Review: The Walk (3D)

Da lief ein Franzose in den 70ern über ein Seil und jetzt machen die einen Film daraus. Na toll. Naja, nicht irgendwer, sondern Regisseur Robert Zemeckis (Forrest Gump, Cast Away – Verschollen, Zurück in die Zukunft). Außerdem spielt Joseph Gordon-Levitt (Inception) diesen Philippe Petit. Ach ja, und das Seil in The Walk hängt nicht irgendwo, sondern zwischen den beiden Türmen des World Trade Centers. Vielleicht doch toll und es heißt ab 22. Oktober: ab ins Kino?

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Seit Philippe Petit als Kind im Zirkus einen Seiltänzer gesehen hat, will er das auch können. Er übt und übt und bald hält er immer nach dem perfekten Ort Ausschau, wo er sein Seil spannen kann. Dann sieht er eines Tages ein Bild der beiden Türme des World Trade Centers, die gerade in New York erbaut werden, und von da an tut er alles, um seinen Traum zu verwirklichen: ein Drahtseilakt zwischen den Twin Towers. Was nicht nur waghalsig, sondern auch höchst illegal ist. Außerdem tickt die Uhr, denn sind die Türme erst einmal fertiggestellt, wird das Unterfangen unmöglich sein.

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Wie jeder Regisseur, der eine wahre Geschichte verfilmt, musste sich auch Zemeckis fragen: wie mach ich das nur spannend? Außerdem war da das Problem von Petits gesundem Selbstbewusstsein, dass schon mehr als nur mit der Arroganz flirtet. Ersteres löste er, indem er nicht einfach die Geschichte eines Drahtseilaktes erzählt, sondern sie als Coup präsentiert, so wie ein Heist Movie. Nur dass hier keine Juwelen oder Millionen geraubt werden, sondern dass Seile und anderes Gerät unbemerkt hoch auf die Dächer der Twin Towers gebracht werden müssen. Das zweite Problem löste er mit der Besetzung von Joseph Gordon-Levitt als Petit. Gordon-Levitt glänzt in der Rolle, ist gleichzeitig unsäglich arrogant, aber auf eine amüsante und charmante Art, und vermittelt Petits großen Traum so nachvollziehbar (obwohl sein Beweggrund kein anderer als “weil die Türme da sind” ist), dass man ihm wirklich die Daumen drückt. Natürlich schreit so eine Geschichte geradezu danach in 3D verfilmt zu werden und Zemeckis hat den Ruf nicht nur erhört, er holt wie nebenbei das Beste aus der Technik raus und liefert einen der bisher besten 3D Filme ab. Wer allerdings nicht schwindelfrei ist, dem kann bei so mancher Aufnahme durchaus flau im Magen werden.

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Natürlich konnte Petit seinen Drahtseilakt nicht ohne Hilfe bewältigen. Sir Ben Kingsley spielt seinen Mentor Papa Rudy und auch wenn es nur eine Nebenrolle ist, so gehören seine Auftritte zu den absoluten Highlights des Films. Auch Charlotte Le Bon ist sehr gut als Petits verständnisvolle Freundin, aber von ihr und Kingsley abgesehen, bleiben die Nebenfiguren halt genau das: Neben-figuren. Sie erfüllen ihren Zweck, aber mehr auch nicht. Mehr als nur Nebenfiguren sind die im Computer wieder auferstandenen Twin Towers, deren Andenken Zemeckis hier zuweilen regelrecht huldigt. Da muss man hin und wieder ein Auge zudrücken und sich daran erinnern, dass der Schmerz in den USA noch tief sitzt. Meistens aber, sind die Aufnahmen im Dienst von Petits  Geschichte.

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Wie die meisten Filme in letzter Zeit ist auch The Walk knapp zwei Stunden (123min) lang, was man allerdings kaum bemerkt. Gelegentlich könnte man zwar mal Szenen straffen, aber insgesamt stimmt das Tempo. Zemeckis entschied sich außerdem einen familienfreundlichen Film zu machen und das ist ihm wirklich gelungen. Hier gibt es keine Szenen, bei denen die Eltern in peinliche Erklärungsnot gelangen oder anschließend das Kind zum Therapeuten bringen müssen. Das macht den Film natürlich für manche vielleicht etwas zu harmlos, andererseits: warum sollte man wahre Begebenheiten künstlich verschärfen, wenn sie auch so funktionieren und eine breite Altersgruppe unterhalten können? Gelungen ist auch das Zeitkolorit, welches einen so manches Mal schmunzeln lässt. Die Filmmusik ist dagegen so ein Fall von ganz nett – auch hier gilt: nicht mehr, nicht weniger.

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Fazit

Eine verrückte, wahre Geschichte als unterhaltsamer, spannender Film für die ganze Familie in schwindelerregendem 3D: The Walk macht Spaß! Tolle Bilder, tolle Schauspieler (Gordon-Levitt & Sir Kingsley), eine schöne Portion Humor und voilà ein rundum gelungener Filmspaß, mit nur leichten Längen, der unbeschwert von politischen oder tiefgründigen Motivationen nur eine Message hat: Lebe Deinen Traum. Das 3D ist grandios – The Walk in 2D sehen ist fast schon eine Sünde – aber eine echte Herausforderung für alle mit Vertigo.

8
3D Hit

Pros

  • Fantastisches 3D
  • Gordon-Levitt & Kingsley sind toll
  • Witzig, spannend & unterhaltsam
  • Für die ganze Familie

Kontras

  • Nebenfiguren bisschen blass
  • Kleine Längen

Unser Fazit


Handlung
7
Präsentation
9