Review: Bridge of Spies: Der Unterhändler

Steven Spielberg im Regiestuhl, Tom Hanks in der Hauptrolle und und ein Drehbuch von den Coen Brüdern. Was klingt wie eine Rezeptur für maximalen Erfolg bei den Academy Awards, kommt mit Bridge of Spies: Der Unterhändler am 26. November 2015 in die deutschen Kinos. Ich durfte mir den Spy Thriller bereits für euch ansehen und darf euch nun verraten ob die Formel aufgegangen ist.

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Eine faszinierende Mischung

Basierend auf wahren Begebenheiten aus dem Jahr 1957, erzählt Bridge of Spies die Geschichte von Versicherungsanwalt James B. Donovan (Tom Hanks), der von der CIA unerwartet damit beauftragt wird, eine heikle Verhandlung mit der Sowjetunion zu führen. Ziel ist ein inoffizieller Gefangenenaustausch zwischen den beiden Supermächten, von dem sich die Amerikaner die Freilassung des gefangenen US-Spionagepiloten Francis Gary Powers (Austin Stowell) erhoffen. Im Austausch sind die USA gewillt den sowjetischen Spion Rudolf Abel (Mark Rylance) zurück in die Hände der Russen zu geben. Ein schwieriges Unterfangen, dass Donovan schließlich nach Berlin führt und seine Fähigkeiten auf die Zerreißprobe stellt.

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Von der ersten Minute merkt man Bridge of Spies an, dass hier eindeutig Meister ihres Handwerks zu Werke waren. Das hervorragende Drehbuch von Matt Charman und den Coen Brüdern überzeugt mit erstklassigen Dialogen, welche die ernste Thematik des kalten Krieges vermitteln, das Thema dabei jedoch auch mit einem gewissen Sinn für Humor angehen. Die schwierigen und oftmals unglaublichen Komplikationen in der damaligen Diplomatie zwischen den USA und der Sowjetunion vermittelt der Film auf eine durchgehend unterhaltsame Weise. Spielberg vermeidet dabei eine Schwarz-Weiß Darstellung der Ereignisse und zeigt stattdessen den Wahnsinn des kalten Krieges aus einer vielmehr neutralen Perspektive. Die Erzählweise ist für einen “Spy Thriller” erstaunlich gelassen und weckt eher das Interesse des Zuschauers, als ihn mit nervenzerreißenden Spannungsbögen und Gewaltdarstellungen im Kinositz zu fesseln.

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Im Fokus des Films steht dabei der faszinierenden Charakter des James B. Donovan, gespielt von einem herausragenden Tom Hanks. Für ihn steht seine Integrität und das Gesetz der amerikanischen Verfassung an erster Stelle – eine Einstellung, für die seine Landsleute in Zeiten eines bevorstehenden Nuklearkrieges nur wenig Verständnis haben. Nicht minder fantastisch ist die Performance von Mark Rylance, dessen Portraitierung des sowjetischen Agenten Rudolf Abel, sehr beeindruckend ist. Die Dynamik zwischen Abel und dessen Pflichtverteidiger Donovan ist großartig und unterstreicht die Qualität des Storytellings im Film noch einmal. Ich tippe auf eine Oscar Gewinn für mindestens einen der Beiden.

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Spannung und Tempo des Films sind bis auf einige wenige Ausnahmen ebenfalls fast durchgehend exzellent und selbst etwas zähere Passagen sind durch die gelungene visuelle Präsentation nicht langweilig. Dies überrascht bei einem Altmeister wie Spielberg zwar kaum, doch war ich in diesem Film besonders von der authentischen Gestaltung der Sets angetan. Auch die abgedeckte Zeitperiode fühlt sich erstaunlich frisch an, denn meistens sieht man dann doch eher den Fall der Mauer, als dessen Erbauung und den Kampf der DDR, als Staat vom Westen anerkannt zu werden.

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Fazit

Bridge of Spies erzählt die wahre Geschichte eines erstaunlichen Großstadtanwalts, der selbst in der schwierigen Zeit des kalten Krieges an seinen Überzeugungen fest hält, obwohl er die Konsequenzen seines Handelns kennt. Spielberg zeigt den Irrsinn des kalten Krieges mit einem nüchternen Erzählungsstil, der dem Zuschauer mehr exzellentes Storytelling als Nervenkitzel bietet. Doch trotz der Thematik findet der Film etwas Platz für Humor. Dies ist nicht nur dem erstklassigen Drehbuch zuzuschreiben, sondern auch der hervorragenden Leistung der Darsteller, insbesondere Hanks und Rylance. Die Kombination all dieser Hollywood Veteranen resultiert in einem sehr guten Film, der in seiner Ausführung kaum besser sein könnte. Wer sich für das Thema interessiert, für den ist Bridge of Spies absolutes Pflichtprogramm und vermutlich ein heißer Kandidat für die nächste Oscarverleihung.

9
Exzellent

Pros

  • Sehr gute Ausführung
  • Großartige Darsteller
  • Erstklassiges Drehbuch

Kontras

  • Wenig "thrill" für einen Thriller

Unser Fazit


Handlung
9
Präsentation
9