Review: Anomalisa

Am 21. Januar startet Anomalisa in den Kinos, ein Film der als großes Meisterwerk von der Kritik gefeiert wird. Perfekt, unverzichtbar und brillant verkündet das Plakat. Sollte man sich also voller Vorfreude auf Charlie Kaufmans (Vergiss mein nicht!, Being John Malkovich) neuesten Film, der auch eine Oscar-Nominierung erhalten hat, ins Kino aufmachen? Naja . . .

ANOMALISA

Der erfolgreiche Motivationstrainer und Bestsellerautor Michael Stone reist durch Amerika und begeistert mit seinen Vorträgen unzählige Menschen, deren Leben er positiv verändert hat. Doch sein Leben wird immer leerer und bedeutungsloser. Müde vom vielen Reisen, lustlos über sein Leben als Familienvater, kommen ihm alle Menschen gleich vor. Eines Tages trifft er Lisa, die extra für Michaels Vortrag von weit her angereist ist. Michael verliebt sich in ihre Stimme und ist überzeugt: Mit Lisa kann er einen Neustart wagen …

ANOMALISA

Kaufmans Name ist wie ein Gütesiegel für fantasievolle und schräge Stoffe – im besten Sinn. Da wundert es kaum, dass Anomalisa von mehr als 5.000 seiner Fans im Rahmen einer Crowdfunding-Kampagne, die 400.000 US-Dollar einbrachte, finanziert wurde. Mit Puppen in der Stop-Motion Technik gedreht, ist der Film vom handwerklichen Standpunkt aus gesehen ein kleines Meisterwerk. Dieser Review tut jetzt aber das, was auch Anomalisa gut getan hätte: er fasst sich kurz. Anomalisa sind 91 sehr lange Minuten, in denen Form und Kunst über Unterhaltung stehen. Ideal, wenn man eine Hausarbeit mit Seiten füllen muss oder sich gern stundenlang über die Schwere des Seins unterhält, aber eine ermüdende Qual für den, der ganz einfach nur Unterhaltung sucht. Kleine brillant beobachtete und umgesetzte Alltagsmomente werden erdrückt von ausgewalzten, betont bedeutungsvollen, aber dabei monoton ermüdenden Szenen. Auch hat man schnell begriffen, was der Film einem mitteilen will, was ihn im Verlauf auch nicht gerade spannender macht.

ANOMALISA

Fazit

Anomalisa ist ein Film für Arthouse Freunde, denn es ist ein Fest der Form, der Tristesse und der unverdaulichen Bedeutungsschwere. Liebe- und kunstvoll animiert ist er noch deprimierender als das Leben seines Protagonisten. Schade, denn Anomalisa hätte ein grandioser Kurzfilm für ein breites Publikum sein können.

FSK: ab 12 Jahren

5
Arthouse²

Pros

  • Beindruckend animiert
  • Großartiger Blick für Details
  • Zum nachdenken & diskutieren

Kontras

  • Auf Dauer langweilig
  • Betont bedeutsam
  • Merkwürdig distanziert

Unser Fazit


Handlung
3
Präsentation
7