Review: SPECTRE

Nach 007’s letztem Abenteuer Skyfall (2012) sind die Erwartungen an SPECTRE gleichermaßen hoch wie niedrig. Schließlich verspricht der Trailer viel und man kann mit Stars wie Christoph Waltz, Monica Bellucci und Dave Bautista (Guardians of the Galaxy) aufwarten, aber Skyfall hat in jeder Hinsicht die Messlatte so extrem hochgesetzt, dass selbst ein Optimist vorsichtshalber seine Erwartungen dämpft. Kann SPECTRE also am 5. November das große Kinofinale 2015 mit einem Paukenschlag einläuten?

SPECTRE_Szenenbilder-02

Der 007 mit dem Sofa

Eine Nachricht aus der Vergangenheit führt James Bond (Daniel Craig) zuerst nach Mexiko, dann nach Rom, wo er dank der schönen Witwe (Monica Bellucci) eines berüchtigten Kriminellen ein geheimes Treffen einer zwielichtigen Organisation unterwandern kann. Aber Bond ist auf eigene Faust unterwegs, denn trotz der globalen Bedrohung muss M (Ralph Fiennes) in London erstmal versuchen, den MI6 zu retten, der vom neuen Chef des Centre for National Security Max Denbigh (Andrew Scott, Moriarty aus Sherlock) in Frage gestellt wird. Ausgerechnet Madeleine Swann (Léa Seydoux), Tochter seines Erzfeindes Mr. White (Jesper Christensen), könnte Bond helfen, nur will sie nichts mit ihm zu tun haben. Ein Glück, dass es da noch Miss Moneypenny (Naomi Harris) und Q (Ben Wishaw) gibt.

SPECTRE_Szenenbilder-16

SPECTRE eröffnet mit einer spektakulären Actionsequenz am Tag der Toten in Mexico City. Das Setting vermittelt sofort den elegante, glamourösen Stil alter Bond Filme. Immer ein bisschen unreal, aber aufregend. Wenn Bond dann nonchalant auf schmalen Brüstungen hoch auf den Dächern entlangläuft, treibt es den Puls direkt in die Höhe. Die meisten Regisseure hätten sich wohl damit begnügt, aber Sam Mendes setzt selbstbewusst noch einen Kampf im Helikopter hinterher, der ebensogut das Grande Finale hätte sein können. Wie um den entstandenen Eindruck zu stoppen, dass SPECTRE die von Skyfall gesetzt Messlatte noch höher schieben will, setzt der Titelsong von Sam Smith ein. Es ist wohl fair anzumerken, dass weder Text noch Gesang das Bild eines starken Bonds vor dem geistigen Auge aufrufen und wer will schon einen jammernden Bond sehen? Das bleibt einem zum Glück aber erspart, Craig gibt hier wieder souverän den Mann der Taten.

SPECTRE_Szenenbilder-15

Zur Handlung von SPECTRE muss man, ohne zu spoilern, sagen, dass sie für Bond Kenner erschreckend vorhersehbar ist. Gerade einer der ganz großen Momente kündigt sich meilenweit vorher an, was den “Oooh” Faktor für Bond Fans quasi auf Null reduziert. In dieser Hinsicht zeigt das ansonsten gute Drehbuch bedauerliche Schwächen. Man möchte den Drehbuchautoren auch dafür auf die Finger hauen, dass Monica Belluccis Rolle so klein ist. Welch eine Verschwendung, denn Bellucci ist nicht nur schön, sondern sie hat eine enorme Präsenz und passt perfekt in diese sehr spezielle Welt des Geheimagenten ihrer Majestät. Léa Seydoux ist natürlich hübsch, sonst hätte sie die Rolle schließlich nicht bekommen, aber ihre Rolle ist so aufregend wie Kamillentee. Genauso hat Dave Bautista als Hinx nur eine wirklich erinnerungswürdige Szene. Mehr Mühe gab man sich immerhin bei Bösewicht Oberhauser und Denbigh, die Waltz und Scott mit fiesem bzw fehlgeleitetem Leben füllen. Auch Bond selbst hat man einige Zeilen voll köstlich trockenem Humors geschrieben, die zumindest in der Originalfassung brilliant von Craig rübergebracht werden.

SPECTRE_Szenenbilder-09

Wie es sich für einen echten Bond gehört, gibt es hier neben dem Superschurken und den schönen Frauen natürlich einen Aston Martin. Der zeitlos elegante DB10 wurde extra für den Film gebaut und hat seinen großen Auftritt in Rom, wo Bond durch die menschenleeren Straßen saust, verfolgt von Hinx in einem C-X75 Jaguar. Die (fast) menschenleeren Straßen sind allerdings etwas, was einen irgendwann nervt: egal wo Bond jagt oder gejagt wird, mal abgesehen von der Eröffnungssequenz in Mexiko City, nirgends stehen Fußgänger, Skifahrer, Passagiere oder Personal im Weg. Bond hat sich zwar noch nie an die Realität halten müssen, aber diesmal fällt es wirklich auf. Die Actionszenen sind angemessen spektakulär, so gibt sich Bond bei der Verfolgungsjagd im Schnee erst gar nicht mit schnöden Ski ab, aber sie sind fast durchgehend einen Tick zu lang. Überhaupt ist das Tempo in SPECTRE nicht optimal. Durchgehend atemlose Spannung und Action, so wie es dieses Jahr z.B. Mission Impossible: Rogue Nation zeigte, kommt kaum auf. Angesichts einer Laufzeit von 148 Minuten hätte man durchaus etwas dagegen tun können. Trotzdem hat SPECTRE viel zu bieten, von Referenzen an ältere Bond Filme, witzige Details (nie hatte ein Sofa einen grandioseren Auftritt), einer Schurkenversammlung und Beerdigungszene der alten Schule, Bezüge zur heutigen Realität (Drohnen und totaler Überwachung) und vor allem: SPECTRE sieht einfach schön aus. Mendes und Kameramann Hoyte van Hoytema (Interstellar) holten alles was ging, aus den Locations heraus.

SPECTRE_Szenenbilder-10

Fazit

SPECTRE ist ein solider Bond, der mit einer spektakulären Actionsequenz stark eröffnet, aber danach die schönen Locations und die rasanten Actionszenen erzählerisch etwas träge und vorhersehbar präsentiert. Alle weiteren wichtigen Zutaten wie schöne Frauen und Autos, stylische Titelsequenz, trockener Humor und eine schurkische Bedrohung von Format sind vorhanden und schön gefilmt. Ergebnis: Gepflegte Unterhaltung (FSK 12) à la 007, die aber spannender hätte sein können.

8
Solide

Pros

  • Grandiose Auftaktsequenz
  • Trockener Humor & das Sofa
  • Scott, Waltz & Bellucci
  • Schöne Bilder

Kontras

  • Vorhersehbar
  • Träge erzählt
  • Zu wenig Bellucci

Unser Fazit


Handlung
8
Präsentation
8