Review: Monster Hunter Generations (3DS)

Keine Spielreihe ist so herrlich selbst erklärend wie Monster Hunter. Worum geht’s? Man jagt Monster. Und das war’s eigentlich schon. Klingt simpel, wenn nicht sogar belanglos, doch das Konzept hätte die frühen 2004 bis heute nicht überlebt, wenn es tatsächlich nichts zu bieten hätte. Was es alles an gehaltvollen Inhalten typischer Action-Rollenspielen wegstreicht, wie etwa durchgängiges Leveldesign, Rätsel, Charakterentwicklung, kommt dem einen Aspekt zu Gute, auf den es sich schlussendlich konzentriert: Anspruchsvolle Kämpfe mit übermächtigen Kreaturen. Alles im Spiel ist auf diesen einzigen Zweck abgerichtet, um dies so unterhaltsam, spannend und befriedigend wie möglich zu gestalten. Und das wohl erfolgreich, nicht zu unrecht gewinnt das japanische Nischenspiel eine Hardcore-Fangemeinde mittlerweile auch im Westen.

Am 15. Juli 2016 erschien bei uns Monster Hunter Generations, der dritte Ableger der Reihe für den Nintendo 3DS, sodass Veteranen und neue Fans wieder gemeinsam auf die Jagd gehen können. Jedoch muss wohl eine knifflige Frage gestellt werden: Kann es Generations mit seinem eigenen Vorgänger, nämlich Monster Hunter 4 Ultimate aufnehmen?

プリント

Die Stärken einer Generation

Okay, zugegeben, die Frage ist wirklich nur für langjährige Fans von Bedeutung. Hier ein Mini-Review für alle, die die Reihe noch nie gespielt haben: Monster Hunter wirkt auf den ersten Blick von seinen Mechaniken etwas altbackend, aber nach einer Einarbeitungszeit von 2-3 Stunden fängt man an die Herausforderung und die komplexe Gameplay-Maschinerie aus gut geölten Einzelteilen zu schätzen. Das Kampfsystem ist nervenaufreibend und präzise, die Monster meisterhaft animiert und voller Leben, die Vorbereitungsphase auf eine Jagd ebenso interessant wie ein kniffliges Puzzel und alles wird davon noch besser, wenn man es online oder lokal in einer Gruppe spielt, um es mit den wirklich fiesen Drachen aufzunehmen. Generations ist zudem sehr einsteigerfreundlich gestaltet, spart aber ein bisschen an dem Schwierigkeitsgrad, der die anderen Monster Hunter zu solchen Klassikern gemacht hat. Wenn irgendetwas davon für euch interessant klingt, ist die Chance hoch, dass ihr 300 Stunden eures Lebens damit verbringen werdet die Leiter an Online-Quests hochzuklettern, wenn ihr dem Titel eine Chance gebt. Summa summarum: Tolles Spiel.

Das neue Ungleichgewicht

Zurück aber zur eigentlich Frage. Ich nehme die Antwort mal voraus: Nein, Generations bleibt qualitativ hinter MH4 Ultimate zurück, schlichtweg weil es wie eben angedeutet eine Quintessenz seines Reizes abschwächt, nämlich die Herausforderung. Rein inhaltlich hat es vermutlich sogar mehr Monster und Quests zu bieten, doch die Kämpfe mit den großen Biestern sind einfacher geworden, teilweise braucht man mit einer guten Gruppe nur die Hälfte der Zeit wie zuvor. Das liegt vor allem an den neuen Kampfstilen. Jeder Waffentyp lässt sich nämlich nun auf vier Arten spielen, Guild, Striker, Aerial und Adept. Grundsätzlich belässt Guild möglichst alles beim alten, Striker setzt auf die größte Auswahl an neuen Hunter Arts, Aerial gibt einem die Möglichkeit Sprungangriffe auf die Monster loszulassen und der Adept-Stil erweitert das eigene Arsenal um ziemlich mächtige Konteragriffe beim richtigen Timing. Das ist natürlich erstmal toll. Die Vielzahl an Waffentypen gibt mir als Spieler schon viel Auswahl, mit den Kampfstilen gibt es nun viel mehr zum Ausprobieren und Experimentieren.

 

Die Umsetzung ist auch großartig, jeder der Stile hat seine Vor- und Nachteile. Trotzdem bewirkt diese Änderung eines, nämlich dass alle Jäger wesentlich stärker werden als je zuvor. Die neuen Hunter Arts laden sich während dem Kämpfen auf und lassen sich über den Touchscreen aktivieren – sie können Spieler heilen, geben ihnen mächtige Ausweichrollen, lassen sie weniger Schaden nehmen, mehr Schaden machen, massive Angriffe starten etc. Wer als Striker über drei zusammenpassende Hunter Arts gebieten kann, kann allein schon einem Drachen das Fürchten lehren. Aerial-Style Jäger wiederum haben es einfach auf Monster zu klettern und sie zu Fall zu bringen, während Adepten fast unantastbar werden, wenn sie ihren Kampfstil meistern. Die Monster können schlichtweg nicht mehr mit dem Wachstum an Player-Power mithalten.

 

“Vielleicht wurde das gemacht um Anfängern das Spiel zu erleichtern?”, höre ich da vielleicht als Gegenargument. Woraufhin ich sagen würde: Und das doppelt? Neu ist nämlich auch der Prowler Mode, in der Spieler anstatt einen Jäger einen Felyne spielen. Diese kleinen Katzen sind kleiner und schwächer, aber für sie sind viele komplexere Eigenheiten des Spiels vereinfacht. Sie müssen ihre Waffe nicht schärfen, verlieren keine Ausdauer, für sie braucht es nicht einmal Item-Management – aber sie sind trotzdem nützlich in einer Gruppe von fähigen Spielern. Als Felyne kann man über Angriffe die Nutzung von vielen Fähigkeiten aufladen, um etwa andere Mitspieler zu heilen oder sie zu verstärken. Sie dürfen sogar öfters sterben, bevor ihr Versagen die Belohnung für die Quest verringert. Das ist eine perfekte Idee um Einsteiger zusammen mit Veteranen spielen zu lassen. Eigentlich ein guter Vorwand den Schwierigkeitsgrad von Monster Hunter beizubehalten. Eigentlich. So wie es aber in Generations steht, müssten die Monster ähnlich verstärkt werden wie die Jäger, damit es wieder fair wird. Aktuell ist es keine Seltenheit vier Spieler im Online-Modus zu sehen, die vorher angsteinflössende Kreaturen nach Strich und Faden verdreschen, ohne je mehr als ein oder zwei Heiltränke zwischendurch einzuwerfen. Es ist etwas schade und es mindert durchaus den Anreiz das nächtgrößte Monster freizuschalten, wenn man es doch ohnehin recht einfach vermöbelt.

Fazit

Monster Hunter-Fans der ersten Stunde wird es vermutlich etwas ärgern, dass der Schwierigkeitsgrad deutlich gesunken ist. Generations ist deswegen kein schlechtes Spiel, im Gegenteil, vor allem technisch und grafisch ist es absolut bemerkenswert für ein 3DS-Spiel. Der Detailsgrad an den Charaktermodellen ist bodenlos beeindruckend. Aber das Gameplay hat nicht mehr die gleiche pure Brillianz eines Monster Hunter 3 oder 4. Es bleibt zu hoffen, dass Capcom mit dem nächsten Spiel der Reihe wieder für Balance sorgt, neue Monster einführt, die den Spieler wieder etwas entgegen zu setzen haben oder alte, bekannte Kreaturen ordentlich aufpeppelt. Bis dahin wird Generations seine Fans trotz seinen Schwächen beschäftigen, daran gibt es keine Zweifel. Rundum wieder ein solides Abenteuer also.


Monster Hunter Generations [3DS] (Nintendo 3DS) Publisher: Nintendo Erscheinungsdatum: 15. July 2016 EUR 26,99 bei Amazon.de (Partnerlink)


8.3
Kampferprobt

Pros

  • Umengen Inhalt
  • Großartige Animation
  • Präzises Kampfsystem

Kontras

  • Kämpfe zu einfach

Unser Fazit


Gameplay
7
Präsentation
8
Umfang
10