Review: Code Name S.T.E.A.M. (3DS)

Am heutigen Freitag erscheint mit Code Name S.T.E.A.M. eine brandneue Nintendo IP für den Nintendo 3DS. Entwickelt von Intelligent Systems, den Köpfen hinter Fire Emblem und Advance Wars, verspricht der Titel einen neuen Twist für das Strategie Genre, dass der Entwickler über die letzten Jahrzehnte perfektioniert hat. Ich hatte bereits die Chance den Titel ausgiebig zu spielen und darf euch nun verraten, ob der Schritt aus der Nintendo Komfortzone eine gute Idee war.

In Code Name S.T.E.A.M. übernehmt ihr die Rolle einer elitären Agenteneinheit, unter der Führung von Präsident Abraham Lincoln, deren Aufgabe es ist, die Erde vor einfallenden Alienhorden zu retten. Das Spiel ist in der viktorianischen Zeit angesiedelt und präsentiert sich dem Spieler im Comic-Steampunk Look. Der Hauptmodus des Spiels ist dabei der Storymode, welcher mit rund 30 Stunden gut zu Buche schlägt. Möchte man alles im Spiel sammeln, so verdoppelt sich diese Zeit noch einmal. Die Story selbst ist nicht besonders tiefgründig oder fesselnd, unterhält aber mit netten Comic-style Cutscenes und amüsanten Charakteren. Wer hätte gedacht das Tom Sawyer und Abraham Lincoln einmal gemeinsam in den Kampf gegen Außerirdische ziehen?

3ds-code-name-steam-logo

Dampfend anders

Das Spielprinzip wirkt auf den ersten Blick wie ein Fire Emblem mit Third-Person Ansicht und Shooter Elementen, doch spielt sich der Titel komplett anders als die bisherigen Strategie Spiele des Entwicklers. Das beginnt schon mit dem Verzicht auf eine Übersichtskarte, sodass der Spieler in S.T.E.A.M. quasi im Dunklen tappt, bis er einen Gegner erspäht. Dabei könnt ihr eure Spielcharaktere frei über das Spielfeld bewegen, bis der Figur der “Dampf” ausgeht. Diesen benötigt ihr in S.T.E.A.M. für alle eure Aktionen, einschließlich Fortbewegung und Angriffe. Auch das Kampfsystem hat praktisch nichts mit Fire Emblem gemeinsam.

Eure Angriffe fügen sich nahtlos in die Fortbewegungsphase ein und erfordern präzise Schüsse des Spielers, anstatt auf Eigenschafts-Mathematik a la Fire Emblem zu setzen. Leuchtende Schwachstellen an den Gegnern fügen diesen z.B. besonders viel Schaden zu. Dabei müsst ihr euch jedoch nicht wie bei einem echten Shooter um die Geschwindigkeit eurer Aktionen sorgen, denn diese sind aufgeteilt in eine Spieler und eine Gegner Phase. Vielmehr gilt es bei Code Name S.T.E.A.M. stets seine Deckung zu halten. Umzingeln feindlichen Kräfte eure Helden, segnen diese meist sehr schnell das Zeitliche und eure Mission ist gelaufen. Ziel der Missionen ist es meistens eine bestimmte Position zu erreichen oder Überlebende vor den Aliens zu schützen. Dabei könnt ihr euch sogar in Artillerie-Geschütze schwingen und macht einen gelegentlichen Ausflug mit Lincolns riesigem Mecha Anzug.

 

Insgesamt 16 Agenten stehen euch im Kampf gegen die Aliens zur Verfügung. Diese schaltet ihr, mit Ausnahme der vier Amiibo Kämpfer, nach und nach im Story-Modus frei und erschließt euch damit neue, strategische Möglichkeiten. Jeder der Agenten hat eine einzigartige Spezialattacke, die er einmal pro Mission einsetzen kann und unterschiedliche Eigenschaften was Dampfvorrat und Regeneration angeht. Sammelt ihr während des Spiels fleißig Münzen und versteckte Zahnräder, so schaltet ihr außerdem regelmäßig neue Waffen und Kessel frei, mit denen ihr dann beliebige Charaktere ausrüsten könnt. Im Gegensatz zu Fire Emblem macht es dabei keinen Unterschied, wie oft ihr einen Agenten spielt – auf ein Levelsystem wurde verzichtet. Besitzt ihr Fire Emblem Amiibos aus der Super Smash Bros. Reihe, so könnt ihr diese mit eurem New 3DS System scannen und schaltet den entsprechenden Charakters als Agent frei. Lucina, Robin, Ike und Marth unterscheiden sich dabei deutlich von den offiziellen S.T.E.A.M. Agenten, denn sie kämpfen mit ihren Waffen aus Fire Emblem. Ja, sie bringen tatsächlich Schwerter zu einer Schießerei!

Frisch, fies und zäh

Im Großen und Ganzen spielt sich Code Name S.T.E.A.M. überraschend frisch und interessant, kämpft jedoch noch mit den Kinderkrankheiten einer brandneuen Spielereihe. So wird vielen Fire Emblem Veteranen oftmals der Durchblick fehlen und die strategische Komponente zu klein sein. Diese Änderungen waren notwenig, um das Spiel genug von anderen Intelligent Systems Titeln zu differenzieren, aber sie sind noch nicht perfektioniert. So war beim US-Launch ein großer Mangel des Spiels die fehlende Möglichkeit, den gegnerischen Zug zu beschleunigen. Spieler mussten sich stattdessen die feindlichen Züge in Echtzeit ansehen, was ziemlich schnell öde wird und nur wenig Nutzen für den Spieler hat.

Mit dem kostenlosen Patch auf Version 1.1.0 lassen sich die gegnerischen Züge nun beschleunigen. Auf den alten 3DS Modellen lässt sich die Geschwindigkeit mit einem Schalter auf dem Touchscreen verdoppeln, auf dem New 3DS dank leistungsstarker Hardware sogar verdreifachen. Dies macht den Spielfluss gerade bei langen Sessions wesentlich angenehmer. Mich persönlich stört jedoch auch die Unvorhersehbarkeit und fiese Gestaltung mancher Missionen, die selbst erfahrene Spieler durch viele Überraschungsangriffe und endlose Gegnerhorden oftmals ziemlich frusten können.

Steampunk und Metal

Besonders gut gefallen hat mir der Cel-Shading Look des Spiels, welcher gerade mit aktiviertem 3D-Effekt einen tollen Eindruck macht. Für ein brandneues Franchise fühlt sich die Welt von S.T.E.A.M. bereits ziemlich lebendig an. Als Anhänger der härteren Musik, war ich auch vom Soundtrack des Spiels sehr positiv überrascht. Komponist Yoshito Sekigawa (Advance Wars) mischt hier satte Heavy Metal Tracks mit orchestralen Stücken und elektronischen Klängen. Eine Anfangs sehr bizarre Kombo, die jedoch sehr gut zur markanten Stimmung des Spiels beiträgt und einfach rockt.

Neben dem Story-Modus, steht euch außerdem noch der Versus Mode zur Verfügung, bei dem ihr lokal oder online gegen andere Spieler antretet. Unterschiedliche Regel-Sets wie z.B. das klassische Deathmatch setzen die Agenten in den Kampf gegeneinander, mit auf je 60 Sekunden beschränkten Zügen. Sogar die Mecha Prügel Mission lässt sich hier gegen einen anderen Spieler zocken. Den lokalen Modus konnte ich leider noch nicht ausprobieren, doch zumindest online lief alles ohne Probleme.

Fazit

Code Name S.T.E.A.M. ist ein unterhaltsamer Debut-Titel, der ein Franchise mit großem Potenzial andeutet. Leider stecken noch ein paar Kinderkrankheiten im Gameplay und auch die Missionen sind gelegentlich einen Tick zu fies geraten. Ich hatte jedoch eine Menge Spaß mit dem frischen Spielprinzip, welches mit Fire Emblem wirklich nur noch wenig gemeinsam hat. Oben drauf kommt noch ein cooles Setting mit schicker Cel-Shading Comic Grafik und fetzigem Soundtrack. Einen Daumen hoch gibt es in jedem Fall.


Code Name: S.T.E.A.M. (Nintendo 3DS) Publisher: Nintendo of Europe GmbH Erscheinungsdatum: 15. May 2015 EUR 6,99 bei Amazon.de (Partnerlink)


7.7
Erfrischend

Pros

  • Frisches Gameplay
  • Cooler Comic-Steampunk Look
  • Reichlich Missionen

Kontras

  • Zeitweise fehlender Durchblick
  • Fiese Missionen
  • Story ohne Tiefe

Unser Fazit


Gameplay
7
Präsentation
9
Umfang & Story
7