Review: Cinderella

Cinderella aus dem Jahr 1950 gilt als einer der großen Zeichentrickklassiker von Disney. Kein geringerer als Shakespeare Experte Kenneth Branagh, der auch bei Thor Regie führte, wagt sich jetzt an eine Realverfilmung des beliebten Märchens. Wird er es modernisieren, die Heldin gar im Stil von Frozen oder Into the Woods emanzipiert(er) präsentieren? Was ist mit den gläsernen Schuhen, dem Ballkleid und den herzallerliebsten Mäusen? Wir durften Cinderella schon vor dem Filmstart am 12. März sehen und können berichten, dass eine gute Fee Branagh zur Seite stand – mit viel Glitzer und Goldfarbe.

CINDERELLA

“Ich kann nicht fahren. Ich bin eine Gans!”

Ella (Lily James) hat eine glückliche Kindheit, doch nachdem ihre Mutter (Hayley Atwell) jung stirbt heiratet ihr Vater die Witwe Lady Tremaine (Cate Blanchett). Diese bringt ihre beiden verzogenen und verstrittenen Töchter Anastasia (Holliday Grainger) und Drisella (Sophie McShera) mit in die Ehe. Als auch Ellas Vater stirbt, zeigt seine Witwe ihr wahres Gesicht. Ella wird zum Dienstmädchen degradiert und ihre Stiefschwestern nennen sie fortan verhöhnend Cinderella (Aschenputtel). Eines Tages begegnet Cinderella auf einem Ausritt dem Prinzen (Richard Madden). Sie erkennt ihn nicht und schilt ihn, weil er Jagd auf einen Hirsch macht, doch er ist bezaubert von ihr, aber bevor er ihren Namen erfahren kann, ist sie weg. Als sein Vater, der König, verlangt, dass er endlich heiratet, stimmt der Prinz unter einer Bedingung zu: das ein Ball ausgerichtet wird, zu dem alle unverheirateten Frauen im Land eingeladen werden. Auch Cinderella freut sich auf den Ball, aber es bedarf der Hilfe einer guten Fee (Helena Bonham-Carter), dass sie hingehen kann – zumindest, bis die Uhr Mitternacht schlägt.

CINDERELLA

Müsste man Branaghs Version in einem Wort beschreiben, dann würde die Wahl wohl auf „opulent“ fallen. Die Gärten, die Kleider, das Schloss, die Kutsche, ja selbst die Gute Fee – alles erstrahlt in üppiger Form und satten, leuchtenden Farben und obwohl es einen schon fast wie der erste Besuch einer katholischen Kirche aus dem Barock erschlägt, überstrahlt es nicht die Geschichte. Auch in der Realverfilmung geht es im Kern um Güte und Freundlichkeit. Obwohl das Leben es nicht immer gut mit Cinderella meint, bewahrt sie sich ihr freundliches Wesen und anstatt ihren Frust an Schwächeren auszulassen, hat sie ein Herz für sie. Natürlich ist Cinderella ein Film für Mädchen (jeden Alters), aber auch wenn es schon arg viel Glitzer und Romantik ist, ist er außerdem so witzig und unterhaltsam, dass man(n) sich ruhig als Begleitung fürs Kino anbieten kann.

CINDERELLA

Lily James, bekannt aus der britischen Erfolgsserie Downton Abbey, überzeugt als Cinderella und strahlt Richard Madden (Robb Stark in Game of Thrones) an die Wand. Madden, hier glattrasiert und die meiste Zeit in eine scheußlich grün-goldene Jacke gewandet, gibt einen sympathischen Prinzen ab (ganz anders als Chris Pine in Into the Woods) und ist komplexer als sein Zeichentrickvorgänger. Der absolute Besetzungscoup ist aber Cate Blanchett als böse Stiefmutter. Blanchett ist wunderbar grausam und herzenskalt und sieht dabei auch noch fabelhaft in ihren glamourösen Roben aus. Aber sie ist kein eindimensionaler Charakter – hier erfährt man, warum sie so verbittert ist – denn Branagh nutzt die mit 105 Minuten halbe Stunde längere Laufzeit im Vergleich zum Zeichentrickfilm (75 Min.) um den Figuren mehr Komplexität zu geben, ohne sie radikal neu zu interpretieren.

CINDERELLA

Das der Vergleich zum Original unvermeidbar sein würde, dessen waren sich Branagh und sein Team bewusst. Natürlich konnte man nicht einfach alles kopieren, aber jede Änderung wollte gut überlegt sein. Eine der besten Entscheidungen war, die Gesangnummern fast komplett zu streichen. Auch die der Mäuse (welche zwar süß, aber nicht so goldig wie ihre Vorgänger sind). Es wäre einfach zu viel des Guten gewesen. Eine weniger gute war die glückliche Kindheit Ellas am Anfang in grenzwertig kitschigen Bildern auszuwalzen – da ist die knappe Zusammenfassung von 1950 ungleich eleganter und wirkungsvoller. Die Änderungen bei den Kostümen schmerzen Puristen natürlich und wieso nur hat Cinderella ihre Haare beim Ball nicht hochgesteckt? Aber sie sind größtenteils stimmig, Cinderellas Ballkleid ist immer noch blau und schlicht, wenn auch der Schnitt etwas dem opulenteren Stil des Films angepasst wurde. Die drastischste Veränderung findet sich bei der Guten Fee. 1950 kam sie als dickliche, ältere Dame im blauen Umhang und großer rosa Schleife daher. 2015 trägt Helena Bonham-Carter in der Rolle einen Traum in weiß mit silbernen Flügeln, für den 130m Stoff, 10.000 Swarovski-Kristalle und 400 kleine LED Lampen benötigt wurden! Aber es funktioniert. Swarovski stellte ebenfalls den unverzichtbaren Glasschuh her. Der glitzert auch wunderbar, aber im Vergleich zum eleganten, schlanken Schuh von 1950 wirkt er eher wie einer, den Daisy Duck als Cinderella tragen würde.

Fazit

Kenneth Branaghs Cinderella ist eine liebevolle und opulente Realverfilmung des Disney Klassikers, die alle wichtigen Elemente beinhaltet. Überraschend gefühlvoll und nur anfangs zu kitschig, fühlt man mit Cinderella mit, lacht über die Gans und freut sich über das Happy End. Die Kostüme und das Dekor sind prächtig, wenn auch gelegentlich zu gülden, Cate Blanchett, Helena Bonham-Carter und die Verwandlungsszenen sind großartig und die Musik verstärkt die Märchenstimmung. Branagh verzichtet auf eine Generalüberholung und bewahrt dadurch den altmodischen Charme, den auch Lily James versprüht.

FSK: noch o.A.

7.5
Opulent

Pros

  • Prächtige Ausstattung
  • Toll besetzt
  • Gefühl- und Humorvoll
  • Die Verwandlungsszenen

Kontras

  • Kitschiger Anfang
  • Bisschen viel Gold

Unser Fazit


Handlung
8
Präsentation
7