Review: Suite Française – Melodie der Liebe

Am 14. Januar kommt mit Suite Française – Melodie der Liebe ein Film in die Kinos, der dank des Zusatzes Melodie der Liebe nach Nicholas Sparks goes Art House klingt anstatt wie die Verfilmung eines hochgelobten Romans. Das posthum veröffentlichte Werk von Irène Némirovsky gilt als einer der ersten, der den zweiten Weltkrieg literarisch verarbeitet. Was also erwartet den Zuschauer? Wertvolle Vergangenheitsbewältigung, berührende Liebesgeschichte oder gar eine Schmonzette?

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Im Frühsommer 1940 wird Frankreich von den Deutschen eingenommen. Nicht nur Flüchtlingen aus Paris, sondern auch ein deutsches Regiment kommt in die Kleinstadt Bussy, in der die junge Lucile (Michelle Williams) bei ihrer wohlhabenden, aber kalten Schwiegermutter Madame Angellier (Kristin Scott Thomas) lebt. Nach dem Eintreffen des Regiments werden die Soldaten und Offiziere bei den Einheimischen untergebracht. Im Gegensatz zu vielen ihrer Nachbarn und Bekannten haben die Angelliers Glück, denn Offizier Bruno von Falk (Matthias Schoenaerts) ist ein höflicher Mann, der ihnen nicht zur Last fallen will. Die beiden Frauen sind jedoch fest entschlossen, ihm kein Entgegenkommen zu zeigen. Aber Lucille und Bruno fühlen sich zueinander hingezogen. Gefühle, für die zu dieser Zeit niemand Verständnis hat und die beiden zum Verhängnis werden können, als ein deutscher Jungoffizier erschossen wird und die Situation im Dorf eskaliert.

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Man fragt sich wirklich, was die Verantwortlichen geritten hat, als sie Suite Française den Zusatztitel Melodie der Liebe gaben. Man hätte dem Film wohl kaum einen geringeren Gefallen tun können. Vielleicht wollte man einfach das Thema der Liebe zur Musik, über die sich die beiden Protagonisten zart annähern, aufgreifen oder man war ganz verzaubert vom ausgesprochen schönen Soundtrack von Rael Jones, aber unglücklicherweise klingt es fürchterlich kitschig und genau das ist Suite Française nicht. Natürlich ist es eine Liebesgeschichte, aber auf eine angenehm zurückhaltende Art bei der mehr mit einem Blick gesagt wird, als mit einer schmalzigen Phrase. Die Chemie zwischen Williams und dem Belgier Schoenaerts ist dazu ein großes Glück für diesen Film, weil sie die Tragik der Geschichte für den Zuschauer erst richtig spürbar macht.

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Suite Française gibt sich Mühe, in seinen 98 Min Laufzeit über die Liebesgeschichte hinaus zu sehen und ein komplexes Bild der Situation zu liefern. Es ist eine Momentaufnahme, die nicht versucht den ganzen Krieg zu erklären oder zu erfassen, sondern zeigt, was dieser Krieg unmittelbar für die Menschen bedeutet und was es aus ihnen herausbringt – ihre wahren Seiten. Das ist ambitioniert und gelingt auch teilweise, aber es sind einfach zu viele Nebenfiguren und Handlungsstränge, denen man nicht gerecht werden kann und die entweder unterschrieben oder mit Klischees abgefertigt sind. Auch die Action am Ende fühlt sich völlig fehl am Platze an. Kurz gesagt: das Drehbuch könnte schlichtweg besser sein. Auch ist nicht jede Darstellung, von den beiden Hauptdarstellern abgesehen, so nuanciert, wie es von Nöten wäre. Dafür ist das Zeitkolorit sehr gelungen, ganz besonders dank des Kostümdesigns von Michael O’Connor und den Frisuren sowie dem Make-Up von Jenny Shircore.

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Fazit

Suite Française – Melodie der Liebe ist eine gefühlvolle Liebesgeschichte, die vor allem dank Schoenaerts, Williams und dem Soundtrack berührt. Es ist kein großer oder bedeutender Film, dafür ist das Drehbuch einfach nicht gut genug, aber es ist ein schöner Film für ein erwachsenes Publikum, der so einen schmalzigen Zusatz wie Melodie der Liebe wahrlich nicht verdient hat.

6.5
Gefühlvoll

Pros

  • Der Soundtrack
  • Williams und Schoenaerts Chemie
  • Produktions- & Kostümdesign

Kontras

  • Das Drehbuch
  • Aufgesetzte Action
  • Einige der Nebendarsteller

Unser Fazit


Handlung
6
Präsentation
7