Review: Teenage Mutant Ninja Turtles – Out of the Shadows

Nach dem unterdurchschnittlich aufgenommenen aber trotzdem erfolgreichen “Ninja Turtles”-Reboot war es nur eine Frage der Zeit, bis sich die Sequelfabrik Hollywood wieder an die Schildkröten traut. “Teenage Mutant Ninja Turtles – Out of the Shadows” ist die logische Weiterentwicklung des mit Action-bepackten Vorgängers. Mehr Action, mehr Witze und mehr Hommagen an die beliebte Serie aus den Achtzigern. Doch Achtung: Seinen Bay’schen Wurzeln kann diese Fortsetzung nicht entfliehen.

Inhalt

New York, ein Jahr nach den Ereignissen des Vorgängers: Die Turtles leben trotz ihres Siegs über Shredder (Brian Tee) immer noch abseits der Gesellschaft, was den vier Brüdern Donatello, Leonardo, Michelangelo und Raphael arg zusetzt, während Kameramann Vernon (Will Arnett) für die Rettung der Stadt vor dem Foot Clan gefeiert wird. Doch dieser Konflikt ist beinahe vergessen, als ihr Erzfeind vor Ihren Augen aus dem Gefängnistransport befreit wird. Doch der Ausbruch mit von Physiker Baxter Stockman (Tyler Perry) gebauten Teleporter klappt nicht wie geplant: Shredder wird in die Dimension X geschleudert und muss sich dort mit dem Roboter-Tentakelmonster Krang zusammentun, um zurück auf die Erde zu gelangen. Dieser will das Technidrome, eine riesige Kampffestung, auf die Erde bringen. Natürlich können die vier Schildkröten-Ninjas dies nicht zulassen. Mit Hilfe von Reporterin April O’Neill (Megan Fox) und dem Gefängniswärter Casey Jones (Stephen Amell) begeben sie sich auf die Jagd nach dem Shredder und seinen Lakaien Bebob (Gary Anthony Williams) und Rocksteady (Stephan Farrelly).

Kritik

Als Fan der Trickserien sind die Parallelen zwischen den 1980igern Teenage Mutant Hero Turtles und Out of the Shadows sofort zu sehen: Statt wie bisher die Filme als eigenes Universum zu etablieren, setzt die Turtles-Fortsetzung nach dem 2014er Reboot auf den Nostalgiefaktor der angestaubten Serie unserer Kindheit. Bebop, Rocksteady und Krang sind alte Bekannte, Vorwissen der Zeichentrickserie ist jedoch nicht nötig. Das kann man als Vorteil für die junge Generation von Turtles-Fans sehen, die noch nie etwas vom Technidrome oder der Dimension X gehört haben. Für die ältere Generation ist es hauptsächlich Kindheitserinnerungen auf Steroiden. Dabei ist Out of the Shadows definitiv kein erwachsener Film. Es wird keine tiefgründige Geschichte erzählt und auch der Weg zum Ende ist kein Meisterwerk, unterhält jedoch für einen fast zweistündigen Film gut.

© Paramount Pictures, Nickelodeon Movies, Platinum Dunes

© Paramount Pictures, Nickelodeon Movies, Platinum Dunes

Was Out of the Shadows jedoch besser macht als sein Vorgänger: Er nimmt sich selbst nicht zu ernst. Er weiß, wie bescheuert die Prämisse von vier zu Ninjas ausgebildeten mutierten Schildkröten ist und kann somit Gags und Oneliner am laufenden Band abspielen. Die Witze sind dabei Hit-and-Miss: Von lahmen Furzwitzen bis hin zu halbwegs cleveren Wortgefechten zwischen den gepanzerten Brüdern ist alles dabei. Die ständige Action und Witzflut kann jedoch nur eingeschränkt darüber hinweg täuschen, dass alle Charaktere, angefangen von den Ninja Turtles bis hin zu den Bösewichten Krang und Shredder, charakterliche Pappaufsteller sind: Getreu der 80iger Jahre Comicserie verzichtet Out of the Shadows auf detaillierte Charakterzeichnung und setzt stattdessen auf die etablierten Archetypen. Das stört bei den Turtles weniger als bei den Bösewichten, weil die Charaktere der anthropomorphen Schildkröten sich bereits über 20 Jahre festgesetzt haben. Shredders und Krangs Motive kommen über ein “Ich räche mich” bzw. ein “Ich will die Erde erobern, weil ich es kann” nicht heraus. Dadurch leidet auch die Dynamik und Spannung des Films streckenweise.

© Paramount Pictures, Nickelodeon Movies, Platinum Dunes

© Paramount Pictures, Nickelodeon Movies, Platinum Dunes

Der menschliche Supportcast, bestehend aus Megan Fox, Will Arnett und Stephen Amell, kann hier auch keine oscarverdächtige Performance liefern. Zumindest hat man dieses Mal beschlossen, Fox’ Körper nicht den gesamten Film als Eyecandy durch die Kamera laufen zu lassen. Diesen Punkt hakt der Regisseur bereits nach 10 Minuten Laufzeit ab und verzichtet auf eine Übersexualisierung wie in “Transformers”, wodurch die Figur der April O’Neill zumindest etwas an Glaubwürdigkeit gewinnt. Will Arnett als Vernon spielt wieder den liebenswerten, aber von sich selbsteingenommen Kameramann, der nach “Teenage Mutant Ninja Turtles” zum Held von New York wurde und seitdem massiv an Bodenhaftung verloren hat. Neu im Bunde ist Stephen Amell, der als Vigilant Casey Jones mit Hockey-Maske und -Schläger bewaffnet Bebop und Rocksteady jagt. Parallelen zur DC-Serie “Arrow”, in der er den Vigilanten “Green Arrow”spielt, der mit Pfeil und Bogen Bösewichte jagt, kann man hier nicht einfach ausblenden. Amell ist zudem mit seinem unverwüstlichen Dauerlächeln der einzige menschliche Sympathieträger. Seiner Nebenhandlung vom gescheiterten Polizisten trägt dazu bei, dass auch manche Nicht-CGI-Szenen eine Daseinsberechtigung haben. April O’Neill und Vernon sind nur optisches Beiwerk oder Comic Relief respektive.

Fazit

Auf den Grundriss beschränkt bietet Teenage Mutant Ninja Turtles – Out of the Shadows mehr vom bekannten Hollywood-Action-Schema. Wer eine tiefgründige Story oder einen bleibenden Eindruck von diesem Film erwartet, ist hier definitiv falsch. Aber er macht auch Vieles richtig. Dadurch wird der zweite Turtles-Film nach dem Reboot zu einem locker-leichten Popcornkino, bei dem man sich wunderbar zwei Stunden berieseln lassen kann und dennoch viel Spaß an den rasanten Szenen, den meist sehr guten CGI-Effekten und dem Wiedersehen mit den Bösewichten unserer Kindheit haben kann.

6
Fast Food Schildkröten-Suppe

Pros

  • schnelle Action für Zwischendurch
  • nimmt sich selbst nicht ernst
  • viele Hommagen an die Trickserie aus den 80igern

Kontras

  • Minimalste Handlung
  • Bösewichte ohne Motive
  • Mehr vom Gleichen

Unser Fazit


Handlung / Action
4
Präsentation
8