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Die Flixpedition: Godzilla (2014)

Habt ihr euch schon einmal gefragt was es mit den aberhundert Filmen auf Netflix auf sich hat, von denen noch niemals jemand gehört hat? Was sich wohl in diesen weiten Gefilden von Low Budget, längst vergessenem Filmchen und obskuren Indie-Flicks entdecken lässt? Wenn es doch nur jemand geben würde, der mutig genug wäre sich auf solch eine cineastische Querreise zu begeben und davon zu berichten…

Die Flixpedition hat sich zum Ziel gemacht selbst den merkwürdigsten und absurdesten Filmchen eine Chance zu geben: Ohne Vorbereitung, Auswahl per Zufall, keine Grenzen oder Garantien – eine ewas andere Art von Filmkritik.

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Hallo, lieber Leserschaft. Heute möchte ich mit euch einen kleinen obskuren, kaum bekannten Low Budget Indie-Film besprechen, der auf den niedlichen Namen “Godzilla” hört. Das ist bestimmt französisch oder so und bedeutet “die lustige kleine Eidechse und das böse Missverständnis mit dem amerikanschen Militär”. Oder so. Die emotionale Art von Slice of Life mit weniger Life und mehr Explosionen, plattgetrampelten Leuten und kaputten Städten.

Okay, okay, ja, schon gut. So ganz kann man “Godzilla” jetzt nicht als unbekanntes Filmchen im Netflix-Katalog betrachten, aber wie viele sind denn für den Schinken nun wirklich ins Kino gepilgert? Laut der Netflix-Beschreibung ist Godzilla wetlweit auf der Liste der erfolgreichsten Filme 2014 nur auf Platz 14 gelandet. Damit sind nach meiner Rechnung nach mindestens 13 Filme bekannter als dieser hier. Das qualifiziert Godzilla doch als Kandidat für Flixpedition, oder etwa nicht? Ja? Nein? Wirklich nicht? Egal, das ist mein Artikel und ich sage er zählt. Basta!

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Ich persönlich erinnere mich zumindest sehr gut an den Trailer für den Film. Besonders effektiv beworben wurde Godzilla mit (große Überraschung!) gigantischen Monstern und Bryan Cranston in der Hauptrolle, sodass ich insgeheim schon hoffte, die Handlung würde sich darum drehen wie Heisenberg Godzilla mit gekochtem Meth zu seinem gefügigen Sklaven macht, um die Welt an sich zu reißen. Leider überflügelt da meine Fantasie doch das Endprodukt. Das ist aber nicht, wieso Godzilla im Großen und Ganzen so enttäuschend ausfällt. Die Tatsache, dass der Film mit äußerst wenig Bryan Cranston daherkommt, schon eher. Und was vielleicht noch viel fataler und überraschender: Kaum Godzilla.

Ein heftiges Erdbeben erschüttert Japan in 1999. Bryan Cranston, der hierbei Aufseher eines Atomkraftwerks spielt, verliert in der Katastrophe seine Frau. Fünfzehn Jahre später will er immer noch nicht an einen Zufall glauben, mehr noch ist er der Überzeugung, dass die Regierung die wahre Ursache des Erdbebens verheimlichen will. Und wie es so kommt, hat er absolut recht. Mit seinem Sohn entdeckt er, dass im Epizentrum ein riesiges Alienei gefunden wurde, welches kurz vor dem Schlüpfen steht. Ach und wie sollte es auch anders sein? Das Monsterlein schlüpft, der Plot wird völlig an den Rand geschoben und Kaboom Krach Bam Bam Roawr Ah Nein Zu Hilfe Pew Pew Ratatata Puff Peng Peng Chaos bricht aus. Die einzige Rettung? Godzilla!

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Ja, gut, dass ist nun der erwartete Teil des Films, wo man das Äquivalent dazu zu sehen bekommt, wie ein Fünfjähriger seine großen Spielzeugdinos aneinander hämmert und ein paar Plastikpanzer übers Feld rollen lässt, halt nur mit Hollywood-Effektbudget. Potenziell unterhaltsam, wenn es denn so kompetent umgesetzt ist wie bei Pacific Rim, Godzilla pflegt aber grundsätzlich die Unart spannende Monsterkämpfe einfach Off-Screen stattfinden zu lassen oder in den Hintergrund zu verlegen. Dort wo sie eigentlich nicht hingehören. Stattdessen beschäftigen wir uns die meiste Zeit mit Bryan Cranstons Sohn, gespielt von Aaron Taylor-Johnson (Kick-Ass oder Quicksilver aus Avengers 2), der als langweiliger Militärsoldat irgendwelche langweiligen Militäraufgaben für das Militär zu erledigen hat. Oh, und irgendwie müssen wir seine Ehefrau, gespielt von Elizabeth Olsen (Scarlet Witch, auch aus Avengers 2), als einzige weibliche Hauptrolle auch immer im Gefahrengebiet halten, damit wir ab und zu ihr rüberblenden können, um zu schauen ob sie immer noch in Gefahr ist. Ist sie? Jap. Check.

Die Sache ist, dass Godzilla nicht wirklich als ordentlicher Monsterfilm herhalten kann, weil die einzig wirklich guten Kampfszenen ganz am Ende passieren. Aber auch als emotionaler Katastrophenfilm ist er nicht zu gebrauchen, weil das menschliche Drama mit Bryan Cranston im ersten Akt stirbt. Alles was zwischen Anfang und Ende dann übrig bleibt, ist eben Godzilla beim Schwimmen zuschauen und einige Roland Emmerich-artigen Zerstörungsorgien. Hauptfokus bleibt dabei wie das Militär eine Bombe baut, die ganz, ganz bestimmt die große Alienspinne zerstören wird. Ganz bestimmt. In einem Godzilla-Film wird bestimmt nicht Godzilla am Ende die Welt retten, sondern das amerikanische Militär. Ach, nein? Die Bombe ist vollkommene Zeitverschwendung? Dann ist ja gut, dass wir uns damit hauptsächlich beschäftigen. Wer will schon die Kämpfe zwischen einer feuerspeienden Riesenechse und einer geflügelten Alienspinne sehen? Ich nicht. Ist Elizabeth Olsen übrigens noch in Gefahr? Jap. Check.

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Es entbehrt zumindest nicht einer gewissen, unfreiwilligen Komik, dass unsere einzige japanische Hauptfigur (Ken Watanabe) einen sechsten Sinn für Godzilla entwickelt und alles über ihn erklären kann, inklusive was die große Eidechse wohl gerade vorhat oder als nächstes tun wird. Vermutlich weil er Japaner ist, denkt sich der Film, die wissen sowas. Insofern folgen Szenen um Szenen, in denen Ken uns alles erklärt, während nebenher die unwichtige Militärhandlung mitläuft. Bis zum großen Monster-Showdown muss halt die Zeit irgendwie gefüllt werden. Dann kriegen wir zumindest ein paar spektakuläre Szenen zu sehen – wenn man vorher aus Langeweile nicht ausgeschaltet hat natürlich.

Unterm Strich bleibt Godzilla also nur ein recht durchschnittlicher Action-Film. Schade. Eine zünftige Monsterprügelei könnte eigentlich gut und gerne einen Abend füllen, aber hier wird einfach zu wenig wert auf das Essentielle gelegt. Vielleicht kriegen wir in ein paar Jahren ja ein Hollywood-Reboot, dass es endlich mal richtig macht. Hm-hm.

Flixpedition over and out.