Review: Animal Crossing: Happy Home Designer (3DS)

Mit Animal Crossing: Happy Home Designer für Nintendo 3DS erscheint am 2. Oktober 2015, das erste Spiel der Reihe seit dem großartigen New Leaf vor über zwei Jahren. Statt ein neues Kernspiel der beliebten Simulationsreihe zu veröffentlichen, hat sich Nintendo jedoch diesmal für ein Spin-Off entschieden, dessen Spielkonzept sich vollständig um die Gestaltung der Häuser für die Tiere dreht. Ich habe den Titel bereits vor Release schon ausgiebig für euch angespielt und darf nun berichten, ob dieses Konzept aufgegangen ist.

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Gestalten ist alles

Animal Crossing gehört zu den jüngeren Nintendo Franchises, dessen erstes Spiel vor etwas mehr als zehn Jahren in Europa erschien. Mittlerweile hat sich jedoch eine rege Fangemeinde um die Simulationstitel gebildet, was nicht zuletzt dem einzigartigen Charme und der entspannten Feel-Good Atmosphäre zuzuschreiben ist. Es hat etwas unglaublich entspanntes, seine eigene kleine Stadt mit all den seltsam-süßen Tiereinwohnern aufzubauen und die Sorglosigkeit zu genießen. Ein wesentlicher Teil des Spielerlebnis war dabei immer die kreative Gestaltung des eigenen Hauses, mit viel Schnickschnack und Mobiliar. Manche Spieler verbringen oftmals hunderte Stunden damit, ihre Häuser in Topform zu bringen und genau auf diese Zielgruppe hat Happy Home Designer es abgesehen.

Das neue 3DS Spiel beschränkt das Animal Crossing Erlebnis auf die Gestaltung von Gebäuden und erweiterte diese Spielfunktion immens. Als Angestellter von Nooks Designerimperium sucht ihr euch im Happy Home Designer eigene Kundschaft und gestaltet dann deren Häuser nach ihren Wünschen: Ob Piratenfestung, Gothic-Bude oder fruchtige Atmosphäre – die Anforderungen der tierischen Kunden sind zahlreich. Habt ihr erstmal einen Auftrag angenommen, seid ihr für den gesamten Bau des neuen Gebäudes zuständig. Ihr sucht ein passendes Fleckchen Land, gestaltet die Umgebung, den Look des Hauses und natürlich dessen Einrichtung.

Next Level Inneneinrichtung

Besonders in Puncto Inneneinrichtung bietet euch das Spiel deutlich mehr Möglichkeiten und eine komfortablere Bedienung, als es in bisherigen Animal Crossing Titeln der Fall war. Über den Touchscreen habt ihr Zugriff auf zahllose Gegenstände, um die Wünsche eures Kunden zu erfüllen. Hunderte Stühle, Tische und anderes Möbiliar steht euch zur Verfügung, auch wenn ihr vieles davon erst im Laufe eurer Aufträge freischaltet. Statt Möbel mühsam mit eurem Charakter von A nach B zu schieben, lassen sich diesmal sämtliche Inhalte des Hauses bequem per Touchscreen anordnen, sodass die Gestaltung deutlich schneller von der Hand geht.

Ihr habt außerdem auch erstmalig die Möglichkeit, die Decke von Gebäuden mit Lampen, Ventilatoren o.ä. zu verzieren, das Layout der Räume selbst zu bestimmen, sowie Hintergrundgeräusche und die Fenster anzupassen. Die Menge an Freiheiten ist wirklich erstaunlich und sorgt in Kombination mit der frustfreien Steuerung für ein spaßiges Spielerlebnis. Besonders die Gestaltung von öffentlichen Gebäuden wie einem Krankhaus, Café, Shop oder Schule hat mir Spaß gemacht. Hier gilt es teilweise sehr große Räume, basierend auf diversen Anforderungen, zu gestalten, sodass der Designprozess schon einmal eine Stunde dauern kann.

Kunden statt Nachbarn

Doch so viel Spaß das Entwerfen der Gebäude auch machen kann, bietet Happy Home Designer dem Spieler zwar kurzweilige, jedoch begrenzte Unterhaltung. Dadurch, dass die Kundschaft euch kein echtes Feedback auf eure Kreationen gibt, sondern immer glücklich mit euren Werken ist, fehlt dem Spiel der Antriebsfaktor. In den bisherigen Spielen der Reihe war dies das Genießen der virtuellen Miniwelt, doch fehlt diese im Happy Home Designer komplett. So ist es zwar möglich, Kundschaft in ihren Gebäuden zu besuchen, eine echte zusammenhängende Stadt gibt es jedoch nicht. Stattdessen dient der Plaza als eine Art Hubwelt, in der ihr neue Kundschaft trefft und öffentliche Gebäude aufsuchen könnt. Die kurzen Konversationen mit den Kunden zeigen immer noch etwas von dem bekannten Animal Crossing Charme, doch sind sie eben nur Kunden und keine Nachbarn. Ihr könnt nicht angeln, Käfer jagen, Besuch von Freunden bekommen oder sonstigen Blödsinn machen. Dies nimmt dem Spiel leider ein Großteil jener Magie, die Animal Crossing Fans für zahllose Stunden an den Handheld zieht und macht Happy Home Designer mehr zu einem Titel, den man zwischendurch in der Bahn anwirft, um kurz abzuschalten. Sehr schade. Ein Lichtblick sind die Online-Features des Spiels. So ist es möglich, seine Kreationen online mit anderen zu teilen, die sich eure Gebäude ansehen und bewerten können. Das Onlinenetzwerk dient also als gute Inspirationsquelle und beeindruckendes Showcase mit den Arbeiten anderer Spieler.

amiibo Karten

Ebenfalls ein Teil des Spiels ist die Unterstützung der neuen amiibo Karten. Diese Sammelkarten mit Animal Crossing Motiven lassen sich mit eurem New 3DS (oder NFC Adapter) einscannen und erwecken den Charakter auf der Karte zum Leben. So könnt ihr jederzeit euren Lieblingscharakter als Kunden gewinnen oder zu Besuch in das Haus eines anderen Kunden einladen. Das Konzept zielt dabei ganz klar auf junge Spieler ab, die gerne Sammeln und Tauschen. Notwendig sind die Karten jedoch nicht, um das Spiel zu genießen, da auch ohne amiibo Karten reichlich Kunden zu euch strömen. Ob man sich nun darauf einlässt oder nicht, steht euch also völlig frei. Wer einmal reinschnuppern möchte: Beim Kauf der Retail Version liegt dem Spiel bereits eine Karte als Bonus bei.

Grafisch unterscheidet sich Happy Home Designer nicht von New Leaf, im Gegensatz zum Soundtrack. Dieser klingt zwar nach Animal Crossing, bietet aber deutlich weniger Abwechslung und fängt daher nach einigen Spielstunden an, etwas zu nerven. Schade, denn bisher war die Musik der Spiele eher Balsam für die Nerven.

Fazit

Animal Crossing: Happy Home Designer ist ein Spiel, dass die Fangemeinde rund um die schräg-wundersame Tierwelt spalten wird. Jene, die viel Spaß beim Gestalten ihres Hauses haben, werden das Spiel lieben. Jene die sich eher für das entspannte Umherstreifen in der eigenen Miniwelt interessieren, werden jedoch enttäuscht sein. Happy Home Designer setzt das Konzept hinter dem Spiel erfolgreich um, doch ist es schon auf dem Papier zu sehr eingeschränkt. Mit den fehlenden Spielaspekten geht so leider ein Großteil der Magie und des Charmes der Animal Crossing Reihe verloren. Es ist kein schlechtes Spiel, doch wird es den Durst der meisten Fans nicht vollends stillen können.


Animal Crossing: Happy Home Designer (inkl. spezielle amiibo-Karte) - [3DS] (Nintendo 3DS) Publisher: Nintendo Erscheinungsdatum: EUR 38,95 bei Amazon.de (Partnerlink)


6.7
Okay

Pros

  • Viele Gestaltungsmöglichkeiten
  • Bequeme Steuerung
  • Gebäude online teilen

Kontras

  • Kaum Abwechslung / Fortschritt
  • Wenig Animal Crossing Charme
  • Kein eigenes Haus

Unser Fazit


Gameplay
6
Präsentation
8
Umfang
6