Neue Ausstellung in Frankfurt: Film und Games

Vom 1. Juli bis zum 31. Januar 2016 kann man im Deutschen Filmmuseum in Frankfurt die Ausstellung Film und Games. Ein Wechselspiel besuchen. Es ist nicht nur die weltweit erste Ausstellung, die sich mit den Wechselwirkungen der beiden Medien auseinandersetzt, sondern sie nimmt auch einen Pionierstatus ein, weil sie Games über ihren technischen Status hinaus ins Museum bringt. Dazu noch angepriesen als Ausstellung für jedermann, egal ob Cineast, Gamer oder einfach nur Interessierter, war uns das einen Besuch der Ausstellung vorab, zu dem das Deutsche Filminstitut / Filmmuseum eingeladen hatte, wert.

Quelle: Deutsches Filminstitut / © Uwe Dettmar

Quelle: Deutsches Filminstitut / © Uwe Dettmar

Alte Meister mal anders

Das Film und Games zumindest in Sachen Merchandise (das Spiel zum Film) inzwischen unzertrennbar sind, ist den meisten vermutlich klar. Auch, dass es filmische Adaptionen von Spielen gibt, z.B. Lara Croft: Tomb Raider (2001) mit Angelina Jolie in der Titelrolle oder ganz aktuell Assassin’s Creed, der Ende 2016 in die Kinos kommt und mit Michael Fassbender und Marion Cotillard immerhin mit einer Oscar-Gewinnerin und einem Nominierten besetzt ist. Die Ausstellung geht aber auch der Frage nach, wie sich die beiden Medien in ästhetischer und thematischer Hinsicht beeinflussen. Wie werden die Geschichten erzählt, welchen Einfluss hat der interaktive Aspekt, wie werden Bildwelten geschaffen usw.

Quelle: Deutsches Filminstitut / © Uwe Dettmar

Quelle: Deutsches Filminstitut / © Uwe Dettmar

Für die Ausstellung hat man sich ein besonderes Design ausgedacht: einen dunklen Raum aus Pixel-Quadraten. Das hat, wenn man die Räumlichkeiten betritt, gleich einen enormen WOW-Effekt. Sehr schön auch, dass man zwischen den Exponaten genügend Freiraum gelassen hat. Trotzdem ist so eine durchgehend dunkle Angelegenheit, wenn viele Besucher da sind, nicht jedermanns Sache. Ein normal beleuchteter Raum mit einigen Exponaten zwischendurch wäre vielleicht nicht so wahnsinnig künstlerisch, aber dafür nicht die schlechteste Idee gewesen. Eine wirklich sehr schöne Umsetzung hat man für die Gegenüberstellung von Games und Filmen gefunden, in dem man jeweils zwei gleichgroße (keine Selbstverständlichkeit bei diesem Thema in einem Museum) Bildschirme nebeneinander angebracht hat. So kann man auf rund 20 Projektionen die direkten Vergleiche anstellen und gerade bei den älteren Spielen und Filmen wird das manch einem Besucher ein Schmunzeln entlocken.

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Neben den Projektionen gibt es auch sieben interaktive Stationen, bei denen der Besucher Klassiker der Games Geschichte anspielen kann, darunter Indiana Jones, Lego Star Wars, Tomb Raider, Psychonauts, Bit Trip Beat und FEZ. Das ist natürlich eine feine Sache, weil die Ausstellung so zum einen den interaktiven Charakter von Computerspielen aufnimmt und zum anderen dem Besucher Games Geschichte unmittelbar nahebringt. Schick aussehen tut es auch, wie der Controller auf einem schwarzen Cube vor dem Bildschirm liegt, allerdings fehlte mir – um dem eigenen Anspruch genüge zu tun, dass die Ausstellung auch für Nicht-Gamer zugänglich ist – eine Anleitung zur Handhabung selbiger. Einfach mal nur intuitiv ausprobieren, kann leicht im Frust enden. Vielleicht, das sei fairerweise erwähnt, habe ich ein solches Schild nur übersehen, aber es wäre schon cool, wenn es sowas direkt am Anfang gäbe, damit sich auch ältere Herrschaften begeistert, das neu gelernte direkt anwenden zu können, auf die Controller stürzen. Kids werden das bestimmt tun, allerdings sind einige der Spiele erst ab 12 Jahren freigegeben. Man tut sich vermutlich auch keinen Gefallen, wenn man mit wesentlich jüngeren Kindern in die Ausstellung geht, auch wenn sie als geeignet für die ganze Familie beworben wird. In den dunklen Räumlichkeiten die lieben Kleinen suchen, wenn sie mal wieder rumrennen, die Diskussionen um das Loslassen der Controller, weil auch andere Besucher mal wollen oder einige der Filmausschnitte erklären – es ist vielleicht nicht die optimalste Basis für ein harmonisches Miteinander.

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Ein Highlight der Ausstellung ist ein medienarchäologisches Fundstück: eine ET-Cartridge. Das Spiel gilt als eines der schlechtesten Computerspiele aller Zeiten und es galt lange Zeit als eine Urbane Legende, dass Atari die Berge an unverkauften Cartridges in New Mexiko vergraben hätte – wohin auch sonst mit dem Zeug -, bis ein Hobbyarchäologe fündig wurde. Weiterhin gibt es Entwurfskizzen, eine Hörstation zum Thema Game Soundtrack, Sammlerstücke, z.B. das Gralstagebuch zum Indiana Jones Spiel, und einen Spielautomaten. Ein großer Link steht auch direkt am Eingang. Insgesamt wären ein paar solcher Exponate mehr schön gewesen, denn an mir ging beispielsweise der Bildungsauftrag völlig vorbei, zu vieles wusste ich schon oder war mir schlicht und einfach offensichtlich, so dass ich schnell gelangweilt war und aufhörte, die Informationstafeln bei den Projektionen zu lesen.

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Fazit

Es ist längst an der Zeit, dass Games auch im kulturellen Diskurs ernst genommen werden und es ist schön, dass das Deutsche Filminstitut in Frankfurt hier Pioniergeist zeigt. Man hat sich sichtlich viele Gedanken zur Präsentation und dem Inhalt gemacht und das Ergebnis ist größtenteils geglückt. Sie sieht sehr schick aus, wenn es auch für manchen auf längere Zeit zu dunkel sein könnte. Die Exponate sind schön und auch originell, allerdings hätten es ein paar mehr ruhig sein dürfen, gerade für die, die sich mit der Thematik ein bisschen auskennen und sonst schnell mit der Ausstellung durch sind. Ein bisschen Zeit sollte man aber mitbringen, wenn man alle Spiele mal anspielen, die Hörstation durchhören und alle Projektionen ansehen will.

Infos zu den Eintrittspreisen etc finden sich hier.