Review: PAN

Am 8. Oktober kommt mit PAN eine Origins Story in die Kinos, die eine Frage beantwortet, die bisher wohl kaum jemandem schlaflose Nächte bereitet hat. Was aber nicht heißt, dass die Antwort nicht unterhaltsam sein kann. Joe Wright (Abbitte, Stolz & Vorurteil, Anna Karenina) ist schließlich ein Regisseur, der es bereits mehrfach geschafft hat, schwierige oder durchgekaute Stoffe erfolgreich umzusetzen. Dazu Hugh Jackman als Captain Blackbeard, was soll da schon schief gehen? Naja . . .

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Bunt, bunter, Pan

Der 12-jährige Peter (Levi Miller) wurde als Baby ausgesetzt und er wächst in einem trostlosen Londoner Waisenhaus bei fiesen Ordensschwestern auf. Dort verschwinden nachts immer wieder Jungen, aber als Peter dem Geheimnis auf die Spur kommt, ist es zu spät und er findet sich auf einem Piratenschiff wieder, dass durch die Lüfte fliegt und die Knaben nach Neverland bringt, wo sie für den skrupellosen Piraten Blackbeard (Jackman) knechten müssen. Aber Peter Pan ist kein gewöhnlicher Junge und so erlebt er fantastische Abenteuer in Neverland, zusammen mit der kriegerischen Tiger Lily (Rooney Mara) und James Hook (Garrett Hedland), als er sich seinem Schicksal stellt.

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Levi Miller, der nach einer weltweiten Suche für die Rolle des Peter Pan gecastet wurde, liefert eine wirklich gute Leistung ab. Von allen Schauspielern ist er derjenige, der trotz sprunghafter Charakterentwicklung und anderer Schwachheiten, mit denen das Drehbuch aufwartet, zu überzeugen vermag. Hugh Jackman, dem vor allem Kostümdesignerin Jacqueline Durran (Oscar für Anna Karenina) einiges zumutet, spielt Blackbeard wie für die letzte Reihe der Galerie in einem Broadwaymusical, dafür allerdings mit sichtlicher Freude. Sein Spiel ist aber geradezu dezent im Vergleich mit Garrett Hedlund, der als Hook den Vogel in Sachen Over-Acting abschießt. Rooney Mara hingegen bleibt eher für ihren Kopfschmuck aus Teppichfransen und Bommeln in Erinnerung und dem Gesichtsausdruck, der einen vermuten lässt, dass das Hirn gerade ein Nickerchen hält. Die Nebenfiguren, besonders in Neverland, sind ein Witz.

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Was die Kostüme und das Set Design angeht, so könnte man den Eindruck bekommen, Warner Bros. hätte jetzt erst Technicolour entdeckt. Alles ist bunt, bunt, bunt. Dagegen ist ein Bollywood Film nix. Kindern wird das sicherlich gefallen, aber es wäre der Qualität des Films sehr zu gute gekommen, hätte man sich an so mancher Stelle etwas zurückgehalten. Das gilt auch für das Kostümdesign und das Make-Up – einige Extras sehen aus wie aus Mad Max, andere wie vom Kindergeburtstag. Etwas mehr Arbeit hätte man hingegen noch in das CGI stecken können, da wäre noch mehr drin gewesen, was einige sehr schöne und gelungene Szenen zeigen. Immerhin ist das 3D durchgehend recht nett geworden, gerade für die jüngeren Zuschauer. Die sind vermutlich auch die einzigen, die das Morden von Nirvana’s Smells Like Teen Spirit in einer Musical-inspirierten Szene verzeihen können.

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Pans größtes Problem sind aber nicht mal das Over-Acting oder die übertriebenen Kostüme, sondern das Drehbuch von Jason Fuchs (Ice Age 4 – Voll Verschoben). Das steckt voller Ideen, aber Fuchs schafft es nicht, ein einigermaßen sinnvolles Ganzes daraus zu machen. Die Charakterentwicklung kann man nur als sprunghaft bezeichnen und es ist alles drin von einer Luftschlacht im 2. Weltkrieg bis zu einem Trampolinkampf. Anscheinend war er so damit beschäftigt, Zeugs in die Geschichte zu packen – oh, Meerjungfrauen – dass er darüber völlig Tinkerbell vergaß und – oh, merkwürdige Riesenvögel – sie nachträglich noch fix irgendwo reinschob. Wright verfilmte das Ganze dann in teils wirklich ambitionierten und stimmungsvollen Bildern, aber es gelang ihm einfach nicht, dieser Geschichte den magischen Charme zu verpassen, den man ganz einfach erwartet. Außerdem waren seine Regieanweisungen an die Schauspieler auch schon mal besser.

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Fazit

Wer sich bisher nicht gefragt hat, wie Peter Pan eigentlich nach Neverland kam, der braucht auch Joe Wrights Antwort nicht. Es ist ohne Zweifel ein ambitionierter Film, aber das Prächtigste daran sind die bunten Farben und der Glitzer. Levi Miller überzeugt als Pan, soweit das Drehbuch es ihm das erlaubt, aber das reicht nicht, um den Mangel des Films an Charme wettzumachen. Für ein älteres Publikum besonders wegen dem Over-Acting ziemlich unsäglich, kann er älteren Kindern aber durchaus gefallen.

4
Unmagisch

Pros

  • Farbenfroh & glitzernd
  • Ordentliches 3D
  • Levi Miller überzeugt als Pan

Kontras

  • Brutales Over-Acting
  • Konfuse Geschichte
  • Zu viele Ideen, wirr zusammengefügt
  • Sprunghafte Charakterentwicklung

Unser Fazit


Handlung
4
Präsentation
4