Review: Eddie the Eagle – Alles ist möglich

Wer alt genug ist, die Winterolympia 1988 in Calgary, Kanada, erlebt zu haben, der erinnert sich vielleicht an das fiese Wetter, dass die Sowjetunion die meisten Medaillen gewann, an Katharina Witt oder an Jamaikas Bob Mannschaft. An einen verrückten Engländer erinnern sich aber vermutlich alle: Eddie the Eagle. Am 31. März kommt jetzt ein Film über ihn in die Kinos.

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Michael „Eddie“ Edwards (Taron Egerton) ist ein unsportliches Kind mit einem Traum: einmal an der Olympiade teilnehmen! Unbeirrt probiert er eine Sportart nach der andern aus, ohne Erfolg. Schließlich modifiziert er seinen großen Traum ein kleines bisschen: die Winterolympiade soll es werden. Nachdem er ganz knapp den Sprung ins britische Olympiateam der Skiläufer verpasst, wagt er einen letzten und überaus mutigen Anlauf: Skispringen. Zwar will ihn der britische Verband nicht haben, aber der Ablehnung gewohnte Eddie lässt sich nicht beirren und macht sich mit der Hilfe des ehemaligen Skispruntalents Bronson Peary (Hugh Jackman) daran, die Qualifikationshürden zu nehmen.

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Bronson Peary werden sich Kenner der Skisprung-Szene fragen? Nein, das Gedächtnis lässt einen nicht im Stich – Bronson Peary ist eine fiktive Figur, ein narratives Mittel um Eddies Geschichte für das Kino aufzubereiten. Was zuerst extremst überflüssig klingt, weil Eddies Geschichte schließlich mehr als genug hergibt, funktioniert im Film einfach gut – dank Hugh Jackman und vor allem, weil es Eddies Leistung nicht schmälert. Überhaupt haben sich die Drehbuchautoren Sean Macaulay und Simon Kelton einige Freiheiten genommen, aber alles steht im Dienst der Geschichte. Der Film mag zwar nicht die genaue Rekonstruktion des Werdegangs eines Olympia-Exoten sein, aber dafür gelingt ihm etwas viel wichtigeres: die Begeisterung für den Sport und die Sportler zu wecken, genau wie es Eddie 1988 schaffte. Es geht eben nicht nur darum, der Beste zu sein, sondern darum sein Bestes zu geben. Eddies Liebe zum Sport, sein Mut, seine Freude darüber, wenn er sich wieder einmal verbessert hat, das ist ansteckend – heute im Film wie damals 1988.

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Egerton, der eigentlich so gar nicht aussieht wie Edwards, ist ein Besetzungsglücksgriff. Es sind nicht nur Brille und Frisur, die ihn glaubhaft machen. Egerton strahlt Optimismus und Unerschütterlichkeit aus, er hat Charme und vor allem übertreibt er keine von Edwards Eigenheiten, er spielt ihn nie als Karikatur. Das ist erwähnenswert, weil es diesen Film so liebenswert und begeisternd macht – Eddie the Eagle macht sich nicht über Eddie Edwards lustig. Selbiges gilt für den Sport. Man arbeitete mit den verschiedensten Kamerawinkeln und setzte u.a. Helmkameras ein, um zu zeigen wie gewaltig eine Schanze ist, welchen Mut und Können Springen erfordert. Skispringen ist eben kein Sport für Gelegenheitsolympioniken. Auch deswegen liebte ihn das Publikum – Edwards war zwar Letzter im Wettbewerb, aber er hatte seinen inneren Schweinehund besiegt – und den Sprung überlebt. Viele der damaligen Springer hatten jedoch nichts für ihn übrig und ließen Edwards das durchaus spüren. Vielleicht kommen sie deshalb hier nicht ganz so gut weg – wenn jemand in diesem Film karikiert wird, dann sie.

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Der Film hat einen schönen Nostalgiefaktor – vom Kostümdesign bis zur Musikauswahl, alles hilft ein stimmiges Bild zu schaffen ohne kitschig zu sein. Auch die Erkenntnis, wie sehr sich Spitzensport verändert hat, wird so manchen nostalgisch stimmen und jüngere Zuschauer erstaunen. Aber nicht alles an diesem Film ist Goldmedaillen würdig. Die Figur des Bronson Peary ist eigentlich grässlich cliché, aber funktioniert dank Jackman ausgesprochen gut – während Christopher Walken als dessen ehemaliger Trainer zu viel des Guten ist. Bei Iris Berben schwankt man immer ein bisschen zwischen ja passt und die Frau hat zu viel Ausstrahlung (was man ihr ja schlecht vorwerfen kann) für die Rolle. Ganz wundervoll sind allerdings Eddies Eltern (Jo Hartley, Keith Allen).

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Wäre dies eine amerikanische Sportgeschichte, dann hätte Eddie die Goldmedaille geholt. Aber Eddies Triumph es ist, über sich hinauszuwachsen und das macht es zu einem sehr britischen Film. Das Eddies Geschichte kein 08/15 Sportfilm oder eine Lachnummer wurde, liegt auch an Produzent Matthew Vaughn (Kingsmen), der diesen Film unbedingt machen wollte. So sehr lag es ihm am Herzen, dass er die Regie Dexter Fletcher überlies, weil: „Einen Feelgood-Film für die ganze Familie zu machen, hätte für mich eine vollkommen neue Erfahrung dargestellt.“ Eine weise Entscheidung, denn der Film bekam ein besonderes Gütesiegel: Eddie Edwards Begeisterung!

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Fazit

Eddie the Eagle – Alles ist möglich ist ein Film so britisch wie sein ungewöhnlicher Held: exzentrisch, humorvoll und unerschütterlich. Das Ergebnis ist charmant, inspirierend und enorm unterhaltsam. Einer der schönsten Feelgood-Filme des Jahres.

Laufzeit: 106 Min. FSK: ab 0 Jahren

 

8
Olympiasieger

Pros

  • Unterhaltsam, witzig, inspirierend
  • Egerton & Jackman
  • Die Schanzenaufnahmen
  • Feelgood für die ganze Familie

Kontras

  • Walkens Figur ist überflüssig
  • Brutale Klischees
  • Sehr brutale Klischees

Unser Fazit


Handlung
8
Präsentation
8