Review: Marvel’s Agent Carter, Season 1

Marvel kann nicht nur Superhelden, das bewies jetzt eindrucksvoll die achtteilige erste Staffel von Marvel’s Agent Carter. Zwar hatte Marvel bereits im Herbst 2013 mit Agents of S.H.I.E.L.D. eine Serie ins Fernsehen gebracht, in der die Protagonisten ohne Superkräfte auskommen müssen, allerdings dauerte es einige Zeit, bevor die Serie überzeugen konnte. Agent Carter, mit Hayley Atwell in der Titelrolle, hingegen machte alles von der ersten Minute an richtig und wurde dafür auch von den Kritikern begeistert gefeiert.

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“For God’s sake, will you please stop shooting things?”

Peggy Carter ist keine Unbekannte im Marvel Cinematic Universe. Die meisten werden sie aus den beiden Captain America Filmen kennen. Entsprechend spielt Agent Carter in der zweiten Hälfte der 40er Jahre nach dem Ende des zweiten Weltkriegs. Sie arbeitet für die geheime Organisation SSR (Strategic Scientific Reserve) in New York. Aber mit dem Kriegsende haben sich die Zeiten für Frauen im Berufsleben geändert und Peggy findet sich plötzlich in der Situation wieder Kaffee kochen zu müssen. Als Unbekannte brisante Erfindungen von Howard Stark (Dominic Cooper) stehlen, er aber als Landesverräter verdächtigt wird sie verkauft zu haben, bittet er sie ihm zu helfen. Zusammen mit seinem Butler Edwin Jarvis (James D’Arcy) macht sich Peggy hinter dem Rücken ihrer Kollegen auf, den Fall zu lösen.

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Die Serie, dessen erste Folge am 6. Januar 2015 vom amerikanischen TV Sender ABC ausgestrahlt wurde, war von Anfang an auf acht Folgen konzipiert und sollte eine in sich abgeschlossene Geschichte erzählen. Eine gute Entscheidung, denn so war man zum einen quasi gezwungen beim erzählen der Geschichte fokussiert zu bleiben und man musste sich vorher Gedanken darüber machen, wie man diese präsentieren wollte und konnte nicht, wie bei Agents of S.H.I.E.L.D. sich damit Zeit lassen seinen Groove zu finden. Das Ergebnis kann sich auf jeden Fall sehen lassen. Es ist eine spannende, komplexe und temporeich erzählte Geschichte, die zudem auch noch spektakulär gut aussieht. Agent Carter ist eine glamouröse Mischung aus Comic und Film Noir. Gerade die Kostümdesigner haben sich wirklich übertroffen. All das würde natürlich nur halb so gut wirken, wären die Schauspieler nicht so ideal besetzt, ganz besonders Hayley Atwell und James D’Arcy. Die beiden Schauspieler haben eine wunderbare Chemie und ihre gemeinsamen Szenen erinnern oft an die großen Screwball Komödien. Dominic Cooper ist großartig als Howard Stark, aber auch Shea Whigham, Chad Michael Murray und Enver Gjokaj überzeugen in ihren Rollen als Chef und Kollegen bei der SSR.

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Ein Thema, dass bei Agent Carter allgegenwärtig ist, ist der Sexismus, dem Frauen zu der Zeit ausgesetzt waren. Hier zeigte man sich seitens Marvels als extrem konsequent, egal ob es Einblicke in das Berufsleben oder die Wohnungssituation für ledige Frauen sind. Besonders grausam sind die Momente, in denen ein Hörspiel im Radio läuft, in dem es um Captain America geht. Peggys Darstellung darin lässt einen aus heutiger Sicht erschaudern. Apropos Frauen, zwei weitere interessante Charaktere werden von Lyndsy Fonseca (Peggys beste Freundin) und Bridget Regan gespielt. Regan ist wunderbar eiskalt und gefährlich hinter ihrer naiv ländlichen Fassade als Dottie Underwood, deren Hintergrundgeschichte hier nicht gespoilert werden soll.

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Einige (wenige) Kritiker fanden, dass die Story zu vollgestopft und unsinnig sei. Das in diesen acht Folgen ziemlich viel passiert, stimmt. Es ist ein bisschen wie eine Schnitzeljagd, kaum hat Peggy einen Anhaltspunkt gefunden, taucht das nächste Rätsel auf. Aber das, sowie auch die etwas bizarreren Aspekte der Geschichte, präsentiert Agent Carter mit einer Prise Humor, hier ein Beispiel einer Unterhaltung von Peggy und Jarvis:

“So, I’ve got two foreign agents with no voice boxes fighting over a milk truck full of experimental implosives.” – “Just another day at the office.”

Ein größeres Ärgernis ist aktuell eher, dass Marvel’s Agent Carter nur im amerikanischen iTunes/Amazon Instant Video verfügbar ist. SyFy Deutschland kündigte aber am 2. März auf seiner Homepage an, dass man Agent Carter ausstrahlen wird. Der Sendetermin steht allerdings noch aus.

agent carter_13Fazit

Marvel’s Agent Carter ist eine gelungene Mischung aus Comic-Buch-Stil und Film Noir, mit einer ordentlichen Portion Nostalgie, Spannung, Witz und vor allem Klasse. Kostüm- und Setdesign sind dazu eine wahre Augenfreude. Hayley Atwell ist herausragend als Peggy Carter, einer erfreulich starken und intelligenten weiblichenFigur. Die gemeinsamen Szenen mit James D’Arcy und Dominic Cooper gehören zudem zu den unterhaltsamsten Momenten der Serie. Die mit nur acht Folgen kompakte erste Staffel lädt geradezu ein, sie am Stück oder zumindest an einem Wochenende zu sehen.

 

9
Klasse

Pros

  • Tolle Schauspieler
  • Witzig & spannend
  • Glamouröses Zeitkolorit
  • Sehr Film Noir

Kontras

  • Aktuell nur in den USA verfügbar
  • Bisschen viele Twists

Unser Fazit


Handlung
8
Präsentation
10