Review: CAROL

CAROL, der auf dem autobiografisch gefärbten Roman Salz und sein Preis der US-amerikanischen Autorin Patricia Highsmith basiert, wurde nicht nur bei den Filmfestspielen in Cannes mächtig gefeiert, sondern praktisch auch durch die Bank von den Kritikern. Am 17. Dezember kommt das Liebesdrama mit Cate Blanchett in die deutschen Kinos. Das die Blanchett sensationell ist, versteht sich fast von selbst, aber lohnt auch der Rest den Gang ins Kino?

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Im New York der 50er-Jahre lernt Carol (Blanchett), die mit dem wohlhabenden Harge (Kyle Chandler) verheiratet ist, die junge Therese (Rooney Mara) kennen, die in einem Kaufhaus arbeitet und von einem besseren Leben träumt. Carol, die in ihrer Ehe unglücklich ist, trennt sich von Harge und als dieser die gemeinsame Tochter auf Anweisung seiner Familie über die Weihnachtsfeiertage auf eine Reise mitnimmt, lädt Carol Therese ein, mit ihr auf einen Roadtrip zu gehen. Behutsam nähern sich die beiden Frauen einander an und eine Beziehung bahnt sich an, die für die Zeit skandalös ist. Auch Harge kann das neue Glück seiner Frau nicht verstehen und greift im Scheidungskrieg zu drastischen Mitteln.

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Als Patricia Highsmiths Roman 1952 veröffentlicht wurde, geschah dies unter einem Pseudonym, um ihre Karriere nicht zu gefährden. So skandalös ist die Geschichte heute natürlich nicht mehr und so gehört CAROL dieses Jahr zu den von der Kritik am höchsten bewerteten Filmen und wenn man sich die einzelnen Elemente ansieht, dann ist das schon nachvollziehbar. Cate Blanchett ist fantastisch, das Zeitkolorit perfekt, die Kostüme und das Décor eine Augenweide, die Geschichte ist nicht uninteressant und von der Farbgebung bis zu den Bildkompositionen ist sie schlüssig und passend verfilmt. Aber CAROL ist auch unsäglich gewollt bedeutsam. Das leichte Händchen war wohl gerade woanders beschäftigt. Regisseur Todd Haynes hat 118 Minuten für die abgeliefert, die sich aus der Zeitung als erstes den Feuilleton-Teil rausholen und Sätze sagen wie “Das muss ich jetzt erstmal auf mich wirken lassen”. Der Film ist auch etwas für diejenigen, die es für bedeutsam und tiefgründig halten, wenn ein Charakter betont still vor sich her leidet und dabei immer mit großen Augen so verletzlich in die Welt sieht, so wie es Rooney Mara hier als Therese macht. Wer ihr beim Anblick des Fotos unten schon eine verpassen will, der sollte sich definitiv eine Karte für einen anderen Film kaufen.

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CAROL ist ein merkwürdig distanzierter Film. Man möchte wirklich mitfühlen, aber eigentlich wäre es einem sogar egal, würde Therese mitten auf dem Roadtrip aus dem Auto fallen. Dazu kommt eine so schwerfällige musikalische Untermalung, dass man in an sich glücklichen Szenen fast Depressionen bekommt. Aber vielleicht soll das auch Kunst sein.

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Fazit

Eine grandiose Cate Blanchett, perfektes Zeitkolorit und wundervolle Kostüme – man würde CAROL so gerne jedem empfehlen, aber das getragene Tempo, die betonte Bedeutsamkeit und vor allem Rooney Mara lassen ihn eher einen Film für ein Feuilleton lesendes Publikum sein. Zumindest aber muss man Geduld mitbringen.

6.5
Dröge

Pros

  • Blanchett ist grandios
  • Perfektes Zeitkolorit
  • Kleider & Autos - toll

Kontras

  • Mara nervt
  • Einschläfernd langsam
  • Anstrengend gewollt bedeutsam
  • Filmmusik zieht runter

Unser Fazit


Handlung
5
Präsentation
8