Review: The Legend of Zelda: TriForce Heroes (3DS)

Als Nintendo auf der E3 im Juni The Legend of Zelda: Tri Force Heroes für Nintendo 3DS enthüllte, war die Überraschung unter Zelda Fans groß. Der zweite Versuch Zelda in die Reihen der Multiplayer Games zu befördern, stieß bei Fans erst einmal wegen seiner schräge Aufmachung auf Skepsis. Seit dem 23. Oktober 2015 ist das Spiel nun im Handel erhältlich und ich hatte Zeit den Titel ausgiebig im Single- und Multiplayer zu spielen. Es wird Zeit ein Fazit zu ziehen.

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Die drei Fashion-Musketiere

Nintendo ist dafür bekannt, bei der Entwicklung von Spielen, das Gameplay an allererste Stelle zu setzen. Im Fall von Zelda werden Story und Setting meistens sogar komplett um neue Spielmechaniken gestrickt, was auch der Grund ist, wieso Tri Force Heroes das wohl kurioseste Zelda bis dato ist. In Tri Force Heroes dreht sich alles um das Multiplayer Spielerlebnis, bei dem sich drei Helden zusammenschließen, um Dungeons zu durchqueren und Bosse zu schlagen. Ein weiterer Kernaspekt des Spiels sind Kostüme für Link. Als Spieler schaltet ihr durch das Sammeln von Werkstoffen regelmäßig neue Kostüme frei, die Link mit besonderen Boni oder Fähigkeiten verstärken.

n3ds-zelda-tri-force-heroes-artwork_4Nintendo lies es sich nicht nehmen, die Story dieses Zelda “Spin-Offs” auch um den Kleidungsaspekt aufzuspannen: So findet ihr euch als Spieler im Königreich Textilia wieder, dessen Prinzessin Styla mit einem fiesen Fluch belegt wurde, der verhindert, dass sie ihre normale Kleidung tragen kann. Eine echte Tragödie in einem Königreich, dass Mode mehr als alles andere verehrt. Der König bittet euch darum, die böse Hexe zu besiegen, um den Fluch von seiner Tochter zu lösen und als Held habt ihr natürlich keine andere Wahl, als diesem Hilferuf pflichtbewusst nachzugehen.

So bekloppt die Story auch klingt, ist das Szenario im Spiel letztendlich doch ganz unterhaltsam. Die Charaktere haben den typischen Zelda Charme und die Dialoge sind stets humorvoll. Natürlich muss man an dieser Stelle mit einem offeneren Blick an das Spiel herangehen. “Fans”, die schon vor über 10 Jahren das wundervolle “The Wind Waker” wegen seiner Aufmachung verschmäht haben, werden beim Anblick von Tri Force Heroes vermutlich weinen. Aber schon damals ist ihnen durch ihre Engstirnigkeit eines der besten Spiele der Reihe entgangen. Zelda muss nicht immer düster sein – dafür haben wir bereits Anfang des Jahres ein Remake von Majoras Mask 3D erhalten. Worauf es ankommt, ist letztendlich das Gameplay und das Spielgefühl.

Großer Spaß mit Freunden

n3ds-zelda-tri-force-heroes-artwork_1Hier zeigen sich die Stärken von Tri Force Heroes. Im Multiplayer mit zwei Freunden ist der Titel besonders im lokalen Spiel eine absolute Spaßgranate. Es macht sehr viel Spaß, zusammen mit Freunden, einen Rätselabschnitt nach dem anderen zu knacken und sich letztendlich zusammen den Bossgegnern zu stellen. Dabei sind die einzelnen “Level” einer Oberwelt in jeweils vier Abschnitte aufgeteilt, die ihr nacheinander absolvieren müsst, um den Level erfolgreich abzuschließen. Diese Abschnitte dauern jeweils nur wenige Minuten, sodass der Spielfluss auch nach mehreren Stunden kein bisschen monoton ist.

Das Leveldesign ist dabei wieder einmal erster Güte, was in Teilen auch der neuen “Totem”-Mechanik zuzuschreiben ist, bei der sich die drei Spieler stapeln müssen, um Items aus unterschiedlichen Höhen einzusetzen oder sich gegenseitig in abgelegene Abschnitte zu werfen. Dabei steuert der unterste Spieler den Turm, während es dem obersten Spieler freisteht, sein Item einzusetzen oder Angriffe durchzuführen. Ein spaßiges Konzept, dass vor allem bei Bossgegnern für frischen Wind sorgt und ein gutes Maß an Zusammenarbeit erfordert. Am Ende eines jeden Levels werden die Spieler dann mit unterschiedlichen Werkstoffen belohnt, die sie in der kleinen Hubwelt von Textilia wiederum gegen neue Kostüme eintauschen können.

Links Kostümparty

Besonders cool ist die Tatsache, dass man in Tri Force Heroes bereits sehr schnell Zugriff auf eine große Anzahl Level hat, die in keiner bestimmten Reihenfolge abgeschlossen werden müssen. Ihr wollt zuerst den Boss einer Welt angehen? Kein Problem. Insgesamt acht Welten mit 32 Leveln und jeweils vier Unterabschnitten halten euch und eure Freunde für eine ganze Weile beschäftigt – besonders wenn man in Betracht zieht, dass es für jeden Level noch drei “Challenges” gibt. Diese erhöhen den Schwierigkeitsgrad z.B. durch Anwendung eines Zeitlimits, Erhöhung des Schadens durch Gegner und andere Kniffe, die euch das Leben schwerer machen sollen. Als Belohnung habt ihr am Ende eines Levels mit Challenge bessere Chancen auf seltene Werkstoffe für neue Kostüme.

In Sachen Kostümen gibt es auch reichlich Auswahl. So gibt es klassische Zelda Kostüme wie das Goronen- oder Zora Kostüm, die euch ermöglichen Feuer zu widerstehen bzw. schneller in Wasser zu schwimmen. Andere Kostüme wie das Cheerleader oder Geparden Outfit sind dann doch schon etwas schräger, bringen euch aber ebenfalls nicht minder nützliche Boni. Ein paar Easter Eggs haben sich auch eingeschlichen. So lässt sich später z.B. als Kostüm ein Hammerbruder Outfit erwerben oder ein dicker Mantel, der sehr stark an die Ice Climbers erinnert. Alles in allem eine coole Spielmechanik, die vielleicht nicht jedem gefallen mag, mir persönlich aber sehr viel Freude bereitet. Es macht einfach Spaß, diese kuriosen Kostüme zu sammeln und als schräger Cosplay Link durch die Welt von Textilia zu streifen.

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Unkomplizierter Mehrspieler

Ein weiteres Ziel das Nintendo mit dem Spiel verfolgt hat, war den Multiplayer Aspekt möglichst einfach und intuitiv zu gestalten, was zum größten Teil auch gelungen ist. So kann ein Spieler einen Raum eröffnen und Freunde wahlweise per Internet oder lokalem Spiel zu Hilfe holen. Bei lokalem Spiel per WiFi steht sogar die Option des “Download Play” zur Verfügung. Hier laden sich Spieler ohne ein Exemplar von Tri Force Heroes den Titel einfach von der Konsole eines Freundes herunter. Dies dauert nur wenige Minuten und es steht ihnen – mit einigen wenigen Ausnahmen – praktisch der komplette Multiplayer Teil des Spiels zur Verfügung. Es ist sogar möglich Kostüme zu sammeln und euren Spielfortschritt auf dem 3DS zu speichern, obwohl ihr den Titel nicht besitzt. Entscheidet ihr euch dann später zum Kauf des Spiels, könnt ihr eure Spieldaten vom Download Play ganz einfach übernehmen. Edel!

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Auch der Online Modus ist relativ elegant gelöst, obwohl es hier ab und an noch zu kleineren Problemen kommt. So sollten alle Spieler eine gute WiFi Verbindung haben, ansonsten kommt es schon einmal vor, dass das Spiel pausiert und sich versucht zu synchronisieren. Diese Latenzprobleme sind wohl auch einer der Hauptgründe, wieso es lediglich möglich ist, mit Spielern aus der eigenen Region zu spielen. Habt ihr einen Freund in Japan oder den Staaten, ist ein Online-Spiel derzeit leider nicht möglich. Alles in allem hatte ich jedoch auch online eine Menge Spaß und konnte mich trotz fehlendem Sprachchat mithilfe der gegebenen Emoticons auf dem Touchscreen erstaunlich gut verständigen. Die Verständigung klappte dabei selbst mit fremden Spielern wirklich gut und wenn ihr nicht gerade ein kleines Kind ohne Lust auf Kooperation als Partner erhaltet, sollte einem erfolgreichen Abenteuer eigentlich nichts im Wege stehen.

Solo eine schwache Nummer

n3ds-zelda-tri-force-heroes-artwork_7Wenden wir uns nun einmal dem Singleplayer zu und damit dem wohl enttäuschendsten Teil von Tri Force Heroes. Dieser sollte ursprünglich gar nicht im Spiel enthalten sein und wurde nur auf Wunsch von Zelda Producer Eiji Aonuma noch ins Spiel eingefügt. Zwar ist es schön, dass dem Spieler zumindest die Möglichkeit geboten wird, alleine ins Abenteuer zu ziehen, doch macht der Singleplayer Modus nur wenig Spaß. Tri Force Heroes wurde komplett um das Konzept des gemeinsamen Spielens entwickelt und so fühlt sich das Spielerlebnis im Einzelspieler einfach falsch an.

Statt nur einen Link zu steuern, müsst ihr im Einzelspieler per Touchscreen zwischen den einzelnen Helden wechseln, um Rätsel zu lösen und Gegner zu besiegen. Das macht nicht nur deutlich weniger Spaß, sondern kann gelegentlich auch ganz schön frusten, da die Arbeit für drei letztendlich auf einen einzelnen Spieler fällt. Ich kann mir vorstellen, gelegentlich im Zug eine schnelle Runde im Einzelspieler zu absolvieren, aber das ganze Spiel möchte ich so nun wirklich nicht zocken müssen. Für ein tolles Einzelspieler Erlebnis gibt es schließlich auch andere Zelda Spiele wie das geniale A Link Between Worlds.

n3ds-zelda-tri-force-heroes-artwork_8Bevor wir zu meinem Fazit kommen, noch ein paar Zeilen zur Präsentation des Spiels: Rein optisch ist diese ziemlich identisch mit der Grafik von Zelda: A Link Between Worlds und der eine oder andere Gegner wird Veteranen ebenfalls bekannt vor kommen. Auch die Steuerung ist identisch zu besagtem 3DS Spiel, sodass man sich sehr schnell in das Spiel hinein findet.

Brandneu ist hingegen der Soundtrack des Spiels. Dieser tanzt wirklich aus der Reihe und überrascht mit fast ausschließlich neuen Kompositionen, sodass ich mich erwischt habe, wie ich manchmal verdutzt auf bekannte Melodien gewartet habe. Nichtsdestotrotz gefällt mir der Soundtrack zum Großteil wirklich sehr und ein paar der neuen Stücke haben extremen Ohrwurmcharakter. Gerne mehr davon.

Fazit

The Legend of Zelda: Tri Force Heroes ist ein sehr interessantes Multiplayer Experiment der legendären Spielereihe, das zum größten Teil nicht nur sehr gut funktioniert, sondern auch einen Heidenspaß machen kann. Gerade im lokalen Multiplayer mit Freuden vergehen die Stunden wie im Flug. Eine große Anzahl an Level und freischaltbaren Kostümen sorgt dafür, dass keine Langeweile aufkommt. Zwar hat der Online-Modus manchmal noch technische Probleme und der Singleplayer ist nicht viel mehr als ein nett gemeinter Workaround, doch bin ich vom Gesamtergebnis auch als Diehard-Fan der Zelda Spiele durchaus positiv überrascht.


The Legend of Zelda: TriForce Heroes - [3DS] (Nintendo 3DS) Publisher: Nintendo Erscheinungsdatum: 23. October 2015 EUR 19,77 bei Amazon.de (Partnerlink)


7.7
Spaßig

Pros

  • Großer Spaß im Mehrspieler
  • Tolle Level / Kostüme
  • Download Play Mehrspieler

Kontras

  • Einzelspieler macht wenig Spaß
  • Online-Modus zickt gelegentlich

Unser Fazit


Gameplay
8
Präsentation
8
Story & Umfang
7