Review: Super Mario Maker (Wii U)

Mit dem Release von Super Mario Maker für Wii U, feiert Nintendo am 11. September 2015 den 30. Geburtstag des wohl berühmtesten Klempners der Welt. Seit drei Jahrzehnten springt Mario nun durch das Pilzkönigreich, rettet Prinzessinnen und weißt Erzfeind Bowser in seine Schranken. Zwischen dem Release des Originals auf dem NES und heute sind zahllose 2D-Plattformer im Mario Universum erschienen und mit Super Mario Maker verspricht Nintendo nun das ultimative Mario Erlebnis. Erstmalig liegt es in den Händen der Spieler, Level für ihren Lieblingshelden in Rot zu bauen und Fans in aller Welt mit einem endlosen Fluss aus kreativen Sprungpassagen zu versorgen. Ich habe mir Super Mario Maker bereits ausgiebig für euch angeschaut und darf nun verkünden, ob sich das Warten gelohnt hat.

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Werdet zum Leveldesigner – in 10 Minuten!

Super Mario Maker ist ein Mario wie ihr es noch nie gesehen habt und dennoch ist es ein vertrautes Spielerlebnis. Startet ihr das Spiel, so stehen euch zwei Optionen zur Auswahl: Level erstellen oder Level spielen. Der Level Editor ist dabei das Herzstück des Spiels und das Kernelement, durch das sich der Titel von vergangenen Spielen der Reihe unterscheidet. Nintendo stellt dem Spieler dabei insgesamt 60 Level-Bauelemente zur Verfügung, die sich intuitiv per GamePad arrangieren und bearbeiten lassen. Die Auswahl der Bauelemente deckt von herkömmlichen Blöcken, über zahllose Gegnertypen bis hin zu Türen und automatisierten Pfadelementen alles ab.

Die schiere Menge an Möglichkeiten lässt dabei praktisch keine Wünsche offen, auch wenn mir persönlich die Möglichkeit fehlt, Checkpoints in Level zu verbauen. Der Level Editor bietet dem Spieler dennoch ein enormes Maß an Freiheit, sodass Spieler binnen Minuten in der Lage sind, einen spielbaren und vollwertigen Mario Level zu erschaffen. Was Miyamoto und sein Team vor 30 Jahren noch mühselig in wochenlanger Arbeit programmieren mussten, lässt sich in Super Mario Maker binnen weniger Minuten erstellen.

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Mario Alchemie

Besonders spannend wird es, wenn man einzelne Bauteile mit dem Stylus schüttelt oder gar Elemente miteinander kombiniert. Je nach Bauelementen sorgt dies dafür, dass sie ihre Eigenschaften drastisch verändern und eröffnet dem kreativen Levelkünstler ungeahnte Möglichkeiten. So genügt es, ein paar Flügel auf einen Gegner zu ziehen, um diesen mit Flugfähigkeiten auszustatten oder Bomb-Ombs zu schütteln, um sie hochexplosiv zu machen. Ihr wünscht euch einen riesigen Koopa? Zieht einfach einen Superpilz auf ihn und schon wächst er enorm in seiner Größe. Regeln in Super Mario Maker sind nur da, um gebrochen zu werden.

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Abseits der Bauelemente überlässt Super Mario Maker dem Spieler nicht nur die Wahl der Level-Umwelt (Unterwasser, Unterirdisch etc.), sondern außerdem die freie Wahl des Grafikstils. So können Spieler zwischen dem Retro 8bit Look von Super Mario Bros. (NES), Super Mario Bros. 3 (NES) und Super Mario Land (SNES) wählen oder auf den modernen New Super Mario Bros. U (Wii U) Stil setzen. Die Wahl der Grafik betrifft dabei jedoch nicht nur die Optik des Spiels, sondern zeitgleich das Gameplay und die Physik der Level. Während ihr beispielsweise im New Super Mario Bros. U Modus einen Wandsprung durchführen könnt, habt ihr im Super Mario Bros. 3 Modus die Möglichkeit mithilfe eines als Tanooki Mario zu fliegen.

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Mario Kostüm Party

Besonders spannend und verrückt sind die Spezialpilze im “Super Mario Bros.” Modus. Hinter diesen versteckt sich jeweils eines von 100 freischaltbaren Kostümen für euren Lieblingsklempner, die schräger kaum sein könnten. So ist es möglich jeden erhältlichen Amiibo einzuscannen, um ein passendes 8bit Kostüm für Mario zu erhalten. Diese kommen zeitgleich auch mit eigenen Soundeffekten und Animationen her, sodass es beispielsweise möglich ist, einen Level als Wii Fit Trainer zu spielen.

Wer keine Amiibo sammelt, kann auch alle Kostüme mit etwas Arbeit freispielen, ohne dabei einen einzigen Amiibo kaufen zu müssen. Ein fairer Deal. Doch die Kostüme sind dabei nicht nur auf Amiibo beschränkt, ganz im Gegenteil. Ein Großteil der Kostüme muss von allen Spielern durch absolvieren der “100 Mario Challenge” freigeschaltet werden, bei der ihr 100 Leben habt um acht zufällig gewählte Level aus der Community abzuschließen. Die Mühe lohnt sich, denn wer würde nicht gern als Gumba oder Sprungbrett durch einen Mario Level hüpfen? Leider darf ich vor Release des Spiels nicht näher ins Detail gehen, aber lasst euch gesagt sein, dass diese nur die Spitze des Eisbergs bilden.

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Intuitiv, intuitiver, Super Mario Maker

Die Editoren in anderen Spielen kämpfen oft mit überladenen Interfaces und erschlagend viel Optionen, die Einsteiger schnell verwirren und abschreckend wirken können. Super Mario Maker entpuppt sich hingegen als absolutes Paradebeispiel in Puncto Zugänglichkeit. Das Interface auf dem GamePad ist klar strukturiert und bietet schnellen Zugriff auf alle wichtigen Funktionen des Editors. Zu keinem Zeitpunkt hatte ich das Gefühl nicht zu wissen was ich tue oder Probleme mit den Tools, die das Spiel bereitstellt. Einige davon sind sehr hilfreich in der Entwicklungs- & Testphase eines neuen Levels.

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So lässt sich beispielsweise auf Knopfdruck ein Bewegungsablauf des letzten Testlaufs einblenden, sodass ihr genau sehen könnt, welche Elemente wie angepasst werden müssen, damit Mario erfolgreich durch den Level hüpfen kann. Während viele andere Wii U Titel Probleme damit hatten, einen echten Mehrwert aus dem Wii U GamePad zu holen, schafft Super Mario Maker eben genau das und lässt keinen Zweifel daran, dass der Tablet Controller für dieses Spiel wie die Faust auf’s Auge passt. Um die Lernkurve optimal zu halten, hat Nintendo zudem einen Mechanismus eingebaut, der die Bauelemente des Editors erst nach und nach über den Verlauf von mehreren Tagen freischaltet. Dies soll den Spieler dazu bringen sich mit jedem Element auseinander zu setzen, bevor ein neues Toolset dem Arsenal hinzugefügt wird. Wer nicht warten mag, kann sich glücklicherweise eines Tricks bedienen und einfach die Systemzeit etwas manipulieren um alle Bauelemente in kurzer Zeit freizuschalten.

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Wer dennoch einmal den Überblick verlieren sollte, kann einen von 60 vorgefertigten Demo Levels ausprobieren oder im sehr schön gestalteten, digitalen Handbuch nachschlagen. Jedes Exemplar des Spiels kommt außerdem mit einem dicken Artbook (PDF-Download bei eShop Kauf) daher, dass den Spieler inspirieren soll und über die Geschichte der Mario Spiele informiert.

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Teilt eure Kreationen mit der Welt

Abseits des Editors ist es natürlich auch Pflichtprogramm die Level anderer Spieler auszuprobieren und die eigenen Kreationen mit der Welt teilen zu können. Dafür hat Nintendo eine kleine Community ins Leben gerufen, in der ihr Level bewerten, suchen, herunterladen und bearbeiten könnt. Der Ersteller des Levels bekommt dann live Push Nachrichten, sobald ein anderer Spieler seinen Level spielt, einen Kommentar im Miiverse hinterlässt oder ihn mit einem Stern auszeichnet. Die Sterne symbolisieren dabei nicht nur ein Like, sondern ermöglichen den Spielern auch im Rang aufzusteigen. Dies wiederum schaltet mehr Platz für Level in der Community frei, denn Anfangs darf jeder Spieler nur zehn Level gleichzeitig online schalten – eine Anti-Spam Maßnahme. Steigt die Beliebtheit eurer Werke und damit euer Rang, so dürft ihr jedoch stetig mehr Level mit der Community teilen.

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Die Navigation durch die Community funktioniert ziemlich gut und es ist sogar möglich diverse Spieler zu abonnieren, auch wenn ein Aktivitätsfeed der eigenen Freunde noch fehlt. Auch die Suche basiert auf einer Level ID, die jedem Level automatisch zugewiesen wird und mit anderen Spielern geteilt werden kann. Eine echte Suche anhand des Level-Titels wäre sicher weniger effizient, dafür aber auch wirklich praktisch. Wer weiß, vielleicht bekommen wir eine erweiterte Suchfunktion ja mit einem zukünftigen Update nachgeliefert?

Bevor wir uns den technischen Aspekten zuwenden, möchte noch ein paar Worte zur Mario Challenge loswerden, die ich oben bereits kurz angeschnitten hatte. In der “100 Mario Challenge” gilt es acht zufällige Level aus der Online Community mit 100 Leben abzuschließen, um ein neues Kostüm für den Spezialpilz zu erhalten. Diesen Modus gibt es in mehreren Schwierigkeitsgraden, sowie eine verschärfte Variante, die euch lediglich zehn Leben zur Verfügung stellt. Gerade bei besonders schweren Leveln, macht diese Challenge ihrem Namen alle Ehre. Ich persönlich habe mit der Mario Challenge sehr viel Spaß gehabt, da das praktisch unbegrenzte Angebot an Leveln euch immer wieder vor neue Herausforderungen stellt und somit auch nie wirklich langweilig wird.

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Pixel Pracht in Full HD

Grafisch überzeugt Super Mario Maker auf ganzer Linie. So macht die Pixel Optik der alten Spielgrafik einen extrem schicken Eindruck in 1080p und auch die “moderne” 3D Grafiken aus New Super Mario Bros. U machen einen gewohnt guten Eindruck. Das Spiel läuft zudem stets mit stabilen 60 Bildern / Sekunde. Während meinen Tests habe ich keinen einzigen Ruckler bemerkt, selbst wenn ein Level vor Gegnern fast aus allen Nähten platzte.

Auch musikalisch ist Super Mario Maker mehr als gelungen. Der legendäre Videospiel Komponist Koji Kondo (Super Mario, Zelda) hat sich nicht nur neue Stücke für den Editor ausgedacht, sondern kombiniert die durch Interaktionen des Spielers hervorgerufenen Soundeffekte mit der Melodie der Musik. Das Ergebnis sind auto-tune ähnliche Musikstücke, die ihren ganz eigenen Charme besitzen.

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Fazit

Mit Super Mario Maker veröffentlicht Nintendo zum 30. Geburtstag des Klempners ein Mario Spiel der besonderen Art. Der erste offizielle Leveleditor legt dank einem großen Arsenal an Bauelementen, zahllosen Kombinationsmöglichkeiten und einer intuitiven Steuerung ein prachtvolles Debut an den Tag. Ein Fest für kreative Spieler allen Alters, dass dank anpassbarer Spielgrafik das Herz eines Retro Gamers höher schlagen lässt.

Selbst wer nicht so kreativ veranlagt ist, findet in den Leveln anderer Spieler praktisch unbegrenzte Unterhaltung in ihrer vielfältigsten Form. Nie war ein 2D Super Mario zugänglicher und unterhaltsamer. Das Wii U GamePad ist wie gemacht für den Editor und so zeigt der Controller fast drei Jahre nach Release der Konsole erstmalig sein volles Potenzial. Ein Pflichttitel für Wii U Besitzer und jene, die es noch werden möchten.


Super Mario Maker - Artbook Edition - [Wii U] (Nintendo Wii U) Publisher: Nintendo Erscheinungsdatum: 11. September 2015 EUR 39,95 bei Amazon.de (Partnerlink)


9
Super (Mario)

Pros

  • Umfangreicher, spaßiger Leveleditor
  • Intuitive GamePad Steuerung
  • Gute Online Community

Kontras

  • Keine Checkpoints möglich
  • Level Suche noch ausbaufähig

Unser Fazit


Gameplay
9
Präsentation
10
Umfang
8