Review: Mario Tennis: Ultra Smash (Wii U)

Wenn Nintendo ein intern entwickeltes Spiel auf den Markt bringt, dann ist das eigentlich immer ein Garant für Qualität. Etwa einmal im Jahr erlaubt sich jedoch auch Nintendo einen großen Schnitzer, welcher sich dieses Jahr in Form von Mario Tennis: Ultra Smash für Wii U zeigt. Ich habe mir das Spiel bereits vor dem offiziellen Release (20. November 2015) ausgiebig anschauen können und darf euch nun verraten, wieso ich vom neuen Mario Tennis enttäuscht bin.

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Spiel, Satz und Gähn

Mario Sportspiele sind seit jeher ein eher umstrittenes Thema in der Nintendo Fangemeinde: Einige können mit den Spielen gar nichts anfangen, während andere eine Menge Spaß mit den Sport Spin-Offs haben. Ich als alter Sportmuffel zähle mich tatsächlich zu letzteren, denn gerade ältere Gamecube Spiele wie “Mario Superstar Baseball” und “Super Mario Strikers”, haben mir als Teenager unzählige Stunden Spielspaß beschert. Vor allem für eine schnelle Runde im Multiplayer waren die Mario Sportspiele immer eine gute Wahl.

Mit Mario Tennis: Ultra Smash hat es nun endlich auch ein Sportspiel mit dem Klempner auf die Wii U Konsole geschafft. Spieler, die mit vergangenen Titeln der Reihe vertraut sind, finden sich schnell zurecht und auch Anfänger bekommen den Einstieg erdenklich leicht gemacht. Nachdem ihr euch für eine Spielfigur und einen Matchtyp (Einzel, Doppel) entschieden habt, beginnt das Spiel auch schon. Die Regeln folgen dabei ganz grob der Realvorlage, auch wenn diverse Abweichungen wohl unvermeidbar waren.

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Gespielt wird wahlweise mit dem GamePad, dem Wii U Pro Controller, dem Classic Controller Pro oder der Wiimote. Maximal vier Spieler können zeitgleich an einer Konsole spielen. Nintendo empfiehlt dabei erstmalig das traditionelle Steuerungsschema per Knopfdruck, während in der Vergangenheit stets die Bewegungssteuerung groß geschrieben wurde. Die Steuerung selbst funktioniert dabei tadellos und ist denkbar simpel gehalten. Euren Charakter steuert ihr per Analog Stick, während ihr mit “A” einen Topspin, “B” einen Slice und mit “Y” einen Flatball spielt. Bewegt ihr zeitgleich den Analogstick in eine Richtung, lässt sich zudem die Flugbahn des Balls noch etwas beeinflussen. Nach ein paar Schlägen sitzt die Steuerung und wer trotzdem noch Probleme hat, kann stets auf “X” zurückgreifen, um das Spiel entscheiden zu lassen, wie der Ball gespielt wird.

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Gameplay-mäßig gibt es kaum Änderungen. Im regulären Spielmodus sind die Riesenpilze die größte Neuerung. Diese werden gelegentlich auf das Spielfeld geworfen und erhöhen Schlagkraft sowie die Reichweite der Schläger. Auch die Trickschläge aus vergangenen Mario Tennis Spielen kehren zurück und verstärken die Schläge bei korrekter Ausführung mit diversen Boni. Ein besonders starker Trickschlag ist der namensgebende Ultra Smash, der dem Gegenspieler einen besonders starken Ball serviert. So richtig anfreunden konnte ich mich jedoch weder mit den Riesenpilzen, noch mit den Trickschlägen. Beide untergraben den ohnehin schon geringen Taktikanteil des Spiels, indem sie dem Spieler fast durchgehend seine Position auf dem Platz diktieren, sofern er nicht auf einen wertvollen Trickschuss verzichten will.

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Glücklicherweise gibt es einen klassischen Spielmodus, der diese Extrafeatures deaktiviert und den Spieler ein klassisches Tennismatch spielen lässt. Dieses macht auf Dauer nicht nur mehr Spaß, sondern ist auch fordernder und bietet im Endeffekt mehr Abwechslung. Ein weiterer Spielmodus ist die Knockout Challenge, bei der ihr gegen immer stärkere Gegner antretet, bis ihr letztendlich geschlagen werdet. Im letzten Modus, der Mega Ball Rally, versucht ihr einen großen Spielball so lange wie möglich hin und her zu spielen. Beide Modi bringen euch Münzen ein, die ihr wiederum gegen neue Inhalte eintauschen könnt.

Erfreulicherweise bietet Mario Tennis diesmal auch einen Online Modus, den ihr wahlweise alleine oder zusammen mit einem Freund (lokaler Mitspieler) spielen könnt. Während die technische Umsetzung in Ordnung ist, fehlt dem Online Modus ein essentielles Element: Online Gaming mit Freunden. Momentan – und das ist kein schlechter Scherz – bietet das Spiel keine Möglichkeit, ein Match unter Freunden zu eröffnen, sondern zwingt euch immer gegen zufällige Spieler aus den Weiten des Internets anzutreten. Wieso?! Leider ist dieses unverständliche Versäumnis nur der Anfang einer langen Problemliste, die ich mit Ultra Smash habe.

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Das wohl größte Unding ist der Spielumfang. Abgesehen von den oben genannten Spielmodi gibt es nichts mehr zu sehen und so sucht man als Spieler z.B. vergeblich nach einem Trainings- oder Turniermodus. Auch die Charakterauswahl beschränkt sich auf gerade einmal 16 Spielfiguren, von denen bereits zwölf direkt nach Spielbeginn zur Verfügung stehen. Noch schlimmer wird es bei den Arenen – obwohl der Plural hier eigentlich auch nicht angebracht ist. Tatsächlich verfügt das Spiel über lediglich eine Arena! Zwar lassen sich verschiedene Bodenbeläge für das Spielfeld freischalten, die wiederum die Eigenschaften des Balls beeinflussen, doch hätte zumindest etwas Abwechslung in der allgemeinen Arena Gestaltung sicher nicht geschadet. So können die Charakteranimationen noch so hübsch, flüssig und bunt sein – früher oder später sieht man sich an der eintönigen Arena satt. Auch konnte ich mich mit dem Moderator des Spiels nicht anfreunden. Seine Kommentare sind knapp, herzlos und die Namen der Spielfiguren spricht er nicht einmal aus.

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Der amiibo Support des Spiels erinnert etwas an Super Smash Bros für Wii U / 3DS. Insgesamt zehn der bereits erhältlichen NFC-Figuren werden vom Spiel unterstützt. Ein amiibo repräsentiert dabei einen Computerspieler, den ihr durch vermehrten Einsatz trainieren könnt, um ihn z.B. im Doppel gegen eure Freunde einzusetzen. Sogar online kann euch euer trainierter amiibo als Partner auf dem Spielfeld unterstützen. Kein besonders neuartiger Einsatz der Figuren, aber die Idee an sich finde ich deshalb nicht schlecht.

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Fazit

Mario Tennis: Ultra Smash enttäuscht Wii U Gamer und Mario Sports Fans mit einem erschreckenden Mangel an Spielinhalten. Die enthaltenen Spielmodi lassen sich an einer Hand abzählen und die Tatsache, dass das Spiel nur eine echte Arena enthält, ist einfach nur noch traurig. Die neu eingeführten Gameplay Mechaniken sind auf Dauer auch eher störend, sodass sich das Spiel lediglich als einsteigerfreundlicher Lückenfüller für einen Couch-Gaming Abend empfehlen lässt. Mehr als 20 Euro würde ich für den Titel jedoch nicht ausgeben.


Mario Tennis: Ultra Smash - [Wii U] (Nintendo Wii U) Publisher: Nintendo Erscheinungsdatum: 20. November 2015 EUR 13,38 bei Amazon.de (Partnerlink)


4.7
Enttäuschend

Pros

  • Intuitiv und einsteigerfreundlich
  • Solide Präsentation

Kontras

  • Lächerlich geringer Umfang
  • Keine Freunde Modus online
  • Unpassender Spielmoderator

Unser Fazit


Gameplay
5
Präsentation
6
Umfang
3