Review: Stranger Things – Staffel 1

Die 80er sind vorbei, es leben die 80er! Zumindest war die Zeitepoche nie populärer als jetzt, selbst mit dem aktuellen 90er Nostalgie-Trip in der modernen Popkultur. Und der vielleicht beste Beweis dafür ist Stranger Things, ein achtteiliger Liebesbrief in der Form einer neuen Netflix-Serie für Steven Spielberg, John Carpenter und Stephen King, für Alien, The Thing, Goonies und alles was in den 1980er in der alten Röhrenmattscheibe gelaufen ist. Eine wahre Homage eben. Doch der Science Fiction Supernatural Drama Horror Thriller hat noch ein wenig mehr zu bieten als nur Anlehnungen an die vergangenen Tage des Fernsehens und des Films, sondern könnte tatsächlich die bisher beste Mystery-Serie seit Akte X und Twin Peaks sein. Und vermutlich euer nächster Serienmarathon.

© 2016 Netflix

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Familiar Things

In einer Kleinstadt in Indiana verschwindet der 12 jährige Will Byers spurlos unter geheimnisvollen Umständen. Keine Suchtruppe und keine Polizei kann auch nur den geringsten Hinweis aufspüren. Seine Mutter Joyce will den Verlust ihres Sohnes jedoch nicht wahrhaben und macht sich eigenhändig auf die Suche nach Antworten – ihre Methoden und Theorien überflügeln allerdings jeden rational denkenden Verstand. Als sich jedoch auch Wills engste Freunde auf eine vage Spur begeben, stochern sie in ein wahres Hornissennest aus unerklärlichen Ereignissen und Gefahren. Der Schlüssel zu all dem muss dieses merkwürdige, schweigsame Mädchen sein, dass plötzlich aufgetaucht ist. Vielleicht sind Joyces verrückte Ideen wahrhaftig doch mehr als nur die Hirngespinste einer trauernden Mutter…?

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Die Grundzüge sind fast klassischer Natur: Der Fall eines verschwundenen Kindes und die schleierhaften Umstände sind ein guter Startpunkt, um daraus ein wohlgestrickte Verschwörung zu drehen – wenn auch nicht sonderlich einfallsreich. Was Stranger Things jedoch davon abhält zu einem generischen Klischee seines eigenen Genres zu werden ist, dass die wahre Natur aller Fragen nicht unmittelbar vorhersehbar ist. Anders als z.B. Lost weiß man auch sehr wohl, wann man aufhören muss weiter Fragen über Fragen auszuschütten und man auch Hinweise und Antworten liefern muss. Stranger Things tränkt sich zudem in einer wunderbaren 80er Gruselästethik, von dem Retro-Soundtrack und Optik, den Kulissen, dem besonderen Flair von Schatten, Lichtern, Geräuschen und dem Low Tech Sci-Fi Vibe und der jenseitigen Atmosphäre eines Silent Hills.

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Staring: The Nerd Squad!

Besondere Anerkennung verdient hierbei die tolle Auswahl an Schauspielern, von der verzweifelten Mutter Joyce Byers (Winona Ryder) bis hin zum beinharten Sheriff Jim Hopper (David Harbour), selbst kleinere Rollen sind perfekt besetzt. Allerdings stehlen die Kinder den Erwachsenen hier eindeutig die Show. Ein reines Wunder, wirklich. Wills eigener Freundeskreis und DnD-Nerdgruppe tragen einen guten Teil der Handlung, ihre Suche führt sie auch schließlich zu dem mysteriösen Mädchen Eleven. Oft sind die Kinderschauspieler der schwächste Teil eines jeden Cast, man denke nur an Jake Lloyd aus Star Wars – Episode 1 oder Jonathan Ke Quan (aka Short Round) aus Indiana Jones und der Tempel des Todes. In Stranger Things kommt es daher dem Fund eines zweiköpfigen Einhorns gleich sogar in der Besetzung fünf Kinder zu sehen, die nicht nur ihr schauspielerisches Talent unter Beweis stellen, sondern auch glaubhaft und authentisch rüberkommen. Ihre Interaktion und ihr Abenteuer bringt auch eine gute Portion Humor mit in die Mischung hinein, gerade genug, um unterhaltsam zu sein, aber nicht zu viel, dass es von dem Kern der Handlung ablenken würde.

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Der Horror ist zudem nicht Hauptaugenmerk der Show. Mehr ist es der Mantel, in dem man die Spannung und die düsteren Momente eingekleidet, treibende Kraft ist aber zwischenmenschliches Drama, die Handlungsstränge, die alle Figuren miteinander verbindet und die nachvollziehbare Evolution von Persönlichkeit, Motivation, Gefühlen der Darsteller und Nebenfiguren. Für nur acht Episoden bringt die Serie mehr Charakterentwicklungen zum befriedigenden Abschluss als manche Serien mit drei oder vier Staffeln. Lob gibt es auch dafür, dass hier sogar mit manchen Archetypen gespielt wird, die in anderen Geschichten einseitiger Natur sind, hier aber ihre eigene Vergebung verdienen. Ja, ich weiß, ich bin mit Absicht sehr vage.

© 2016 Netflix

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Fazit

Grundsätzlich würde ich gerne noch zwei, drei Elemente in allen Einzelheiten loben und warum mir die Umsetzung so sehr gefällt, allerdings muss ich tatsächlich hier einen Schlussstrich ziehen. Hauptsächlich weil ich Spoiler vermeiden will – nichts läge mir ferner als euch den Reiz zu nehmen, euch selbst Stranger Things zu Gemüte zu führen. Andererseits bezweifel ich, dass falls jemand noch nicht davon überzeugt ist der Serie eine Chance zu geben, dass weitere Paragraphen, in denen ich mein Nerd-Herz über meine Liebe zum 80er Mystery Horror Adventure ausschütte, nicht helfen werden. Rundherum scheint Stranger Things ohnehin eine Show zu sein, die ganz und gar für mich gemacht wurde, von allen Anspielungen zu klassichen Horror-Filmen bis zu der Erwähnung von Star Wars und Dungeons and Dragons. Falls ihr euch jedoch auch dafür erwärmen könnt oder einfach nur eine gute, spannende Serie auf Netflix sucht, ist Stranger Things sehr zu empfehlen.

9
Retrotastisch

Pros

  • Wunderbare 80er Ästhetik
  • Spannende Genre-Mischung
  • Großartige Besetzung
  • Top Script und Effekte

Kontras

  • Das Ende wirkt ein wenig übereilt