Review: 12 Monkeys Season 1

1995 kam der Sci-Fi Klassiker 12 Monkeys von Terry Gilliam mit Brad Pitt und Bruce Willis in die Kinos. Zwanzig Jahre später brachte US-Fernsehsender SyFy 12 Monkeys am 16. Januar 2015 als Serie ins US-Fernsehen. Bisher sind 7 der 13 Folgen der ersten Staffel ausgestrahlt worden und sie sind so gut, dass es uns einen Review schon nach der Halbzeit wert ist.

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Alle, die sie treffen, sind schon tot!

12 Monkeys, die Serie, basiert zwar auf 12 Monkeys, dem Film, aber Serienschöpfer Terry Matalas und Travis Fickett (Nikita, Terra Nova) entschlossen sich das Material neu zu interpretieren anstatt den Film einfach 1:1 als Serie umzusetzen. Angesichts des Medienwechsels eine legitime Entscheidung, zumal man nach 20 Jahren auch ein Publikum anspricht, dass nicht zwangsweise vorbelastet ist.

2043 sind über 90% der Weltbevölkerung von einem Virus ausgerottet worden und die Zivilisation, wie wir sie kennen, ist völlig zusammengebrochen. James Cole (Aaron Stanford) wird von der Physikerin Jones (Barbara Sukowa) in einer Zeitmaschine in das Jahr 2013 zurück geschickt, um den Schöpfer des Virus, Leland Frost, zu töten. Cole entführt die brillante Virologin Dr. Cassandra Railly (Amanda Schull), um an Frost zu kommen – aber der Name sagt ihr nichts. Bevor Cole wieder in das Jahr 2043 splintert (die Sprünge zwischen der Zeit, die Cole nicht selbst kontrollieren kann), kann er ihr noch sagen, dass er in 2 Jahren zurückkommen wird. Niemand glaubt Cassandra und sowohl ihr Ruf als auch ihr Privatleben leiden unter dem Vorfall, trotzdem hilft sie Cole, als er 2015 wieder auftaucht. Schnell kristallisiert sich heraus, dass es nicht reicht, den Schöpfer des Virus zu töten, denn da gibt es noch die mysteriöse Army of 12 Monkeys, die alles daransetzt das Virus freizulassen.

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Zeitreise ist kein unproblematisches Thema, gerade Kritiker des Sci-Fi Genres sind gern schnell dabei auf Logiklöcher hinzuweisen und in einem Atemzug das Ganze als unsinnig hinzustellen. Auch Fans des Genres haben einen gewissen Anspruch und wollen sich nicht mit irgendeinem fantastischen, aber völlig unsinnigen Schmu abspeisen lassen. Die Story muss schon in sich selbst Sinn machen und genau das stimmt hier. Das man Geschichte zum Wohl der Menschheit ungeschehen machen möchte, ist als Motivation für eine Zeitreise für die meisten nachvollziehbar. Wer sich nicht daran stört, dass es in der postapokalyptischen Welt eine Zeitmaschine gibt, dem wird eine konsequent dystopische Science Fiction Geschichte serviert, die ein gewisses Minimum an mitdenken erfordert. Auf der Homepage von SyFy gibt es übrigens eine hilfreiche Timemap, falls man mal den Überblick über Coles Zeitsprünge verliert.

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Aaron Stanford (Pyro aus X-Men) mag zwar schmalerer Statur als Bruce Willis sein, aber er ist ein ausgesprochen guter Schauspieler und hier perfekt besetzt. 2043 ist er ein sogenannter Scav (von “scavenger” – Plünderer, Aasfresser), einer der tut was er muss, um zu überleben. Er aber hat sich noch ein Gewissen bewahrt. Das quält ihn allerdings und er sieht in der Mission eine Chance neben 7 Milliarden Menschen auch seine Seele zu retten. Dafür ist er bereit alles zu tun und so erlebt man ihn anfangs als extrem auf die Mission fokussierten Mann. Aber Cassie, die als Ärztin den Eid des Hippokrates geleistet hat, kann ihm nicht einfach so helfen jemanden zu töten. In Amanda Schull fand man eine Schauspielerin, die nicht nur bildhübsch ist, sondern vor allem glaubhaft intelligent rüberkommt. Cole und Cassie verändern sich gegenseitig und das zeigen Stanford und Schull wunderbar in vielen kleinen Gesten. Auch in den Nebenrollen gab man sich viel Mühe bei der Besetzung, was sich enorm auszahlt. Als Cassies Ex-Freund Aaron Marker, einem hohen Stabsmitarbeiter eines Senators, wurde Noah Bean gecastet, der bereits zusammen mit Stanford in der Fernsehserie Nikita mitgespielt hatte, und  Kirk Acevedo, Coles bester Freund im Jahr 2043, ist bekannt aus Fringe und Planet der Affen: Revolution. Das man Barbara Sukowa, die 2013 für ihre Titelrolle in Hannah Arendt international gelobt wurde, als Katarina Jones besetzte, erwies sich als gute Entscheidung in Sachen Glaubwürdigkeit, denn sie bringt einen starken Akzent mit – und zwar einen echten und keinen, wie so oft in US-Produktionen, gespielten. Natürlich darf man mit einem Augenrollen die Tatsache quittieren, dass die kompromisslose Wissenschaftlerin – bereit Experimente an Menschen auszuführen – wieder einmal aus Deutschland stammt. Sukowas Jones, geborene Werner, ist unnahbar, unhöflich, ungepflegt und raucht Kette, aber sie lässt durchscheinen, dass das Erleben und Überleben der Plage sie geprägt hat.

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Natürlich ist 12 Monkeys nicht perfekt, aber bisher sind es eher überflüssige kleine Dinge, die ärgerlich auffallen, wie z.B. als Cole ein Smartphone stiehlt und es natürlich praktischerweise keinen Sperrbildschirm hat. Manche offene Fragen, z.B. hinsichtlich der Energiequelle für die Zeitmaschine, werden vielleicht ja auch noch in den restlichen Folgen der Staffel geklärt. Das Tempo in den ca. 45min langen Folgen ist extrem hoch, dass nicht alles (sofort) erklärt werden kann und man manche Dinge einfach mal so hinnehmen muss. Die meisten Figuren sind interessant gezeichnet, daher fällt es extrem auf, wenn eine ausgesprochen cliché ist, so wie der Anführer der West 7, einer Scavenger Gang. Angenehm fällt aber auf, dass der Humor sparsam und sehr trocken eingesetzt wird.

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12 Monkeys kann man hierzulande u.a. bei Amazon Instant Video (Partnerlink) runterladen, was allerdings kostenpflichtig ist und man muss außerdem des Englischen mächtig sein. Wann eine synchronisierte Fassung verfügbar sein wird bzw ob/wann es im deutschen Fernsehen ausgestrahlt wird, steht noch nicht fest. Trailer sind u.a. auf der Facebook Seite der Serie verfügbar und liefern einen ersten Eindruck. Zudem reicht die Pilotfolge durchaus, um entscheiden zu können, ob einem die Serie gefällt oder nicht, da sie exzellent die Geschichte einleitet, die Stimmung setzt, keine Zeit vertrödelt und direkt mächtig an der Spannungsschraube dreht.

Fazit

Endlich wieder richtig spannende, gut gemachte Science Fiction, bei der es nicht nur um schicke Schauwerte geht! Die Geschichte ist eine interessante Mischung aus zeitlosen (Plagen) und aktuellen (Whistleblower) Elementen, mit einer Portion postapokalyptischer Dystopie und Gewissensfragen. Das Erzähltempo ist extrem hoch und bietet einige Überraschungen. In Stanford und Schull hat man dazu eine optimale Besetzung gefunden. Außerdem ist die Serie enorm spannend, so dass die Gefahr besteht, dass man sich – wie in meinem Fall – alle verfügbaren Folgen am Stück ansieht. Ob es allerdings eine zweite Staffel geben wird, ist noch unklar – die Zuschauerzahlen in den USA sind seit der Pilotfolge gesunken.

Nachtrag: Eine zweite Staffel wurde inzwischen bestätigt!

8.7
affenstark

Pros

  • Spannend
  • Sehr gut besetzt
  • Interessante Wendungen
  • Trockener Humor
  • Gelungen eigenständig

Kontras

  • Nur als download verfügbar
  • Überflüssige kleine Fehler
  • Einige Nebenfiguren sehr cliché

Unser Fazit


Handlung
9
Präsentation
8
Spannung
9