Review: DEADPOOL

Dreckiger Humor, blutiges Niedermetzeln von bösen Buben, experimentierfreudiger Sex und Wham!’s Careless Whisper: Deadpool ist kein Marvel Film für die ganze Familie – es sei denn, die lieben Kleinen sind schon 16. Unter der Regie eines überbezahlten Honks (wenn es doch so im Vorspann steht) kommt das Großmaul, das gar kein Held sein will, am 11. Februar ins Kino. Also, Ausweis einpacken?

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Der ehemalige Special Forces Soldat Wade Wilson hat kaum um die Hand seiner Freundin (Morena Baccarin) angehalten, da versaut ihm die Krebsdiagnose den Moment des Glücks. Als ihm ein geheimnisvoller Mann im Anzug das Angebot macht, ihn nicht nur zu retten, sondern ihn gleich noch mit zum Superhelden zu machen, nimmt er das Angebot an. Die experimentelle Behandlung kommt in der Form von Folter durch den sadistischen Ajax (Ed Skrein). Als die Behandlung schließlich anschlägt, ist Wilson zwar geheilt und besitzt unglaubliche Selbstheilungskräfte, aber er ist auch völlig verunstaltet. Er nimmt das Alter Ego Deadpool an, näht sich einen Anzug und macht sich auf die blutige Suche nach Ajax.

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Flotte Sprüche ist man von Marvels “Genie, Milliardär, Playboy und Philantroph” Tony Stark / Iron Man gewohnt, aber Wade Wilson / Deadpool (Ryan Reynolds) ist nicht nur nichts davon, seine Sprüche sind auch ungleich derber. Erstaunlicher- und glücklicherweise bekamen die Drehbuchautoren keinen Maulkorb vom Studio umgebunden, worauf sie sich vermutlich dachten, dass so eine Gelegenheit nie wieder kommt und voilà FSK 16. Aber die Sprüche und die Action wären nicht halb so unterhaltsam, wäre da nicht Ryan Reynolds, der lebendig gewordene feuchte Traum der Fanboys und Fangirls, wie Wade wohl sagen würde. Ausgerechnet Reynolds, der in X-Men Origins: Wolverine, schon einmal Deadpool verkörperte – ein Film und eine Figur, die man mit aller Macht vergessen wollte. Aber mit diesem Film ist alles vergeben und vergessen, denn Reynolds hat nicht nur die Figur für das Outfit, er verkörpert sie auch perfekt. Die Anspielungen auf dem Meta-Level, die Ansprache ans Publikum, die nicht-lineare Erzählweise, all das funktioniert nur dank Reynolds, dessen Körpersprache den Maskenbedingten Mimikmangel mehr als wettmacht.

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Der Humor ist immer am besten, wenn er auf dem Meta-Level angesiedelt ist, hier wird vor nichts halt gemacht, weder vor Reynolds selbst, Hugh Jackman, DC Comics oder den zwei Zeitlinien des X-Men Universums. Idealerweise sollte man also schon einmal ein oder zwei Comicverfilmungen gesehen haben. Grandios sind auch das Intro, der Abspann und Stan Lees unvermeidliche Cameo. Wem das Intro nicht zusagt, der kann eigentlich gleich wieder aus dem Kino gehen, denn es ist die Sorte von sich-nicht-selbst-zu-Ernst-nehmendem Humor, der Deadpool auszeichnet. Allerdings ist der Film auch vollgestopft mit flachen Sprüchen, die auf Dauer etwas ermüden, wenn man nicht den Humor eines 12-jährigen hat. Apropos Humor: das Gemetzel & die Action-Szenen sind fast durchgehend extrem unterhaltsam, wenn auch heftig. Wer es nicht sehen kann, wenn ein Schädel weggepustet wird, der sollte trotzdem die Augen nicht für die kompletten Szenen schließen, denn Deadpools Akrobatik ist ziemlich awesome.

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Wo wir schon bei awesome sind: auch der Soundtrack ist herrlich unangepasst und schräg. Aber es kann ja nicht alles spitze sein, so hätte man ruhig noch viele Arbeitsstunden mehr in das CGI für Colossus stecken können und irgendwo im Fundus hätte sich sicherlich auch noch ein bisschen Persönlichkeit für Ajax gefunden, den Skrein mit farblosen Sadismus spielt. Viel bedrohlicher und besser dagegen Gina Carano als Angel Dust, eine brutale Krawallschachtel, die sich mit Colossus anlegt. Ebenfalls sehr gut ist T.J. Miller als Barmann, der von Feingefühl noch nie was gehört hat. Morena Baccarin und Brianna Hildebrand, als Negasonic Teenage Warhead, holen das Beste aus ihren Nebenrollen raus. Nicht ganz so optimal ist, dass der Showdown sehr vorhersehbar ist und dass der Film kein durchgehend optimales Tempo hat.

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Fazit

Es ist kein Superheldenfilm für alle, aber einer für die Fans des großmäuligen Anti-Helden. Reynolds ist sensationell als Deadpool und allein schon wert ein Kinoticket zu kaufen. Freigegeben ab 16 ist der Film brutal, witzig und sehr unterhaltsam. Die Story ist okay, aber ein besserer Bösewicht und ein paar flache Witze weniger und der Film wäre so genial wie seine Hauptfigur gewesen.

 

7.5
Bad Ass-tastic

Pros

  • Ryan Reynolds
  • Intro, Abspann & Cameo
  • Der Humor (meistens)
  • Die Musik
  • Sehr gute Synchro

Kontras

  • Persönlichkeitsarmer Bösewicht
  • CGI für Colossus ausbaufähig
  • Verliert zwischendurch mal an Fahrt
  • Zu viele flache Sprüche

Unser Fazit


Handlung
7
Präsentation
8