Review: Frank

Die Zeiten, als man unter Indie Filmen lediglich von den großen Studios unabhängig finanzierte Produktionen verstanden hat, sind passé. Wenig sollen sie immer noch kosten, aber die einen erwarten kleine Geschichten mit großen Namen, die anderen hippe Geschichten mit noch hipperem Soundtrack, wiederum andere finden, dass wichtigste ist, dass es dem Mainstream nicht zugänglich sein darf. . . die Liste lässt sich beliebig fortsetzen. Welche Erwartungen erfüllt nun FRANK, der am 27. August in ausgewählten Kinos anläuft?

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Frank (Michael Fassbender) ist der exzentrische Frontmann der experimentellen Rockband Soronprfbs und buchstäblich der Kopf der Band. Denn Frank trägt ständig einen übergroßen Pappmaché-Kopf auf seinen Schultern. Wirklich ständig, nicht mal die Bandmitglieder haben je sein Gesicht gesehen. Als der Keyboarder ausfällt, engagiert Frank spontan Jon (Domhnall Gleeson) als Ersatz. Jon, der davon träumt, als Musiker seinem langweiligen Leben zu entfliehen, lässt sich nicht einmal durch den desaströsen ersten gemeinsamen Auftritt abschrecken. Hochmotiviert zieht er mit der Band in die irischen Wälder, um ein Album aufzunehmen. In der abgelegenen Hütte dämmert ihm allmählich, worauf er sich eingelassen hat, aber so einfach kann sich Jon Franks Faszination nicht entziehen.

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Es wundert wenig, dass FRANK so heftig auf den diversen Festivals und von Indie Musikmagazinen gefeiert wurde. Setzt er doch ein Häkchen an praktisch jedes Kästchen der Erwartungen. Allein schon diese Besetzung: Michael Fassbender (Star aus X-Men, Macbeth), Domhnall Gleeson (Jungstar aus Ex Machina) und Maggie Gyllenhaal (Star der Indie Szene, Secretary) – und dann auch noch alle in Bestform. Fassbender ist ungeheuer charismatisch als Frank, so sehr, dass fast nicht auffällt, dass die Mimik fehlt. Gleichzeitig schafft er zum Publikum dieselbe Distanz, die er auch zu seinen Bandmitglieder hat. Maggie Gyllenhaal ist souverän sperrig, wohingegen Gleeson als Jon sehr zugänglich ist. Man versteht ihn, man mag ihn und man bemitleidet ihn, wenn sich seine Träume erfüllen, aber doch anders als erhofft. Im Grunde ist es auf den ersten Blick die Geschichte eines schrägen Mikrokosmos, aber bei genauerer Betrachtung gibt es viel darin, womit sich ein viel größeres Publikum identifizieren kann. Die Musik ist natürlich auch Indie. Und als wäre das alles schon nicht genug, basiert der Film von Regisseur Lenny Abrahamson lose auf der wahren Geschichte des obskuren britischen Musikers Frank Sidebottom.

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Wie so viele gute Songs, liefert FRANK keine einfachen Lösungen oder Antworten. Genauso schafft er es  einerseits unterhaltend zu sein, manchmal gar witzig, aber ein bisschen runterziehen tut der Film einen auch. Was nicht zuletzt an der starken Darstellung von Gleeson liegt, dessen Jon sich so fest an seinen Traum klammert. Was die Musik von Soronprfbs angeht, so werden sich die Geister scheiden und es darf eifrig diskutiert werden, ob sie ironisch gemeint ist oder vielleicht doch echte Kunst ist. Und überhaupt, reicht es, wenn man Musik macht, die nur einem selbst gefällt? Machen Youtube Klicks Musik erst wertvoll? FRANK stellt viel lieber Fragen.

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Nicht alles an FRANK ist spitze, das letzte Drittel, in dem die Ereignisse eskalieren und besonders das Ende, wird nicht jeder so super finden, aber es ist bei einem solchen Film auch schwierig, die Dinge einfach auslaufen zu lassen. Immerhin hat man die Geschichte nicht zu arg ausgewalzt und in 94min verpackt. Auch bleiben die Nebenfiguren sehr blass. Es lohnt sich aber, diesem kleinen Film mit seinen größeren Schauspielern eine Chance zu geben. FRANK wird allerdings nur in ausgewählten Kinos in größeren Städten gezeigt, die man hier nachsehen kann.

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Fazit

FRANK ist eine Indie Perle, die vielen Freunden des Genres, was auch immer sie darunter verstehen, gefallen wird. Schräg, aber zugänglich, mit einem tollen Fassbender und einem liebenswerten Gleeson. Interessant, faszinierend, witzig und deprimierend. Ideal für ein Publikum, dass auch Musik von Indie Bands hört.

FSK: 12

 

8
Indieperle

Pros

  • Tolle darstellerische Leistungen
  • Interessant & anrührend
  • Originell

Kontras

  • Schwächelt gegen Ende
  • Nebenfiguren etwas blass

Unser Fazit


Handlung
8
Präsentation
8