Review: Ex Machina

Manchmal kommt ein Film genau zum richtigen Zeitpunkt ins Kino. Ex Machina, der am 23. April anläuft, ist so einer. Er basiert auf dem Turing Test, der dank des Erfolges von The Imitation Game Anfang des Jahres den meisten ein Begriff ist. Dazu kommt, dass die beiden männlichen Hauptdarsteller, Domhnall Gleeson und Oscar Isaacs, im neuen Star Wars Film mitspielen und das Interesse dementsprechend hoch ist. Es ist auch nicht verkehrt, dass noch keine sommerlichen Temperaturen herrschen, bei denen das Gehirn sich jeglicher geistigen Anstrengung fernab des Blockbusterkinos umbegeistert zeigt. Ein Film also für Star Wars Fans mit Hirn, die The Imitation Game gesehen haben? Oder doch für wen ganz anders?

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Die Geschichte klingt trügerisch einfach. IT-Mitarbeiter Caleb (Gleeson) gewinnt bei der firmeninternen Lotterie eine Woche auf dem abgeschiedenen Anwesen seines exzentrischen, aber genialen Chefs Nathan (Isaac). Dort angekommen, stellt ihn Nathan direkt vor die Wahl: er kann entweder eine Woche mit ihm grillen und chillen, oder er kann an einem unglaublichen Experiment teilnehmen. Nathan hat eine künstliche Intelligenz erschaffen, die Caleb nach dem Prinzip des Turing Tests testen soll. Nachdem Caleb eine rigorose Vertraulichkeitsvereinbarung unterschrieben hat, beginnt eine Woche, die mit jedem Tag verstörender wird.

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Wer die Arbeiten des Engländers Alex Garland, darunter der Roman Der Strand und das Drehbuch zu Dredd und 28 Days Later, kennt, der weiß, der Mann ist keine Garantie für ein Feelgood Movie. Ex Machina, sein Debüt als Regisseur, ist da keine Ausnahme. Eine unheilschwangere Stimmung durchzieht die 108 Minuten Laufzeit. Die Bilder sind merkwürdig steril und oft unangenehm klaustrophobisch. Caleb ist ein netter Typ und der Kontrast zu Nathan ist krass. Dieser ist rüde, skrupellos und angesichts spontaner Stimmungswechsel oder schräger Tanzeinlagen, liegt die Vermutung nahe, dass seine Genialität in Wahnsinn umschlägt. Es scheint Garland zu gefallen, Charaktere auf engstem Raum extremen Situationen auszusetzen. Vielleicht, weil es so keine Ausflüchte gibt und man sich mit der (unangenehmen) Wahrheit auseinandersetzen muss. Was aber ist hier die Wahrheit? Ist es nur die Antwort auf die Frage, wann künstliche Intelligenz nicht mehr vom Menschen zu unterscheiden ist? Oder ist es die Antwort auf die Frage, welches die entscheidende menschliche Eigenschaft ist, die uns von Maschinen trennt: ist es die Fähigkeit zu lieben, Mitgefühl zu zeigen oder doch der unbedingte Überlebenswille?

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Ex Machina hätte sehr leicht ein sehr alberner Film werden können, aber Alicia Vikander, Gleeson und Isaac bringen das nötige Fingerspitzengefühl mit. Wenn Isaac ausrastet, dann lacht man nur in den Fällen, in denen man das auch soll, und Gleeson möchte man am liebsten beschützend den Heli schicken, der ihn sofort wieder ausfliegen soll. Die schwierigste Aufgabe hatte allerdings Vikander, deren VFX unterstütze Darstellung von Ava, der künstlichen Intelligenz, zum einen enorme Körperbeherrschung und zum anderen eine präsize Mimik für die vielen Close-Ups erforderte. Vikander spielt Ava mit Bravour, irgendwo zwischen Roboter und Mensch. Sie und Gleeson haben zudem eine enorme Chemie, die aber ganz im Tenor des Films sich eher beunruhigend als romantisch anfühlt.

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Fazit

Ex Machina ist elegant gefilmtes, beunruhigend steriles SciFi fürs Gehirn. Thematik und Erzähltempo sind kompromisslos auf ein erwachsenes Publikum zugeschnitten, das eher cerebrale Unterhaltung statt Action sucht. Alicia Vikanders Darstellung lässt Ava nicht wie einen Special Effekt erscheinen und ist auf eine stille Art spektakulär. Gleeson und Isaac überzeugen ebenfalls auf voller Linie, und lassen einen hinsichtlich Star Wars optimistisch sein. Optimismus sollte man hier allerdings nicht suchen, so eine Sorte Film ist es nicht. Erwähnen sollte man noch, dass Ex Machina ein ungewohnt stiller Film ist – man wird jedes Popcorn krachen hören!

8
Cerebrales SciFi

Pros

  • Super Schauspieler
  • Sehr gute VFX
  • Elegante Bilder

Kontras

  • Erzähltempo nicht für jedermann
  • Sehr "leise" - man wird jedes Popcorn krachen hören
  • Nicht Laune hebend

Unser Fazit


Handlung
7
Präsentation
9