter dem Titel Fatman v Superlame: Yawn of Justice Batman v Superman: Dawn of Justice ins Kino brachten, war die Enttäuschung unter Kritiken und Fans gleichermaßen groß. Schnell wurde Suicide Squad zum neuen Hoffnungsträger des DC Cinematic Universe erklärt und zumindest die Trailer machten einen vielversprechenden Eindruck. Doch schafft der Film es dem spaßfreien und effektgetränkten Morast der letzten DC Filme zu entkommen? Wir durften Suicide Squad schon vor dem offiziellen Kinostart am 18. August 2016 schauen und berichten.

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© 2016 Warner Bros. Entertainment Inc., Ratpac-Dune Entertainment LLC

Schwach, aber unterhaltsam

Suicide Squad spielt kurz nach den Geschehnissen von Batman v Superman. Die Welt denkt Superman ist tot und die Regierung versucht sich gegen weitere übernatürliche Bedrohungen zu wappnen. Unter der Leitung von Amanda Waller (Viola Davis) wird ein Spezialkommando, bestehend aus einigen der berüchtigtsten Verbrecher ihrer Zeit, ins Leben gerufen: Deadshot (Will Smith), Harley Quinn (Margot Robbie), Ike Barinholtz (Griggs), Killer Croc (Adewale Akinnuoye-Agbaje) und Diablo (Jay Hernandez) bilden den Kern der Truppe. Als die mächtige Enchantress (Cara Delevingne) droht die Welt zu vernichten, hilft der selbsternannte Suicide Squad zuerst nur widerwillig, doch wächst die verrückte Bande schnell zusammen. Können sie die Erde retten?

SUICIDE SQUAD

© 2016 Warner Bros. Entertainment Inc., Ratpac-Dune Entertainment LLC

Aller Anfang ist schwer. Das trifft auch auf Suicide Squad bzw. das “neue” DC Filmuniversum zu. Während Marvel jahrelange Charakterpflege betrieben hat, bevor man sich 2012 an das Gruppentreffen in The Avengers gewagt hat, will sich DC diesen Luxus scheinbar nicht leisten. Noch vor Justice League reiht man mit Suicide Squad eine ganze Reihe neuer Charaktere auf, doch ist die notwendige Einführung dabei alles andere als elegant. Die ersten 30 Minuten des Films sind mit eher anstrengenden Charakter-Intros gefüllt, dabei haben Comic-Verfilmungen wie Guardians of the Galaxy bereits bewiesen, dass es auch wesentlich organischer und einfallsreicher geht.

SUICIDE SQUAD

© 2016 Warner Bros. Entertainment Inc., Ratpac-Dune Entertainment LLC

Die neuen Charaktere selbst decken das volle Spektrum ab: Von genial unterhaltsam bis oberpeinlich und überflüssig ist alles vertreten. Am besseren Ende finden sich insbesondere Harley Quinn und Deadshot. Margot Robbie hat sichtbaren Spaß an ihrer Rolle und spielt eine herrlich verrückte und ansehnliche Harley Quinn, welche die meisten Fans restlos glücklich stellen dürfte. Will Smith als Deadshot landet nach langer Zeit auch mal wieder einen Volltreffer in seiner Karriere und spielt den wohl coolsten Charakter des Films. Die beiden stehlen dem Rest des Casts fast durchgehend die Show, sodass einige der anderen Charaktere bei mir schnell in Vergessenheit gerieten. Das ist vielleicht auch ganz gut so, denn einige der Neuzugänge sind einfach schlecht oder überflüssig.

SUICIDE SQUAD

© 2016 Warner Bros. Entertainment Inc., Ratpac-Dune Entertainment LLC

In beide Kategorien fällt beispielsweise Katana (Karen Fukuhara), die als klischeehafter Samurai portraitiert wird und der Story absolut nichts beizutragen hat. Als ähnlich nutzlos empfand ich Killer Croc, dessen Szenen auch eher peinlicher Natur sind. Wirklich unfassbar schlecht ist jedoch die Antagonistin Enchantress. Während der Charakter anfangs noch ganz nett umgesetzt wurde, erwartet den Zuschauer mit zunehmender Laufzeit ein lächerlicheres Bild der Hexe. Spätestens wenn sie dann als Mischung aus Azteken-Göttin und Shakira eine tödliche Tanznummer im Showdown hinlegt, war für mich der Vogel abgeschossen.

SUICIDE SQUAD

© 2016 Warner Bros. Entertainment Inc., Ratpac-Dune Entertainment LLC

Doch wie sieht es eigentlich mit Jared Letos Joker aus? Wenn es um den Joker oder Batman geht, kennen DC Fans ja bekanntlich keine Gnade. Leto tritt mit seiner Version des Jokers in die großen Fußstapfen Heath Ledgers, liefert jedoch eine völlig eigene Interpretation des Jokers ab, die den Comics wieder etwas näher kommt – so habe ich mir zumindest sagen lassen. Für seinen Joker ist Leto vollkommen in die Rolle des psychopathischen Clowns eingetaucht und liefert meiner Meinung nach eine tolle Performance, insbesondere wenn er sich die Leinwand mit Harley Quinn teilt. Umso enttäuschender ist es, dass sich Regisseur David Ayer und Warner Bros. entschieden haben, seine Screentime auf ein Minimum von circa zehn Minuten zu beschränken. In Suicide Squad dient er praktisch nur als Background-Story für Harley Quinn und so richtig durchdrehen sieht man ihn nie. Ich bin mit Sicherheit nicht der einzige, der einen Film mit der kaputten Beziehung zwischen Joker und Harley Quinn zu gern gesehen hätte – insbesondere im Hinblick auf die schwache Antagonistin und Storyline dieses Films.

SUICIDE SQUAD

© 2016 Warner Bros. Entertainment Inc., Ratpac-Dune Entertainment LLC

Ebenfalls etwas negativ aufgefallen ist mir der allgemeine Ton des Films. Dieser ist für seine berüchtigten Charaktere doch recht harmlos gehalten und die Definition von “Badass” könnte ebenfalls aus den Gedanken eines halbstarken Teenagers stammen. Ersteres wirkt sich vor allem auf die Action im Film aus, die mir persönlich leider gar nicht gefallen hat. Zwar ist sie nicht per se schlecht, doch sind die Kämpfe bestenfalls durchschnittlich und insbesondere der große Showdown leidet wieder einmal an schlechten Effekten, sodass man als Zuschauer dem Geschehen nur noch schwer folgen kann. Im Vergleich zum blendenden VFX-Gewitter des Batman v Superman Finale ist aber definitiv eine Besserung zu erkennen. Falls ein Extended Cut kommt, erhoffe ich mir hier Besserung und mehr Joker-Szenen, die dem Charakter würdig sind. Die angesetzte FSK16 Wertung ist meiner Meinung nach überhaupt nicht gerechtfertigt und entspringt vermutlich politischem Druck in Anbetracht der Waffengewalt der letzten Monate. Wirklich brutal geht es in Suicide Squad nie zu und es fließt auch kein einziger Tropfen Blut.

SUICIDE SQUAD

© 2016 Warner Bros. Entertainment Inc., Ratpac-Dune Entertainment LLC

Fazit

Suicide Squad ist ein sehr durchwachsenes Gesamtpaket mit vielen Fehltritten. Der Film ist jedoch zeitgleich auch sehr unterhaltsam und macht vieles richtig, was Batman v Superman noch falsch gemacht hat. In jedem Fall ist er ein Schritt in die richtige Richtung. Mein persönliches Highlight des Films war Margot Robbies Harley Quinn, die so ziemlich jedem anderen Charakter die Show stiehlt. Auch Will Smith als Deadshot kann endlich wieder schauspielerisch überzeugen, wohingegen Jared Letos Joker leider dem Schnitt zum Opfer gefallen ist.

Viele Fehler des Films sind dem eher schlechten Drehbuch zuzuschreiben, andere der halbherzigen und wenig einfallsreichen Regie von David Ayer. Totalausfälle wie die lächerliche Antagonistin sind wirklich bedauerlich, zumal das große Potenzial der kaputten Beziehung zwischen Harley Quinn und dem Joker nie ausgeschöpft wird. Diese hätte eine deutlich interessantere Geschichte ergeben, die wir hoffentlich irgendwann noch zu Gesicht bekommen. Alles in allem unterhaltsames Popkornkino – aber bitte erwartet nicht zu viel.

6.5
Schon besser

Pros

  • Unterhaltsames Gesamtpaket
  • Harley Quinn & Deadshot
  • Meist stimmiger Soundtrack

Kontras

  • Peinliche Charaktere
  • Schwaches Drehbuch
  • Schlechte Effekte