Review: X-Men: Apocalypse

Das nicht immer aller guten Dinge drei sind, wissen Fans aus leidvoller Erfahrung dank X-Men: Der letzte Widerstand, der 2006 die Originaltrilogie abschloss. Am 19. Mai kommt mit X-Men: Apocalypse der dritte Film mit den jüngeren Ausgaben der beliebten Mutanten in die Kinos. Diesmal wieder mit Bryan Singer hinter der Kamera. Also doch alles gut?

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Nachdem Apocalypse (Oscar Isaac), der erste und mächtigste Mutant, nach tausenden von Jahren wieder erwacht, ist er desillusioniert von der Entwicklung der Welt und rekrutiert ein Team von mächtigen Mutanten – unter ihnen Magneto (Michael Fassbender) – um mal gründlich aufzuräumen und über alles zu herrschen. Raven (Jennifer Lawrence), die sich nach den Vorfällen in Paris zurückgezogen hat, kommt zurück zu den X-Men, denn sie macht sich Sorgen um Magneto. Schnell wird klar, dass sie sich mit Prof. X (James McAvoy) und seinen jungen Schülern zusammentun muss, um gegen den unsterblichen Apocalypse eine Chance zu haben und nicht nur Magneto, sondern auch die Welt zu retten.

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Es gibt im Film eine Szene, in der die jungen Mutanten aus dem Kino kommen und Jean Grey (Sophie Turner) feststellt, dass man sich wenigstens in einer Sache einig ist: der dritte Film ist immer der schlechteste. Ein Mangel an Humor kann man Bryan Singer sicherlich  nicht absprechen. Dafür aber 20th Century Fox einen an gutem Timing, denn Apocalypse wird sich jetzt mit The First Avenger: Civil War messen lassen müssen. Als wäre nicht schon genug Druck durch den exzellenten Vorgänger X-Men: Zukunft ist Vergangenheit da. Der Vergleich mit Captain Americas neuestem Abenteuer ist allerdings ein Äpfel mit Birnen Klassiker, denn Apocalypse ist ganz ungeniert ein Film für diejenigen, die alle fünf bisherigen X-Men Filme gesehen haben. Wer mit dem Film wirklich Spaß haben will, der sollte Vorwissen mitbringen. Womit wir beim Vergleich mit Zukunft ist Vergangenheit wären. Nein, Apocalypse ist nicht so gut, aber schlecht ist er auch nicht und vor allem ist er über die 135 Min. Laufzeit durchgehend unterhaltsam, auch wenn die Grundstory – die Menschheit zum Wohle ihrer selbst auszulöschen – soo einen Bart hat.

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Was Bryan Singers X-Men Filme so auszeichnet, ist das der Fokus immer auf den Figuren liegt, egal wie spektakulär die Action ist. Was bei einem rumfliegenden Football Stadium schon was heißen will. In Apocalypse gelingt ihm das allerdings nicht ganz so gut. Das mag daran liegen, dass es einfach eine Menge Mutanten sind und die Zeit begrenzt, aber vor allem liegt es daran, dass ausgerechnet einige der Spektakulärsten viel zu kurz kommen. Nach dem Trailer freuen sich die meisten wahrscheinlich auf Psylocke (Olivia Munn), aber gerade weil sie und Angel (Ben Hardy) so gut sind, frustriert es, dass man so wenig von ihnen zu sehen bekommt. Apropos Angel, der Film hat die FSK ab 12 Jahren bekommen, aber es gibt eine Szene mit ihm die – falls sie ungeschnitten ins Kino kommt – nicht unheftig ist. Gar nicht frustrierend, sondern eine erfreuliche Überraschung ist dafür die Neubesetzung von Kodi Smit-McPhee als Nightcrawler/Kurt Wagner. Schien es vorher schwer vorstellbar, dass jemand in den Fußstapfen von Alan Cummings folgen könnte, erweist sich Smit-McPhee mit jedem Bampf als eines der Highlights von Apocalypse.

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Als die ersten Kritiken aus den USA zu Apocalypse reinkamen, waren diese erstaunlich verhalten. Ja, die Zerstörungsorgie ist hier etwas ausufernd, wirft mehr Fragen auf, als Action es tun sollte, und sie sieht gelegentlich arg nach CGI mit Budgetkürzungen aus. Es stimmt auch, dass Oscar Isaac unter so viel Prothesen, Farbe und Kostüm steckt, dass er Poe Dameron nicht mehr ähnlich sieht, aber kann das wirklich ein Kriterium sein? El Sabah Nur (Apocalypse) ist (verständlicherweise) unleidlich und angepisst, als er geweckt wird und sich in Kairo wiederfindet, das aussieht wie ein Filmset. Genau das bringt Isaac rüber, ein Blick auf die Visage mit den missmutigen Mundwinkeln und man weiß, dass mit dem nicht gut Kirschen essen ist. Bei einem Singer Film erwartet man natürlich einen etwas komplexeren Charakter als Bösewicht, jemand, der mit sich innere Kämpfe ausficht – so wie Magneto. Dementsprechend ist er der einzige der vier apokalyptischen Reiter, der wirklich eine wichtige Rolle spielt. Was die vier angeht, sollte man übrigens keine großen Erläuterungen erwarten und einfach akzeptieren, dass Apocalypse diese halt um sich versammelt. Basta.

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X-Men: Apocalypse ist unterhaltsam – aber eben auf eine andere Art und Weise als Captain America. Man muss zudem in der Lage sein, mehreren Handlungssträngen folgen zu können, bis diese dann gelungen zusammengeführt werden. Das Tempo ist angenehm flott und kommt nur gegen Ende etwas ins Stocken. Die jungen Neuzugänge können fast durch die Bank überzeugen und Quicksilver (Evan Peters) bekommt wieder seinen großen Auftritt, der einfach nur Spaß macht. Bei ihm zeigt sich, was Singers X-Men Filme ausmacht, denn er ist nicht nur für diesen einen Gag da. Auch die junge Jean Grey (Sophie Turner) und Scott Summers (Tye Sheridan) bekommen unter Singer mehr Zeit, als die meisten Regisseure ihnen wohl geben würden. Singers Schwäche liegt in diesem Film eindeutig in den Szenen mit apokalyptischem Ausmaß. Es ist zwar auch Geschmacksache, aber nicht zuletzt dank unglücklicher Texte kommt Jennifer Lawrence hier nicht an Rebecca Romijns Mystique heran. Was im Vergleich mit den Neuzugängen wie Smit-McPhee umso mehr auffällt.

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Fazit

X-Men: Apocalypse ist ein unterhaltsamer Film, aber keiner für Neueinsteiger in das Franchise. Tolle Neuzugänge wie Kodi Smit-McPhee als Nightcrawler machen Spaß, aber manche – so wie Olivia Munn als Psylocke – kommen zu kurz. Die Grundstory und die finale Action sind nicht der Brüller, dafür gibt es viele sehr gelungene kleinere Momente, haufenweise Anspielungen, einen guten Aufbau und eine großartige Quicksilver Sequenz. Nicht so gut wie Zukunft ist Vergangenheit, aber immer noch X-mal besser als Der letzte Widerstand.

7.5
Für Fans

Pros

  • Unterhaltsam
  • Gutes Tempo
  • Tolle Neubesetzungen
  • Quicksilver Sequenz

Kontras

  • Nicht für Neueinsteiger
  • Zu wenig Psylocke
  • CGI nicht immer super
  • Story naja

Unser Fazit


Handlung
7
Präsentation
8