Version 2

Preview: The Legend of Zelda – Breath of the Wild

Für Nintendo ist diese E3 wahrlich mager ausgefallen – keine Präsentation, keine große Auswahl an Videospielen, wenige Neuankündigungen. Man müsste meinen, dass somit Big N im Trubel der größten Videospielmesse der Welt vollständig untergeht. Doch weit gefehlt! Trotz Verzicht auf eine beeindruckende Show, hat die Diskussion um Nintendos Flaggschiff Zelda auf Twitter und anderen Social Media-Kanälen dominiert. Endlich sah man mehr von dem lang ersehnten Fantasy-Abenteuer, endlich konnte man erste Eindrücke von der neuen Welt, der neuen Geschichte und auch den neuen Fähigkeiten unseres langohrigen Freunds Link machen. Während andere aber bei der stundenlangen Live-Demonstration des Nintendo Treehouse sich nur die Nase an dem Bildschirm platt drücken durften, gab Nintendo uns die Möglichkeit einmal selbst Hand an das kommende quietschbunte Epos zu legen.

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Big, Bigger, Hyrule

Zunächst einmal ein paar Anmerkungen zum Spiel, für die man den Controller nicht einmal in der Hand gehabt haben musste. Zelda erreicht endlich den von Fans lang erhofften Zustand der Open World. Oder um im Anblick auf das NES-Original ganz ehrlich zu sein: Es erreicht diesen Zustand wieder. Zuvor war es versprochen, nun wird auch geliefert. Anhand der Ingame-Karte lässt sich abschätzen, dass das neu getaufte The Legend of Zelda: Breath of the Wild eine beeindruckende Fläche anbieten wird, die man auch mit Geheimnissen, Schätzen, Gefahren, Verließen, Höhlen und Monstern bereichern wird. Die Idee ist bei weitem natürlich nichts Neues mehr. Geschätzt die Hälfte der letzten dominanten Spielgiganten der letzten zehn Jahre führten des Schlagwort in die Schlacht, von Metal Gear Solid, Fallout, Skyrim, The Witcher, die Arkham-Reihe, Mordors Schatten, Dragon Age, GTA, praktisch allen Ubisoft-Titeln, selbst Nintendo mit Xenoblade Chronicles X – Open World ist den geneigten Videospielern so vertraut wie ihre rechte Hand und linker Fuß. Wenn überhaupt, so ist es doch fraglich was Zelda nicht mit anderen Open World-Videospielen gemeinsam hat, sondern wie es sich nun bei der massigen Konkurrenz unterscheiden will.

Direkt aus den ersten paar Spielminuten heraus lässt sich zumindest ein Merkmal herausziehen: Atmosphäre. Was die farbenfrohe Optik und der malerische Soundtrack zusammenführt, ist die Ahnung einen interaktiven Anime-Film von Hayao Miyazaki vor sich zu haben. Irgendwo zwischen Prinzessin Mononoke und Das Schloss im Himmel. Wilde Wälder und unbändige natürliche Landschaften, zusammen mit längst vergessenen Ruinen und sechsarmige, kaputte Roboter am staubigen, überwucherten Boden. Die Welt macht neugierig, macht Lust dieses Märchen erforschen zu wollen. Das war immer einer der Stärken der Zelda-Reihe und diese zahlt sich um so mehr aus, wenn man diese leicht skurrile, aber bezaubernde Welt ohne gesetzte Grenzen selbst erleben darf. Zum jetzigen Zeitpunkt ist die reine Texturenqualität, ohne Wertung auf den Grafik-Stil zu nehmen, jedoch noch reichlich bescheiden. Die Frage bisher bleibt, ob die NX-Version nicht etwa die zu bevorzugende Variante des Spiels abgeben wird und ob wir mit der Wii U hier nur einen suboptimalen Vorgeschmack bekommen.

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A Fresh Coat of Paint

Wie spielt sich das neue Zelda aber denn nun? Die Steuerung ist für Kenner im ersten Augenblick gewöhnungsbedürftig. Link hat viele neue Fähigkeiten, im und außerhalb vom Kampf. Selbstständiges Springen, Klettern und Schleichen erweitert sein Fortbewegungsrepertoir, bei Scharmützeln bedient er sich einem Ausweichmanöver mit Slowmotion-Konter und Entwaffnungsschlag. Beides muss aber im genau richtigen Zeitpunkt erfolgen. Die ungewohnte Komplexität mag für den ersten Moment verwirrend wirken, ergibt aber bei einem wirklich großen Open World-Spiel mehr Sinn als bei dem bisher recht linearen Action Adventure-Stil. Was inhaltlich in die Breite geht, muss das ganze mit mehr Spieltiefe aufwiegen. Darunter fallen natürlich auch diverse typische Rollenspiel-Elemente wie eine vielzahl verwendbarer Waffen (darunter Zweihandhammer, Breitschwert, Streitaxt), verschiedene Rüstungen und auch ein angedeutetes Crafting-System. Nur die Ausdauer-Leiste aus Skyward Sword ist leider zurück und saugt sich beim Rennen ebenso fix leer. Nervig. Das wird aber der einzige Vergleich mit Skyward Sword bleiben, versprochen.

Was das kurze Demo-Areal deutlich gemacht hat, ist das Nintendo mit Zelda ein sehr viel verspielteres Open World-Konzept verfolgt als die meisten Konkurrenten. Wo die meisten auf Realismus setzen, bietet Breath of the Wild viel unbeschwertere Ideen, die auch ein wenig mehr zum Experimentieren einladen. Eine Fackel reizt dazu wortwörtlich mit dem Feuer zu spielen. Was kann ich alles anzünden? Trockenes Gras, Bäume, Büsche – Sieh an, ich kann mit offenem Feuer auch Äpfel braten. Da liegt eine Axt? Kann ich Bäume fällen? Ja, natürlich. Eigenhändig kreierte Brücken oder Flöße sind möglich oder einfach nur die ausgelebte Zerstörungswut. Einem bösen Cartoon-Skelett lässt sich der Knochenarm abschlagen, sodass ich diesen aufnehmen und den verdutzt dreinguckenden Kollegen mit seinem eigenen Gliedmaßen vermöbeln kann. Einem Abhang surfe ich auf dem eigenen Schild herunter, ziehe dabei den Bogen und fühle mich wie Legolas. Es gäbe noch unzählige weitere Beispiele, aber es zeigt deutlich, dass Zelda viele witzige Ideen mitbringt. Zugegeben, manche davon sind vermutlich vollständig sinnlos, aber solange man darüber schmunzeln kann und seinen Spaß hat will man sich gar nicht darüber beschweren.

Eine Handvoll Rätsel mit etwas forderndern Mini-Dungeons gab es bisher natürlich auch. Das neue Sheika Slate, so eine Art magisches Allzweck-Tool, konnte nicht nur die Zeit anhalten, sondern auch magnetische Gegenständige bewegen. Diese kleinen Schiebe- und Timing-Puzzel waren ganz nett, aber forderten noch keine Gehirnakrobatik. Im finalen Spiel wird es wohl noch einiges mehr können. Die bisher gezeigten Möglichkeiten deuten aber hoffentlich auf beeindruckende und vor allem spannende Dungeons hin.

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Fazit

Über The Legend of Zelda: Breath of the Wild könnte man noch stundenlang unzählige andere Details aufzählen, etwa dass Link in den neuen Schneegebieten friert und sich in einen ordentlich dicken Wintermantel kleiden muss, um nicht jämmerlich mit den Zähnen zu klappern. Aber darum geht es mir gar nicht so sehr, als zu bemerken, dass Nintendo ein stagnierendes Franchise nimmt und es endlich vollständig und kompromisslos in eine neue Richtung bewegt – noch mehr als es A Link Between Worlds getan hat. Ich möchte dabei nicht jenen auf die Füße treten, denen die letzten Zelda-Titel gefallen haben. Ich gehöre ja selbst dazu. Doch das immmer wieder verwendete Formular von Ocarina of Time fühlte sich schon seit Twilight Princess etwas veraltet an. Breath of the Wild mit seiner vielzahl von neuen Ideen, kleine und große, ist gefühlt genau das, was The Legend of Zelda gebraucht hat. Ob es jedoch tatsächlich gelingt, ist eine andere Frage. Open World-Spiele haben oft die Eigenschaft sich über die Zeit tot zu laufen, anstatt gleichmäßig spannend zu bleiben. Das lässt sich für Zelda zum jetzigen Zeitpunkt noch gar nicht beurteilen, aber allein das genommene Risiko ist bereits das dicke Lob wert. Alles in allem: Ich bin sehr optimistisch.

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