Review: Still the Water

Still the Water (OT: Futatsu no Mado) feierte 2014 Weltpremiere bei den Filmfestspielen in Cannes und wurde für den Wettbewerb um die Goldene Palme ausgewählt. Die japanische Regisseurin und Drehbuchautorin Naomi Kawase ist keine Unbekannte an der Côte d’Azur, bereits 1997 gewann sie die Camera d’Or und gehörte auch schon zur Jury. Ist ihr neuer Film, der am 30. Juli im Originalton mit Untertiteln in die Kinos kommt, wirklich nur ein reiner Fall fürs Arthousekino und ein Publikum, dass Unterhaltung als filmische Form für den Pöbel abtut? Schließlich wurde er auch beim Filmfest in München gefeiert.

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Der introvertierte Kaito (Nijirô Murakami) findet eines Nachts eine Leiche am Strand der subtropischen japanischen Insel, auf der er und seine Freundin Kyoko (Jun Yoshinaga) leben. Kaito, der Angst vor dem Meer hat, erzählt ihr aber nicht davon. Die Teenager reden zwar nicht viel miteinander, aber sie geben sich Halt – Kaitos Eltern sind geschieden und Kyokos Mutter, eine Schamanin, liegt im Sterben.

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Naomi Kawase wollte zwei Dinge mit ihrem Film erreichen, zum einen: “Dass die Zeit, die sie [das Publikum] mit dem Film verbringen ihre Seelen bereichert.”, was sehr löblich ist, und die Goldene Palme gewinnen, was verständlich ist. Ihre Ambition erdrückt allerdings wie ein zu eng geschnürtes Korsett die guten Leistungen der Schauspieler und die Schönheit der Natur. Sie rüttelt den Zuschauer direkt mit unnötiger Brutalität (Stichwort: Symbolik einer ausblutenden Ziege) auf, um ihn dann mit künstlich bedeutsamen Dialogen und ebensolcher Stille, sowie genug Symbolik, um mehrere Masterarbeiten damit zu füllen, in einen Tiefschlaf gleichen Zustand zu versetzen. Anstatt mit den Figuren zu fühlen, vermisst man ein etwas leichteres Händchen und fühlt sich müde. Das ist umso bedauerlicher, weil viele von Kawases Bildern voller natürlicher Schönheit und Symbolik sind, die, wenn auch ungleich subtiler, genauso zur Reflektion in ihrem Sinne anregen. Wirklich lobenswert ist aber, dass man sich seitens des Verleihs dazu entschlossen hat, den Film im Originalton zu zeigen – es verleiht dem Film eine besondere und gleichzeitig natürliche Atmosphäre.

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Fazit

Still the Water ist ein Film, der sich selbst so wichtig nimmt, dass er dabei den natürlichen Zauber seiner Bilder erdrückt. Wer das Werk auf sich wirken lassen will, läuft Gefahr, dabei einzuschlafen. Die 120min Laufzeit fühlen sich an wie 240min, denn trotz schöner Bilder ist die aufgesetzte Symbolik zu schwerfällig und die Stille zwischen den bedeutungsschwangeren Textzeilen zu ermüdend. Viel passiert auch nicht. Wer Entertainment allerdings strikt von Kunst & Kultur trennt, wird – wenn er letzteres bevorzugt – den Film aber lieben.

5
Celluloidvalium

Pros

  • Originalton mit Untertitel
  • Schöne Aufnahmen
  • Guter Ton (Wind im Gras etc)

Kontras

  • Zu gewollt
  • Träge
  • Berührt nicht

Unser Fazit


Handlung
5
Präsentation
5