Review: Fantastic Four

Man traut es sich ja kaum anzukündigen, aber am 13. August kommt mit Fantastic Four die nächste Comicverfilmung in die Kinos. Zwar handelt es sich dabei um Marvels legendäres erstes Superheldenteam und Wegbereiter für so universell beliebte Figuren wie Spider-Man und die X-Men, aber nach zwei Kinofilme von 2005 & 07 sind sie vielen – trotz Chris Evans und Jessica Alba – eher als die Furchtbaren Vier in Erinnerung. Seitdem sind die Ansprüche an Superheldenfilme extrem gestiegen – kann das Reboot mit Miles Teller (Whiplash) diesen entsprechen und den B-Movie Ruf seiner Vorgänger abschütteln?

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Vier gewinnt nicht immer

Reed Richards (Teller) arbeitet schon als Schüler an einem Apparat mit dem man Materie transportieren kann – ähnlich dem “beamen” aus Star Trek. Nur sein Klassenkamerad Ben Grimm (Jamie Bell) glaubt an den hochbegabten Jungen, bis einige Jahre später Dr. Franklin Storm (Reg. E. Cathey) sein Talent erkennt und ihm ein Stipendium für das Baxter Institut in New York gibt. Dort baut Reed zusammen mit anderen hochbegabten Studenten, darunter Storms Kinder Sue (Kate Mara) und Johnny (Michael B. Jordan) unter seiner Leitung eine Maschine, mit der man nicht nur einfache Materie sondern auch Menschen in ein Paralleluniversum und zurück transportieren kann. Als den Studenten klar wird, dass man ihnen nicht erlauben wird, selbst in das Paralleluniversum zu transportieren, beschließen sie nach ein paar Drinks es einfach zu tun. Reed, Johnny, Victor von Doom (Toby Kebbell) und Ben, ohne den Reed nicht gehen wollte, transportieren sich rüber, aber kaum angekommen läuft alles schief. Sie schaffen es zwar zurück, aber keiner ist mehr so wie vorher und ihre neuen Superkräfte scheinen mehr Fluch als Segen. Aber wer außer ihnen kann die Erde vor einer neuen, unbekannten Gefahr schützen?

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Fantastic Fours 98 Minuten Laufzeit sind nicht langweilig, Teller und Bell sind nicht schlecht und einige der Special Effects gut, aber der Film hat eine Menge kleiner Probleme und vor allem ein ganz großes: es kommt zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt. Ant-Man läuft noch im Kino und im direkten Vergleich, ganz zu schweigen zu den überdimensionalen Avengers, wirkt Fantastic Four völlig veraltet und harmlos. Letzteres ist besonders bitter, da Josh Trank (Regie/Drehbuch) und Simon Kinberg (Drehbuch) eine düstere Origins Geschichte mit realistischen Elementen präsentieren wollten. Idee also gut, aber was für eine Ausführung – ein Drehbuch mit Texten, die selbst ein Nobelpreisträger für Physik nicht glaubhaft verkaufen könnte, und einem suboptimalen Handlungsbogen, der erst nicht vom Fleck kommt und dann rumhetzt, stereotype Nebenfiguren, aus denen die Schauspieler nichts, aber auch wirklich nichts rausholen, und apropos Schauspieler: diese Fehlbesetzungen bei den Hauprollen!

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Allein der erste Blick auf Victor von Doom lässt einen erahnen, dass dieser Film doomed (zum scheitern verurteilt) ist. Kebbell sieht aus wie ein erfolgloser Brit-Pop Musiker aus den 90ern, wie er da in seinem Bürostuhl hängt. Dieses Bild aus dem Kopf zu bekommen dauert und dabei hilft es nicht, dass  er statt innerlich zerrissen und unverstanden, nur wie ein beleidigter Bengel rüberkommt, dem man mal eine saftige Ordnungsschelle verpassen möchte. Auch Kate Mara möchte man mal schütteln, da dieser Mimikminimalismus hier ganz einfach fehl am Platz ist. Vielleicht traute sich Trank nicht, ihr eine andere Regieanweisung zu geben oder sie hörte nicht, aber seine Lösung scheinen auffällig viele Close-Ups ihrer – zugegebenermaßen wirklich schönen – Augen gewesen zu sein. Jordans Darstellung leidet darunter, dass er gerade am Anfang brutal stereotype (Autorennen!) Szenen hat und man dann, als er zum Feuermännchen wird, das Interesse an ihm verloren hat. Immerhin schaffen es Teller und Bell, etwas wie Mitgefühl und Interesse im Zuschauer zu wecken.

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Wie anfangs gesagt, Fantastic Four ist nicht langweilig, gerade der Anfang zeigt, dass man hier ursprünglich einen interessanten Ansatz gewählt hat, aber anstatt diesen à la Nolan ohne Rücksicht auf Verluste umzusetzen, knicken die Filmemacher ein, ändern die Tonalität und liefern einen Showdown, der nicht so recht zum Anfang passen will. Auch die Geschichte mit dem Paralleluniversum ist so unausgegoren, dass man am liebsten das Mäntelchen des Schweigens darüber legen möchte. Apropos, haben die Filmemacher denn “Die Unglaublichen” nicht gesehen oder nichts daraus gelernt? Edna Mode wusste, was sie sagte, als sie sagte: “No Capes!” und man muss sich zurückhalten, genau das in Richtung Leinwand zu rufen, wenn sich Dr. Doom eben ein solches umbindet, denn es sieht schrecklich albern aus.

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Fazit

Aller guten, oder in diesem Fall suboptimalen, Dinge sind drei. Auch der dritte Fantastic Four Film kann nicht wirklich überzeugen und ist ein Fall von: wenn er dann mal im Fernsehen läuft. Das ist besonders schade, weil die Grundidee diesmal eine gute war und man mit Teller und Bell zwei gute Schauspieler zur Hand hatte – und Mara, wenn ihre Betriebstemperatur mal über Null gestiegen wäre. Es ist auch nicht so, als würde man nicht unterhalten, aber wenn man gerade erst Marvels Ant-Man gesehen hat, dann ist Fantastic Four einfach nicht fantastisch genug. Vielleicht gibt es ja mit dem Sequel den heißersehnten frischen Start.

 

 

4
Nicht fantastisch

Pros

  • Teller & Bell
  • Beste Umsetzung von Das Ding
  • Kurz & kein 3D

Kontras

  • Fehlbesetzungen
  • Schlechter Handlungsbogen
  • Schlimme Texte

Unser Fazit


Handlung
4
Präsentation
4