Review: Alles steht Kopf

Bei den Amerikanern schon ein großer Erfolg in den Kinos, bei uns noch ein paar Monate von der Leinwand entfernt. Bereits auf dem diesjährigen Cannes Filmfestival konnte Pixars Alles steht Kopf (OT: “Inside Out”) für Begeisterungsstürme sorgen. Ich hatte das große Glück mir die englische Originalfassung bereits gestern ansehen zu dürfen, lange bevor der erste Pixar Film seit 2013 dann endlich am 1. Oktober 2015 bei uns in den Kinos startet.

©2015 Disney•Pixar. All Rights Reserved.

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Die Stimmen in unserem Kopf

Das Hauptquartier im Kopf der elfjährigen Riley aus Minnesota ist der Arbeitsplatz von fünf Emotionen, die Rileys Gefühlwelt kontrollieren: Freude, Angst, Wut, Ekel und Kummer. Unter der Führung der stets optimistischen Freude reagieren die Emotionen permanent auf Geschehnisse in Rileys Leben und sammeln täglich tausende Erinnerungen in Form von leuchtenden Kugeln, die die Farbe der jeweiligen Emotion tragen, mit der Riley sie verbindet. Als Kleinkind kannte Riley fast nur Freude, doch mit zunehmendem Alter nahm der Anteil der anderen Emotionen immer weiter zu.

Als Rileys Familie eines Tages von der ländlichen Gegend Minnesotas nach San Francisco zieht, sind die Emotionen gefragt, Riley durch die bislang schwerste Zeit ihres Lebens zu helfen. Durch ein schreckliches Missgeschick verschwinden Freude und Kummer zusammen mit den Kernerinnerungen in den Tiefen von Rileys Gedächtnis und es liegt an Ekel, Angst und Wut, das Chaos in Rileys neuem Großstadtleben in den Griff zu bekommen. Für Freude und Kummer beginnt ein Abenteuer durch unbekannte Regionen von Rileys Kopf, dass sie zwingt über den eigenen Gefühlsrand hinauszuwachsen, wenn sie Riley wieder in die korrekte Bahn lenken wollen.

©2015 Disney•Pixar. All Rights Reserved.

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Nachdem Pixar einige Jahre mit einer Blockade in dem sonst so unaufhaltsamen Fluss der Kreativität zu kämpfen hatte, spült das Studio nun mit Inside Out alle Zweifel davon und liefert seinen bis dato einfallsreichsten Film ab. Unter der Führung von Pete Docter (Oben, Monster AG) gelingt es der kalifornischen Animationsschmiede das ambitionierte Konzept des Films mit einer unglaublichen Menge an Kreativität zum Leben zu erwecken. Die detailverliebte Visualisierung der einzelnen Hirnabschnitte sorgte bei mir für ununterbrochenes Staunen, denn selten wurden schwierige Konzepte wie das Langzeitgedächtnis und abstraktes Denken so brillant umgesetzt. Tatsächlich bringt das Studio dem Zuschauer auf dieser Gefühlsreise die Funktionsweise unseres Kopfes etwas näher, ohne dabei seinen Unterhaltungswert oder die Handlung aus den Augen zu verlieren. Zwischen tiefgründigen Charaktersequenzen finden sich stets extrem humorvolle Szenen, denn trotz seiner Ambitionen unterhält Inside Out mit einem steten Fluss aus cleveren Wortspielen, überraschenden Ideen, erfreulich wenig Slapstick und liebevoll inszenierten Charakteren.

©2015 Disney•Pixar. All Rights Reserved.

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Dabei sind die einzelnen Emotionen erfreulich vielschichtig portraitiert und gerade Kummer und Freude finden auf ihrer Reise durch Rileys Kopf sehr viel über ihre eigenen Aufgaben in Rileys Leben heraus. Auch wenn Riley praktisch noch ein Kind ist, kann sich wohl jeder mit ihren Problemen in gewisser Weise identifizieren und so spielen die Emotionen nicht nur mit Rileys Gefühlen, sondern auch mit den unseren. Die Message des Films ist ziemlich harter Stoff und während Kinder den Film für seine bunte Welt und erstklassigen Humor feiern werden, dürfte die Geschichte von Inside Out bei nicht wenigen Erwachsenen ordentlich auf die Tränendrüse drücken. Es ist dieser Ansatz und die schiere Kreativität des Films, die Inside Out zum wohl bisher ansprechendsten Film Pixars für ein erwachsenes Publikum machen.

©2015 Disney•Pixar. All Rights Reserved.

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Die Animationen sind, wie man es von Pixar gewohnt ist, exzellent. Man spürt die unterschiedlichen Persönlichkeiten der Emotionen nicht nur in ihrer visuellen Darstellung, sondern auch in ihren Bewegungen und eigenen Emotionen. Auch wenn es wirklich schwierig ist, einen Lieblingscharakter bei diesem tollen Team zu wählen, würde meine Wahl vermutlich auf die – wortwörtlich – strahlende Freude fallen. Der Charakter erhält nicht nur den größten Fokus der Story, sondern bezaubert durchgehend mit ununterbrochenem Charme. Ich hoffe innig, dass die deutschen Synchronsprecher auch nur halb so viel Energie und Persönlichkeit in die Charaktere stecken, wie es im englischen Original der Fall ist.

©2015 Disney•Pixar. All Rights Reserved.

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Fazit

Mit Alles steht Kopf schnellt Pixar erneut an die Spitze der modernen Animationskunst und bezaubert den Zuschauer mit einem unglaublich kreativen Film, der in seinem Ideenreichtum und der Visualisierung seines gleichen sucht. Eine Achterbahnfahrt der Gefühle mit ausreichend Substanz für erwachsene Zuschauer, die zeitgleich durch ihren hervorragenden Humor auch für jüngere Zuschauer ein Fest ist. Alles steht Kopf ist ein sehr ambitionierter Film für die ganze Familie und ein weiteres Meisterwerk aus dem Hause Pixar, dass leider viel zu lange auf sich warten lies. Markiert euch den 1. Oktober dick im Kalender, denn ab dann spielen die Emotionen auch hierzulande verrückt.

10
Meisterwerk

Pros

  • Unglaublich kreativ
  • Wundervolle Charaktere
  • Bewegende Handlung

Kontras

  • Nichts ... !

Unser Fazit


Handlung
10
Präsentation
10