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Die Flixpedition: Hell and Back

Habt ihr euch schon einmal gefragt was es mit den aberhundert Filmen auf Netflix auf sich hat, von denen noch niemals jemand gehört hat? Was sich wohl in diesen weiten Gefilden von Low Budget, längst vergessenem Filmchen und obskuren Indie-Flicks entdecken lässt? Wenn es doch nur jemand geben würde, der mutig genug wäre sich auf solch eine cineastische Querreise zu begeben und davon zu berichten…

Die Flixpedition hat sich zum Ziel gemacht selbst den merkwürdigsten und absurdesten Filmchen eine Chance zu geben: Ohne Vorbereitung, Auswahl per Zufall, keine Grenzen oder Garantien – eine ewas andere Art von Filmkritik.

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Och, nö. Wirklich. Ich gebe auf. Die Flixpedition ist offziell hiermit beendet. Danke an meine riesige Leserschaft, die ich mir über Jahre der harten Arbeit auf dieser Seite aufgebaut habe. Ich erinnere mich an meine erste Flixpedition, als wäre es vorletzte Woche gewesen. Aber ich ertrage es nicht mehr. Adieu, au revoir, arrivederci, auf Wiedersehen und good bye!

Mach’s gut, grausame Welt!

Na gut, vielleicht ist das ein wenig voreilig. Aber die Flixpedition war tatsächlich eher dafür gedacht versteckte Juwelen im Netflix-Katalog rauszusuchen, weniger als Trash-Magnet für alles, was der Streaming Service für ein Apfelgehäuse und ein faules Ei einkaufen konnte, nur um eine monatliche Quote an neuen Inhalten zu erfüllen. Aber was soll’s? Wenn ich mich schon durch den peinlichen Müll diverser Filmverbrechen wühlen muss, gebt mir wenigstens eine größere Schaufel.

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Hell and Back ist ein Stop-Motion Animationsfilm von Tom Gianas und Ross Shuman, der sich selbst auf die Brust schreibt eine schonungslose, abgefahrene und vulgäre Komödie zu sein. Das beweist der Film erstmal dadurch, dass viel über Sex geredet wird. Nicht unbedingt auf eine humorvolle Art, mehr in der Vorstellung, dass die Zuschauer es bestimmt witzig finden, wenn ich das Wort “Penis”, “Vagina” oder “Ficken” ganz oft erwähne.

Penis, Penis, Penis. Ficken. Comedy Gold.

Ich möchte dabei gar nicht den konversativen Moralapostel markieren. Witze unter der Gürtellinie sind kein Tabu-Bereich für Film oder gar Komödien, noch müsste man sich meiner Ansicht nach dafür schämen, wenn man sich über derbe Pointen amüsiert. Der Film scheint aber der Meinung zu sein, dass Vulgaritäten und Humor einfach schlicht und ergreifend das Gleiche ist. Wozu sich also noch weiter Mühe geben? Einfach zwei bis drei Kraftausdrücke in jede einzelne Dialogzeile quetschen und fertig ist ein modernes Meisterwerk der Lustigkeit.

“I’ll punch your dick off with my mouth, bro!”

“I’m so scared my shit just shit its pants.”

“You spend too much time fucking your hand.”

Und so weiter. Jede einzelne Dialogzeile. Zwei Stunden lang. Sagen wir einfach, es verliert ein bisschen seinen Reiz nach den ersten 100 gescheiterten Schmuddelwitzen in den ersten 10 Minuten. Ugh…

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Gut, reden wir endlich über die Handlung. Die drei Freude Remy, Augie und Curt arbeiten auf einem heruntergekommenen Horror-Karneval. Als Remy bei der Hellseherin über ein magisches Buch stolpert, verflucht er Curt durch an den Haaren herbeigezogenen Umständen in die Hölle. Kann ja mal passieren. Sogleich müssen sich Remy und Augie aufmachen ihren besten Freund vor den Klauen des Teufels zu retten. Theoretisch klingt diese Idee sogar vielversprechend, vor allem weil sie auf ihrem höllischen Abenteuer noch auf eine strenge Halb-Dämonin und den griechischen Sänger Orpheus stoßen, die sich beide an dem Road Trip durch die Unterwelt beteiligen, Problem bleibt aber das lasche Script. Der Film hangelt sich von Szene zu Szene, hauptsächlich um unzusammenhängende Fickelwitze vom Stapel zu lassen. Charakterentwicklung oder gar Handlungsstränge werden sehr zackig und ohne großen Zeitaufwand durchgepeitscht, um mehr Raum für die ach so unterhaltsamen Schenkelklopfer zu lassen.

Darunter ein besonders unangenehmer Witz über Vergewaltigung. Orpheus ist von einem Baum sexuell missbraucht worden und bricht in Tränen aus. Versteht ihr? Weil es eine Anspielung auf The Evil Dead ist. Und weil ihm ein Ast gegen seinen Willen in den Allerwertesten gerammt wurde. Das ist der Witz. Ich hoffe ihr mögt diesen urkomischen Gag, denn der Film wiederholt diesen mindestens fünf mal und er spielt sogar in den Höhepunkt der Handlung mit hinein, damit auch jede Facette von Vergewaltigung mal bewitzelt werden kann, von der Traumaverarbeitung bis zur Beschuldigung des Opfers durch die Gesellschaft. Uh. Toll. Genau was ich mir immer in einem Film gewünscht habe. Weihnachten kommt dieses Jahr wohl früher…

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Traurig ist auch die Verschwendung von wahrem Talent in den Sprecherrollen. Besonders der Teufel, der von Bob “Saul Goodman” Odenkirk gesprochen wird, ist so ziemlich das beste an dem ganzen Film, aber auch er kann nicht mehr viel an den miserablen Dialogen und fehlzündenden Pointen drehen. Die Animation selbst ist wiederum einfach abgehackt und billig, selbst die Sets sehen hässlich, farblos und lieblos aus. Somit ist es auch keinen Blick für Fans von Stop-Motion wert, vor allem wenn sie stattdessen lieber Coraline oder The Fantastic Mr. Fox anschauen können. Oder alles andere. Meinetwegen Twilight, Katzenvideos, den eigenen Fußnagel beim Wachsen, sämtliche Minecraft Let’s Plays in chronologischer Reihenfolge auf Youtube – ich garantiere, es wird euch besser unterhalten als Hell and Back.

Abschlusfazit: Penis, Penis, Penis, Penis, Penis, Penis. Nicht gucken. Penis.

Flixpedition over and out.