Review: Kill the Messenger

Universal Pictures ist das mit Abstand erfolgreichste Filmstudio des Jahres 2015 und am 10. September kommt mit Kill the Messenger dessen nächster Film in die Kinos, aber der Thriller mit Jeremy Renner wird kaum beworben und einen Kartenvorverkauf wegen anzunehmendem Andrang gab es auch nicht. Das darf nicht falsch interpretiert werden, vonwegen der Film, der auf einer wahren Geschichte basiert, sei das schwarze Schaf unter all den Minions, Dinos und schnellen Autos. Ganz im Gegenteil.

Kill the Messenger-4Manche Geschichten sind zu wahr, um erzählt zu werden.

Der Journalist Gary Webb (Renner) arbeitet für ein kleines Blatt in Kalifornien, als er eines Tages einen brisanten Tipp bekommt. Als er diesem nachgeht, kommt er auf die Spur eines gewaltigen Politskandals: der US Geheimdienst macht gemeinsame Sache mit den Drogenkartellen Mittelamerikas, hilft Tonnen von Crack ins Land zu bringen. Mit dem Geld aus dieser unheiligen Allianz werden in Nicaragua  die Contra-Rebellen im Kampf gegen die Regierung unterstützt. Webb schlägt alle Warnungen aus dem Wind und veröffentlicht unter dem Titel Dark Alliance eine Reihe von Artikeln, die hohe Wellen schlagen. Aber es dauert nicht lange, bevor Webb feststellen muss, dass die Drohungen keine leeren waren . . .

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Wer sich an Die Unbestechlichen (1976) oder Die drei Tage des Condor (1975) erinnert fühlt, der liegt nicht verkehrt. Der Film von Regisseur Michael Cuesta (Dexter, Homeland) kommt zwar an die Klassiker nicht ran, aber braucht sich auch nicht zu verstecken. Er ist sehr spannend und Jeremy Renner liefert hier eine seiner besten Rollen ab. Gary Webb wurde, als der Skandal losbrach, gefeiert und verteufelt. Auch heute, nachdem bewiesen ist, dass Webb Recht hatte, gibt es noch Medien in den USA, die so gar nichts heldenhaftes an seiner Arbeit finden. Renner spielt Webb aber gar nicht als den edlen Helden, sondern als Mann mit Fehlern, der nicht wegsehen kann, als er auf eine große Story stößt. Renner gelingt es die innere Zerrissenheit, dieses Wissen, dass es Konsequenzen haben wird, wenn er die Wahrheit findet und öffentlich macht, glaubwürdig zu transportieren. Auch die Darstellungen der anderen Schauspieler (u.a. Oliver Platt, Mary Elizabeth Winstead, Ray Liotta, Robert Patrick), tragen dazu bei, dass man der Story gebannt folgt, selbst wenn man sie schon kennt.

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Kill the Messenger läuft an, während Straight Outta Compton (auch von Universal Pictures) noch im Kino läuft. Auf den ersten Blick könnten die beiden Filme nicht unterschiedlicher sein. Aber nicht nur, dass beide auf wahren Geschichten basieren, sie haben auch eines der grundlegenden Probleme der Zeit gemeinsam: die Crack Schwemme. Wer sich für die Problematik, die schlussendlich eben auch für kulturelle Phänomene wie Reality Rap verantwortlich ist, interessiert, sollte Kill the Messenger definitiv sehen. Aber das ist vielleicht das Problem dieses Filmes, das auch in bitterster Form die wahre Geschichte widerspiegelt: wen interessieren schon so unglamouröse Fakten und Wahrheiten? Ohne für die, die bisher noch nichts von Webb oder der CIA-Nicaragua-Contra Verbindung gehört haben, etwas zu Spoilern, darf man doch sagen, dass als die Beweise auf den Tisch kamen, sie weitaus weniger Beachtung seitens der Medien und Bürger fanden, als das Unvermögen des damaligen Präsidenten Clinton den Hosenlatz  geschlossen zu halten – ganz zu schweigen von Webbs Privatleben, dass zur Diskreditierung seiner Arbeit herangezogen wurde.

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Es ist schade, dass es Cuesta nicht gelang, eine zeitlos geniale Struktur zu finden, in dem er auf einige überflüssige Szenen verzichtet hätte (so ist er auch mit 122min etwas zu lang), und er dadurch die Chance verpasst, die aktuelle Relevanz der Thematik noch eindringlicher ins Bewusstsein zu bringen. Dieser Film ist vermutlich sowieso einer für die ohnehin Bekehrten und Freunde altmodischer Polit-Thriller fernab von Kugelhagel und Verfolgungsjagden – wer lieber den Kardashians auf Instagram folgt, wird wohl kaum seine Hirnzellen hiermit strapazieren wollen, genauso wenig wie die, die Webb immer noch für den bösen Buben  halten.

Fazit

Kill the Messenger ist ein solide gemachter Thriller, der die wahre Geschichte des Enthüllungsjournalisten Gary Webb dank einem exzellenten Jeremy Renner überaus spannend präsentiert. Ein Film für Freunde von old-school Polit-Thrillern à la Robert Redford. Während heute Whistleblower als cool präsentiert werden, ist hier nichts cool, mal abgesehen von Webbs Auto, aber das im besten Sinne. Eine Aversion gegen Mit- und Nachdenken, Verantwortungsbewusstsein und Fakten sollte man beim Kinobesuch definitiv daheim lassen.

FSK: 12

8
Old-School

Pros

  • Starke Performances
  • Stilisiert Webb nicht zum Helden
  • Die Infos am Schluss
  • Der Blick auf die Medien(-verantwortung)

Kontras

  • Struktur nicht ganz optimal
  • Ein paar überflüssige Szenen

Unser Fazit


Handlung
9
Präsentation
7