Review: RAUM

Am 17. März kommt RAUM in die deutschen Kinos, der Film, für den Brie Larson u.a. den Oscar, BAFTA, Golden Globe, Critics’ Choice Award und Screen Actors Guild Award als beste Hauptdarstellerin gewann. RAUM kommt also mit den besten Empfehlungen, denn auch Jacob Tremblay gewann diverse Preise und Nominierungen für den Film gab es zuhauf. Aber reicht das als Grund, sich einen Film mit so einem deprimierenden Thema anzusehen?

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Jack (Jacob Tremblay) und seine Mutter (Brie Larson), die er Ma nennt, leben auf 9m2. Immer, denn sie sind eingesperrt. Dieser eine Raum ist die ganze Welt, die der Fünfjährige kennt, aber diese Welt ist groß, denn Ma erfindet ein ganzes Universum, das darin Platz findet. Jack kennt keine andere Realität und ist ein glückliches Kind. Aber dann erzählt ihm Ma eines Tages, dass die richtige Welt sich außerhalb des Raums befindet, denn Jack soll fliehen. Es ist ein riskanter Plan, denn Ma weiß nicht einmal wo der Raum sich befindet, aber ihre Leben hängen davon ab und so versucht sie, den Jungen auf die Welt vorzubereiten.

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Es gibt Geschichten, für die es mehr als nur eines großen Budget und großer Namen bedarf, damit sie richtig erzählt werden. RAUM, der auf dem gleichnamigen Bestseller der Irisch-Kanadischen Autorin Emma Donoghue basiert, ist so ein Film. Das Thema ist heftig, aber Larson, Tremblay und Regisseur Lenny Abrahams (Frank) setzten das Drehbuch von Donoghue mit außergewöhnlich viel Feingefühl um. Es sind die kleinen Gesten, die subtilen Veränderungen in der Mimik, ein arglos gesprochener Satz, die den Zuschauer wie ein brutaler Magenhieb treffen. Wo andere mit dem Argument es sei “integral für die Geschichte” die Kamera genüsslich draufhalten würden, blendet Abrahams ab. Das macht den Film nicht weniger heftig, ganz im Gegenteil. Gerade für Zuschauer, die selber Kinder haben, ist RAUM nicht einfach und ohne eine Packung Taschentücher sollte man nicht ins Kino.

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RAUM, und das ist ganz wichtig, ist kein Täterversteherfilm. Für ihn ist hier kein Platz, für ihn gibt es keine Entschuldigungen. Dieser Film zeigt das Ausmaß der Grausamkeit, die Ma und Jack angetan wurde. Weil die Qual nicht einfach mit der Befreiung beendet ist, geht auch die Geschichte weiter. Dieser Teil ist nicht minder heftig, aber er ist auch voller Hoffnung, ohne dabei je kitschig zu sein. Larson ist natürlich unglaublich, aber gerade Tremblays Leistung kann man nicht genug loben, denn wie Jack die Welt neu entdeckt, ist unglaublich anrührend – auf eine schöne und nicht nur deprimierende Art und Weise. Herausragend sind auch Joan Allen, William H. Macy und Tom McCamus als seine Großeltern. Ein Verbrechen wie dieses zerstört eben mehr, als nur das Leben der entführten jungen Frau. RAUM zeigt, was es für die Eltern bedeutet und wie Familie und Medien mit den Opfern umgehen. Wem das alles nicht reicht, der kann auch darüber sinnieren, wofür der Film auf einer anderen Ebene steht: Überlebenswille, Mutterliebe oder gar ein Bild für den Menschen, der nur einen kleinen Teil der Welt kennt.

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Fazit

Hart, sensibel, eindringlich und hoffnungsvoll: RAUM ist eine bemerkenswerte Umsetzung eines schwierigen Themas. Brillante Schauspielleistungen und Regieentscheidungen lassen einem das Popcorn im Halse steckenbleiben und den Film noch lange nachwirken. Kein Film zum einfach mal so den Abend ausklingen lassen, aber wer von Kino mehr als reine Unterhaltung will, der wird hier fündig. Taschentücher einpacken!

 

8.5
Heftig

Pros

  • Starke Performances
  • Sensibel erzählt
  • Nicht sensationsgeil
  • Kein Täterversteherfilm

Kontras

  • Tremblays Synchronstimme Geschmacksache
  • Bisschen zu lang

Unser Fazit


Handlung
8
Präsentation
9