Review: Everest (3D)

Der höchste Berg der Welt, Mount Everest im Himalaya, ist mit seiner Höhe von 8.848m kein gastlicher Berg, zu lebensfeindlich sind die Umweltbedingungen für Menschen, zu gefährlich der Aufstieg. Was ehrgeizige Bergsteiger allerdings noch nie davon abgehalten hat, sich selbst einzuladen. Die Faszination des Berges ist unbestreitbar, aber auch die Ereignisse um die Bergsteiger, die im Mai 1996 bei der Gipfelbesteigung in einen brutalen Schneesturm gerieten, hielten die Welt in Atem. Am 17. September kommt jetzt EVEREST, u.a. in 3D und IMAX, in die Kinos. Aber kann der isländische Regisseur Baltasar Kormákur dem gewaltigen Ausmaß des Berges und der tragischen Ereignisse gerecht werden?

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Der Berg ruft

Seit seiner Erstbesteigung durch Sir Edmund Hillary und Sherpa Tenzing Norgay im Mai 1953 sind über 40 Jahre vergangen. Der höchste Berg der Welt ist immer noch gefährlich wie eh und je, aber inzwischen gibt es geführte Expeditionen zum Gipfel. Im Mai 1996 befinden sich wieder mehrere Gruppen am Everest, darunter Rob Halls (Jason Clarke) Adventure Consultants und Scott Fischers (Jake Gyllenhaal) Mountain Madness. Über 30 Bergsteiger versuchen am 10. Mai den Aufstieg zum Gipfel. Gestartet bei schönem Wetter, gibt es erste Probleme, als an einer kritischen Stelle die Fixseile nicht angebracht sind, ohne die nicht so erfahrene Bergsteiger nicht weiterkönnen. Wertvolle Zeit verstreicht und bis zur festgesetzten Umkehrzeit haben noch nicht alle den Gipfel erreicht. Dann gibt es plötzlich einen Wetterumschwung.

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Es gibt besondere Filme, bei denen wird einem sehr schnell klar, dass sie nicht ohne Rücksicht auf Verluste, egal ob Wahrheit oder Beteiligte, für einen schnellen Dollar hoppladihopp gedreht wurden. Everest ist so einer. Baltasar Kormákurs Film ist im besten Sinne kein klassischer Katastrophenfilm, sondern das Ergebnis jahrzehntelanger Recherchen, Gesprächen mit den Überlebenden und den Familien der Verstorbenen und auch des technischen Fortschritts, der es erst ermöglichte, solche Bilder einzufangen. Everest ist ungemein bildgewaltig, verzichtet dabei konsequent auf billige 3D Gimmicks, und authentisch – die Kälte dringt förmlich durch die Leinwand. Die Strapazen für die Schauspieler im Gebirge, aber auch im Studio, wo ihnen echter Schnee ins Gesicht geblasen wurde, zahlen sich aus. Auch der Filmtitel ist wahrlich gut gewählt, denn die majestätische Kulisse ist eben nicht nur Kulisse – der Berg ist sein eigener Charakter, einer der völlig unbeeindruckt von den menschlichen Schicksalen bleibt. Wie Anatoli Bukrejew (Ingvar Sigurdsson) so schön sagt: Der Berg hat immer das letzte Wort. Luis Trenker hätte es gefreut.

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Das vielleicht größte Kunststück, dass Everest schafft, sind nicht die spektakulären Bilder, sondern den Zuschauer für 122min in seinem Bann zu halten, obwohl die Geschichte eine bekannte ist. Das liegt zum einen an dem exzellenten Drehbuch, dass gar keinen Hehl daraus macht, dass es sich hier um kommerzielle Expeditionen handelt, also nicht für Ruhm und Ehre, geschweige denn edlen Pioniergeist. Aber, es zeigt Menschen, die aus den verschiedensten Gründen dem Ruf des Berges folgen – und es zeigt auch, wie es die, die auf sie zu Hause (Keira Knightley, Robin Wright) oder im Basislager warten, erleben. Natürlich kann man bei einer solchen Menge an Beteiligten sich in einem Film nur auf wenige konzentrieren und man entschloss sich den Fokus am Berg auf Rob Hall, Scott Fischer, Doug Hansen (John Hawkes) und Beck Weathers (Josh Brolin) zu legen. Der gesamte Cast liefert herausragende Darstellungen, die einem wirklich ans Herz gehen, und besonders Clarke und Gyllenhaal sind exzellent. An dieser Stelle ein wohlgemeinter Tipp: am Anfang des Films wirklich gut aufpassen, denn ansonsten wird man später, wenn der Sturm losbricht, die einzelnen Nebenfiguren nur sehr schwer unterscheiden können und leicht den Überblick verlieren.

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Natürlich wird es wieder Kritik geben, dass Everest keinen der Sherpas mit in den Mittelgrund rückt, bis auf in einer Szene, geschweige denn ihnen viel Zeit widmet. Das kann man natürlich diskutieren, allerdings sollte man das ganz realistisch sehen. Eine größere Berücksichtigung würde es erfordern, dass man auch auf ihre Lebensumstände eingeht – weil sonst das Geschrei auch wieder groß wäre -, was aber den Rahmen des Films sprengen würde. Relevantere Kritikpunkte sind eher, dass es sehr schwierig für die meisten Zuschauer sein wird, den Überblick gegen Ende zu behalten, andererseits gibt das einem auch einen besseren Eindruck, wie es erst für die Bergsteiger selbst sein musste, die im Schneesturm kaum die Hand vor Augen sahen. Zum anderen erfordert gerade der Anfang des Filmes ein qualitativ hochwertiges Kino, denn der typische Verdunklungsnebeneffekt von 3D fällt hier extrem auf und kann mitunter anstrengend sein. Trotzdem, später lohnt sich das 3D wirklich.

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Everest ist ein so gelungener Film, dass sich der Kauf einer Kinokarte auch für die lohnt, die eines der Bücher der Beteiligten, egal ob von Jon Krakauer, Beck Weathers oder Anatoli Bukrejew gelesen haben. Der Film schlägt sich dabei bewusst auf keine Seite und lässt den (unbelesenen) Zuschauer bei ein oder zwei Szenen lieber genauso verwirrt wie die Bergsteiger in der Situation zurück, als zu spekulieren. Apropos gelungen, Kormákur liefert mit der letzten Einstellung vielleicht eine der besten Aufnahmen des Films, die noch lange nachklingt – empfindsame Seelen sollten ein Taschentuch bereit halten.

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Fazit

Everest ist ein bildgewaltiger, ungemein spannender und berührender Film, der das Andenken der verstorbenen Bergsteiger respektvoll in Ehren hält. Kormákur liefert beindruckende Bilder, die ebenso in ihrer Schönheit beeindrucken, wie Furcht einflößen. Dazu liefern die Schauspieler teils herzzerreißende Darstellungen. Ohne mit dem Finger zu zeigen, wird Everest den verschiedenen Augenzeugenberichten gerecht und schafft es die Tragik in ihrem ganzen Ausmaß in Szene zu setzen, ohne sie sensationsgeil auszubeuten. Großes Kino.

FSK: 12

9
Großes Kino

Pros

  • Beeindruckende Bilder
  • Atmosphärisch & packend
  • Tolle Performances

Kontras

  • Wer am Anfang nicht aufpasst, kommt mit Figuren durcheinander
  • 3D macht Anfang sehr dunkel

Unser Fazit


Handlung
9
Präsentation
9