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Bericht: Mit Mark Watney zur ESA

Cape Canaveral, Houston, Baikonur, . . . Darmstadt? Zum Home Entertainment Start des Ridley Scott Blockbusters Der Marsianer – Rettet Mark Watney am 18. Februar luden 20th Century Fox und die Europäische Space Agency (ESA) ausgewählte Pressevertreter in das Europäische Satelliten-kontrollzentrum (ESOC) in Darmstadt ein. Uns brauchte man natürlich nicht zweimal bitten.

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Der Marsianer – Rettet Mark Watney, basierend auf dem gleichnamigen Bestseller von Andy Weir, war einer der großen Blockbuster von 2015. Auch wir liebten den Film, siehe Tims ausführliche Filmkritik, und den Roman – sowohl in Papier- als auch in Hörbuchform. Wie bei jedem Sci-Fi Film fühlten sich aber auch diesmal viele als Experten in Sachen Weltraum und verkündeten, obwohl sie vermutlich als erstes alle naturwissenschaftlichen Fächer in der Oberstufe abgewählt hatten, direkt nach dem Pressescreening letztes Jahr, das das alles so ja gar nicht stimmen würde. Beim Besuch im ESOC erfuhren wir jetzt, was die Profis von der Geschichte halten. Der Generaldirektor der ESA, Johann-Dietrich Wörner, und der Bereichsleiter Missionsbetrieb, Paolo Ferri, höchstpersönlich, nahmen sich trotz voller Terminpläne Zeit für uns.

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Auch bei der ESA hatte man den Marsianer mit großer Spannung erwartet, denn schon das Buch wurde begeistert unter den Mitarbeitern weitergereicht. Dass sowohl Film als auch Buch vom wissenschaftlichen Standpunkt her zu einem hohen Grad korrekt sind, weiß man hier sehr zu schätzen. Was sich im Marsianer als größter Fehler findet, ist etwas, das man bei der ESA positiver als ein noch nicht gelöstes Problem betrachtet: den Schutz der Astronauten vor der kosmischen Strahlung. Paolo Ferri erklärte, dass würde man nach aktuellem Wissens- und Materialstand, eine Raumfähre entsprechend verkleiden, dann wäre sie – im Gegensatz zu der Hermes im Film – schlichtweg zu schwer. Natürlich gäbe es Astronauten, die, schon etwas älter, bereit wären, einen verkürzten Lebensabend für eine Reise zum Mars in Kauf zu nehmen, aber damit, so Ferri, würden sich wiederum Fragen der Ethik auftun.

Apropos Astronauten: Das zweite Problem, welches sich in der Realität stellt, ist die mangelnde Garantie, dass die Besatzung über einen solch langen Zeitraum gesund bleibt. Eine Blinddarm-OP im All, so Ferri, stelle doch ein erhebliches Problem dar. Trotzdem steht die Frage, ob der Mensch zum Mars reisen wird, nicht zur Debatte. Die Fragestellung, laut Generaldirektor Wörner, lautet: wann? Vorerst stehen aber unbemannte Expeditionen zum Mars auf dem Plan der ESA, so wie ExoMars, die im März startet und deren Ziel es ist, mehr Informationen zu dem bereits nachgewiesenen Methan auf dem Mars zu sammeln, denn bisher könne man lediglich Kühe als Verursacher ausschließen, so Ferri mit einem Augenzwinkern. Mehr Informationen zu ExoMars 2016 finden sich (auf Englisch) hier.

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In Darmstadt, wo die ESA in Bahnhofsnähe angesiedelt ist, werden natürlich keine Raketen ins All geschickt. Hier im ESOC befindet sich z.B. die Schaltzentrale des weltweiten Netzes von Bodenstationen, wo Verbindungen zu Satelliten hergestellt werden. Es gibt auch eine Abteilung, die nichts anderes macht, als Flugbahnen zu berechnen. Aber das man es uns so brutal vereinfacht erklärt hat, sollen wir den Kollegen lieber nicht erzählen. Überhaupt haben wir viel interessantes erfahren, dabei reichten die Themen vom Raketeneinkauf über Weltraumschrott bis zur Zusammenarbeit verschiedener Nationen. Letzteres ist ja auch im Marsianer ein Thema. Eine der Informationen, die den meisten Anwesenden ein Schmunzeln entlockte, war die, dass es bei der ESA extra Mitarbeiter gibt, deren Aufgabe es ist, in den Testphasen, Fehler in das System einzupflegen. Bei den meisten Firmen passiert sowas ja automatisch. Wer gerne selbst einen Blick auf die Räumlichkeiten des ESOC und mehr über die Arbeit der ESA erfahren möchte, der findet die nötigen Infos zu Führungen hier.

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Generaldirektor Wörner ist der festen Überzeugung, dass Raumfahrtprogramme nicht nur etwas für Nerds sind. Erforschung fremder Welten liegt den Menschen im Blut. Früher fanden die sich auf unserem Planeten, so wie beispielsweise der Mariannengraben, den der Schweizer Piccard (Namensähnlichkeit mit Captain Jean-Luc Picard von der USS Enterprise ist nicht zufällig) 1960 mit einem Tauchboot erforschte, heute geht es u.a. Richtung Mars. Vielleicht aber auch erstmal wieder zum Mond, wo ein “Moon Village” als Nachfolger der Internationalen Raumstation entstehen könnte. Fremde Welten und Raumfahrt faszinieren die meisten Menschen und sie können auch inspirieren. Wer sich jetzt gern mehr inspirieren lassen möchte, für den haben wir unten einige nützliche Links zur ESA aufgelistet. Ab Donnerstag kann man dann, mit dem neugewonnenen Wissen, den Marsianer daheim anschauen.


Der Marsianer - Rettet Mark Watney [Blu-ray] Regisseur: Ridley Scott Studio: 20th Century Fox Home Entertainment Erscheinungsdatum: 18. February 2016 Laufzeit: 142 Minuten EUR 7,99 bei Amazon.de (Partnerlink)