Review: Sing Street

Wer 2014 Can A Song Save Your Life mochte, dem braucht man wohl nicht mehr sagen, als das Sing Street (Filmstart: 26. Mai) vom selben Autor und Regisseur ist. Für alle anderen gibt es diesen Review. Besonders wer die Musik der 80er (The Cure! Spandau Ballet! Duran Duran!) liebt sollte weiterlesen.

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“Keine Frau kann ernsthaft einen Mann lieben, der Phil Collins hört!”

Irland in den Achtzigern. Vor dem Hintergrund von Rezession und Arbeitslosigkeit wächst der jugendliche Conor (Ferdia Walsh-Peelo) in Dublin auf. Als Außenseiter in der Schule gebrandmarkt, flieht er in die Welt der Popmusik und träumt nebenbei von der unerreichbaren, schönen Raphina. Seine Idee: Er lädt Raphina (Lucy Boynton) ein, im Musikvideo seiner Band aufzutreten. Sein Problem: Er hat gar keine Band, kann noch nicht mal ein Instrument spielen. Aber sein Plan darf auf keinen Fall scheitern. Also gründet er mit ein paar Jungs aus der Nachbarschaft kurzerhand eine Band …

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Sing Street spielt in einer sagenumwobenen Zeit: den 80ern! Als man sich noch Cover für die am Radio mitgeschnittenen Mix-Tapes malte, sein New Romantic Outfit mitunter mithilfe des elterlichen Kleiderschranks anstatt Primark zusammenstellte, und als  Duran Duran die Zukunft repräsentierte  – und einem das keine Angst machte! Regisseur John Carney fängt den Zeitgeist, die Musik und was es bedeutete in den 80ern jung zu sein perfekt ein. Für den Soundtrack holte er sich Gary Clark, von dem der 80s Klassiker Mary’s Prayer stammt, mit ins Boot. Eine goldrichtige Entscheidung, genauso wie die Verpflichtung seiner Kostümdesignerin und Make-Up Künstlerin, denn alle drei treffen den Ton perfekt, ohne der Versuchung zu erliegen, dem Film eine ironische Note zu verpassen. Gut auch, dass Carney sich dafür entschieden hat, keinen Polit-Musik-Film zu drehen. Die wirtschaftlich-politische Situation Irlands und die sozialen Auswirkungen spielen hier zwar sehr wohl eine Rolle, aber es ist immer noch eine Boy meets Girl Story.

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Das der Film so gut funktioniert, liegt auch an einer Menge weiterer Faktoren. Zum einen sind da die überragenden Jungschauspieler, für die es zum Teil der erste Film ist. Dann gibt es da noch Jack Raynor (Transformers – Ära des Untergangs, Macbeth), der als Conors älterer Bruder für die stärksten emotionalen Momente sorgt. Dazu ist der Film herrlich politisch unkorrekt. Wenn die Jungs beim einzigen farbigen Jungen in der Nachbarschaft anklopfen, weil er ja musikalisch sein muss, dann hält man für einen Moment die Luft an, aber es ist so grandios naiv, dass man gar nicht anders kann, als zu lachen. Auch wie Raphina von einer Karriere als Model träumt, ist schon fast rührend naiv – heute kennt jedes kleine Mädchen die nötigen Voraussetzungen. Natürlich ist nicht alles perfekt, so ist das Ende des Films schon sehr märchenhaft, was sicherlich nicht jedem gefallen wird. Andererseits ist es dadurch sehr optimistisch. Man kann eben nicht alles haben. Für Zyniker ist der Film nichts.

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Fazit

Sing Street ist eine charmante, humorvolle, nachdenkliche und herzerwärmende Liebeserklärung an die Musik der 80er. Ein grandioser Soundtrack, tolle Jungschauspieler und perfekt getroffenes Zeitkolorit machen den Film zu einer Indie-Perle unter den vielen aktuellen Blockbustern.

FSK: 6 Jahre

8.7
Hit

Pros

  • Die Musik
  • Liebevolle 80s Nostalgie
  • Witzig, unterhaltsam, nachdenklich
  • Tolle Performances

Kontras

  • Das Ende ist sehr märchenhaft
  • Man muss 80s Musik lieben
  • Nix für Zyniker

Unser Fazit


Handlung
8
Präsentation
8
Musik
10