Review: Alice im Wunderland: Hinter den Spiegeln

Tim Burtons knallbunter Film Alice im Wunderland spielte 2010 weltweit über eine Milliarde US-Dollar ein und gehört damit zu den erfolgreichsten Filmen aller Zeiten. Am 26. Mai kommt die Fortsetzung Alice im Wunderland: Hinter den Spiegeln in die Kinos und es sind wieder alle dabei: von Johnny Depp als dem verrückten Hutmacher und Mia Wasikowska als Alice bis zu Alan Rickman, der noch vor seinem viel zu frühen Tod Absolem seine Stimme lieh. Dass sie knallbunt ist, daran gibt es keinen Zweifel, aber ist die Fortsetzung auch ein weiterer Hit für Disney?

Alice_im_Wunderland_Hinter_den_Spiegeln_Szenenbild-7Alice Kingsleigh (Mia Wasikowska) hat die letzten Jahre damit zugebracht, in die Fußstapfen ihres Vaters zu treten und über die sieben Weltmeere zu segeln. Zurück in London führt Absolem (Alan Rickman) sie zu einem magischen Spiegel, durch den sie in die fantastische Welt von Unterland zurückkehrt. Dort wird sie dringend gebraucht, denn der Verrückte Hutmacher (Johnny Depp) ist nicht mehr er selbst – er hat sein Mehrsein verloren. Um ihn zu retten, schickt die Weiße Königin (Anne Hathaway) Alice los, nach der Chronosphäre zu suchen, der Kugel im Inneren der Großen Uhr, von der alle Zeit ausgeht. Es beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit, voller Gefahren, Begegnungen mit alten Bekannten und der Frage, ob man die Vergangenheit wirklich verändern kann.

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Prachtvoller, bunter und detailverliebter als das Produktions- und Kostümdesign von Alice im Wunderland: Hinter den Spiegeln war dieses Jahr noch kein Film. Über die gesamten 133 Minuten ist er die reinste Augenweide, ganz besonders das Reich der Zeit. Wie hier das Leben und der Tod visualisiert werden, ist einer der schönsten Einfälle des Films. Überhaupt ist Zeit, dargestellt von Sacha Baron Cohen, das Highlight des Films. Trotz eines befremdlichen Akzents im Originalton (aus unerfindlichen Gründen inspiriert von Werner Herzogs englischer Aussprache) liefert Baron Cohen eine wundervoll schräge Vorstellung ab. Wenn sich doch nur Regisseur James Bobin (Ali G) die Zeit genommen hätte, aus den einzelnen Episoden der Geschichte ein harmonisches Ganzes zu machen. Stattdessen fühlt man sich trotz der nicht gerade kurzen Laufzeit permanent an das hektische Kaninchen erinnert – keine Zeit, keine Zeit!

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Neben Baron Cohen spielt Helena Bonham-Carter wieder als die Rote Königin groß auf. Was niemand gefragt hat, wird in Hinter den Spiegeln beantwortet: warum hat sie nur so einen großen Kopf? Die Antwort hat dann auch niemand so wirklich gebraucht. Wobei, für die jüngeren Zuschauer passt es schon (FSK: 6 Jahre). Als Ausgleich gibt es für die älteren (Sherlock Fans) einen Kurzauftritt von Andrew Scott (Moriarty). Etwas kürzer und zurückhaltender als erwartet, fällt auch Johnny Depps Zeit auf der Leinwand aus. Farblos ist allerdings nur sein Make-Up in einigen Szenen, er hat sich die Rolle – ebenso wie Mia Wasikowska als Alice – völlig zu eigen gemacht. Das perfekte Casting des ersten Films zahlt sich in der Fortsetzung erneut aus, denn was die Schauspieler aus dem schwachen Drehbuch rausholen ist schon bewundernswert. Dass sich bei manchem Zuschauer, vor allem im Originalton, beim Klang von Alan Rickmans Stimme ein Kloß im Hals bildet, kommt noch dazu.

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Hinter den Spiegeln mangelt es nicht an fantasievollen Ideen und Figuren. Manche, wie die Helferlein von Zeit, entlocken dem Zuschauer ein begeistertes aaawww, während man beispielsweise bei dem Draisinen-ähnlichen Zeitgefährt von Zeit, gar nicht anders kann, als darüber zu lachen. Eigentlich lädt alles dazu ein, sich völlig in die so eigene Welt zu vertiefen, aber die Erzählstruktur mit so manch unglücklicher Entscheidung – wie Alice mittendrin einfach mal wieder in die normale Welt zu befördern – lässt dies fast nicht zu. Dagegen sind auch die großartigen Schauspieler hilflos. All das heißt nicht, dass Hinter den Spiegeln nicht unterhaltsam wäre. Ganz im Gegenteil, langweilig wird es nie. Aber es ist schon unbefriedigend, wenn man merkt, dass viel mehr drin gewesen wäre, wenn man ein bisschen mehr Mühe in den narrativen Aufbau gesteckt hätte.

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Fazit

Alice im Wunderland: Hinter den Spiegeln ist wie eine prachtvolle Hochzeitstorte: optisch ein Genuss, aber was unter der Glasur und den Verzierungen steckt, ist eher konventionell. Neuzugang Sacha Baron Cohen ist ein Highlight als Zeit, genauso wie das Produktions- und Kostümdesign. Auch der Rest der Schauspieler macht Freude. Der Film verschenkt allerdings das Potential, neben einer Freude fürs Auge auch ein wirklich guter Film zu sein dank schwachem Drehbuch, unnötigen Szenen und einer ungeschmeidigen Erzählstruktur. Bobin ist halt kein Burton.

 

7
Bunt

Pros

  • Bildschön anzusehen
  • Baron Cohen als Zeit
  • Humorvoll

Kontras

  • Hektisch
  • Überflüssige Szenen
  • Zu konventionelle Geschichte

Unser Fazit


Handlung
6
Präsentation
8