Review: Im Rausch der Sterne

Es klingt wie ein Rezept für die Prosecco Ladies Night: Bradley Cooper als leidenschaftlicher Sternekoch, der die Fehler seiner jungen Jahre wieder gut machen will und dessen raue Schale von Köchin Sienna Miller weichgekocht wird. Ist Im Rausch der Sterne, der am 3. Dezember in die Kinos kommt, tatsächlich ein Sterne-würdiger Leckerbissen oder kann man ihn nüchtern kaum ertragen?

Adam Jones (Cooper) war vor zwei Jahren ein erfolgreicher Chefkoch in Paris, aber sein exzessiver Lebensstil – Drogen, Alkohol, Frauen – sorgte für einen frühen Absturz. Jetzt ist er clean, abstinent in jeder Hinsicht, und will zurück an die kulinarische Spitze. Sein Ziel: der dritte Michelin-Stern. Erkochen will er sich diesen im Restaurant seines alten Freundes Tony (Daniel Brühl) in London. Begeistert reagiert dieser aber erstmal nicht, außerdem braucht Adam für seine Mission ein perfektes Team, das er in seinem alten Kumpel Michel (Omar Sy), der talentierten Helene (Miller) und Streetfoodkoch David (Sam Keely) findet. Ein weiteres Problem sind Feinde und offene Rechnungen aus der Vergangenheit.

Starköche haben nicht gerade den Ruf, die umgänglichste Sorte Mensch zu sein. Sie sind die Rockstars derer, die Essen zu einer Lifestyle Wahl erkoren haben, und nicht selten erfüllen sie das Klischee eines solchen – man denke hier eher an einen jungen Anthony Bourdain als an Johann Lafer.  Ein arroganter Unsympath ist auch Adam Jones, der zwar Alkohol und Drogen abgeschworen hat, sich aber nach wie vor für den Größten hält. Darin liegt auch das größte Problem des Films, wenn man mal von dem Drehbuch absieht, das etwa so originell und überraschend wie eine Tütensuppe ist. Man glaubt Jones keine Sekunde, dass er irgendwas anderes will, als vom Guide Michelin für alle sichtbar als grandioser Koch ausgezeichnet zu werden. Wie er mit seinen Köchen umgeht, ganz zu schweigen von den Menschen, die ihn lieben – wer hier im Kino schmachtet, der hat entweder schon ausreichend Prosecco intus oder pfeift auf Adams innere Werte angesichts Coopers äußerer Vorzüge.

Die Story fad, die Hauptfigur so warmherzig wie ein Fisch auf Eis, die letzte Hoffnung liegt beim Dessert. Emma Thompson (56) hätte es sich sicher nicht träumen lassen, zu diesem Zeitpunkt ihrer Karriere als das Tortenstück eines Films, in dem immerhin Alicia Vikander und Sienna Miller mitspielen, bezeichnet zu werden. Aber sie und ihre Figur sind das einzige in Im Rausch der Sterne, bei dem sowohl das Rezept als auch die Präsentation stimmt. Wie immer bei guten Desserts, ist die Portion jedoch zu klein. Daniel Brühl ist ebenfalls nicht schlecht, zumindest holt er aus der Rolle raus, was geht.  Auch Omar Sy muss die längste Zeit auf kleiner Flamme köcheln, bevor er einen wahrlich gepfefferten Auftritt hat.

Nun ist Essen nicht nur eine Lifestyle Wahl und Haute Cuisine eine Frage des Geldes, sondern es ist auch ein großes Streitthema: was darf und kann man überhaupt essen? Wenn man sieht, wie lieblos hier teilweise mit Lebensmitteln umgegangen wird, obwohl es doch angeblich die große Leidenschaft der Beteiligten ist; wie leicht Adam etwas wegwirft, nur weil es nicht den höchsten Ansprüchen genügt, dann kann einem das durchaus bitter aufstoßen. Hauptsächlich aber, weil man genau das mit dem Film auch hätte machen sollen. Regisseur John Wells zeigt gute Ansätze, zieht aber keinen durch. Al dente ist diese Dramedy nicht. Und so hoppladihopp bäckt auch ein Bradley Cooper keine Cremetorte, spätestens in der Szene gehört auch der Authentizitätsfaktor in die Tonne.

(L-R) BRADLEY COOPER and SAM KEELEY star in BURNT.

Fazit

Im Rausch der Sterne kann man guten Gewissens niemandem ans Herz legen, der weder seine Filmempfehlungen aus den gängigen Frauenzeitschriften bezieht noch mit Prosecco vorgeglüht in die Ladies Night stöckelt. Kulinarisch ausgedrückt: Unsympath an fadem Pamp serviert auf edlem Geschirr. Etwas gutbürgerlicher: es schmeckt nicht.

103min; FSK: noch unbekannt

3.5
Verkocht

Pros

  • Emma Thompson

Kontras

  • Vorhersehbar & langweilig
  • Unsympathisch
  • Herzlos

Unser Fazit


Handlung
3
Präsentation
4