Review: Zwischen Himmel und Eis

Klimaveränderungen, das Schmelzen der Polarkappen – wenn man so manchen Amerikaner fragt, dann sind das alles Erfindungen von Präsident Obama. Aber der war noch gar nicht geboren, als Claude Lorius, ein französischer Glaziologe, das erste Mal in Richtung Südpolarmeer aufbrach. Am 26. November kommt mit Zwischen Himmel und Eis ein Film über eben diesen Claude Lorius und 800.000 Jahre Klimageschichte ins Kino.

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Wer sich nicht bildungsresistenz Fakten verschließt, der hat vermutlich schon einmal davon gehört, dass im Gletschereis Luftbläschen eingeschlossen sind. Je tiefer man z.B. in der Antarktis bohrt, umso älter ist die eingeschlossene Luft. Luft, die man analysieren kann. Anhand der Ergebnisse lässt sich die Klimageschichte der Erde nachverfolgen. Eine Idee, die allerdings erst jemand haben musste. Voilà der Auftritt eines jungen Studenten, der sich 1955 auf eine Kleinanzeige meldet, um kurz darauf an einer Forschungsexpedition teilzunehmen: es geht für ein Jahr in die Antarktis, damals praktisch noch Forschungsneuland.

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Oscar-Preisträger Luc Jacquet (Die Reise der Pinguine) bringt mit Zwischen Himmel und Eis erneut einen Film in die Kinos, den so manch anderer aufgrund seines Sujets ins Fernsehen stecken würde. Aber das hier ist nicht reines Bildungsfernsehen, keine trockene Schulstunde oder Vorlesung. Jacquet hat eine 89-minütige Dokumentation gedreht, in der neue Aufnahmen nahtlos und harmonisch kombiniert mit Archivaufnahmen der Entdeckung des Klimawandels ein Gesicht geben. Hierbei sind gerade die grandios aufbereiteten und mit Ton versehenen Archivaufnahmem unglaublich interessant und machen diese Dokumentation sehenswert. Heutezutage ist Forschung für die meisten nichts greifbares mehr, alles scheint sich auf so einer abstrakten oder mikroskopisch kleinen Ebene abzuspielen, dass man sich als Fachfremder nur schwer dafür begeistern kann. In den 50ern war das noch anders und Jacquet schafft es, den Abenteuercharakter des Ganzen zu vermitteln.

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Zwischen Himmel und Eis ist auch für Zuschauer geeignet, die kaum Vorwissen mitbringen. Wer sich mit der Thematik auskennt, lernt hier vermutlich nur etwas über die Person Lorius dazu, aber den Mangel an tiefergehendem Wissen machen die Bilder wett, über die man gelegentlich auch durchaus schmunzeln kann. Wie die meisten Dokumentationen hat auch diese einen Erzähler, der in der deutschen Synchronfassung von dem bekannten Schauspieler Max Moor gesprochen wird. Ob Moor für diesen Film allerdings die optimale Wahl war, darüber kann man diskutieren. Zu dominant klingt er und auch ein bisschen so, als würde er sich selber gerne zuhören. Vielleicht liegt es aber auch am etwas zu getragenen Tempo, in dieser Hinsicht ist die Dokumentation schon old-school.

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Fazit

Zwischen Himmel und Eis setzt den Verleugner des Klimawandels im wahrsten Sinn des Wortes ein altes Gesicht entgegen. Mit großartigen Naturaufnahmen und exzellent aufbearbeiteten Archivaufnahmen erzählt Regisseur Luc Jacquet die Geschichte des 82-jährigen Glaziologen Claude Lorius, die auch die Geschichte der wissenschaftlichen Entdeckung und Belegung des Klimawandels ist. Der Erzähler ist Geschmacksache, der Informationsgehalt überfordert nicht, aber Lorius und die Bilder sind beeindruckend.

7
Interessant

Pros

  • Toll aufbereitete Archivaufnahmen
  • Großartige Bilder
  • Verständlich

Kontras

  • Sprecher ist Geschmacksache
  • Das Ende wirkt aufgesetzt
  • Hätte tiefergehend sein können

Unser Fazit


Handlung
7
Präsentation
7