Review: Fifty Shades of Grey

Die hohe Zahl der Vorbestellungen ließ schon erahnen, dass es sich bei Fifty Shades of Grey um einen der heißersehntesten Filme 2015 handelt. Ein wahres Eventmovie für die Legionen von weiblichen Fans, die schon damals bei Sex and the City im Rudelverbund und mit Prosecco bewaffnet ins Kino rannten. Die – und die jüngeren unter ihnen – brauchen auch keine Filmbesprechung zur Entscheidungsfindung, aber was, wenn man das Buch nicht gelesen hat und bisher immer nur ironisch/pikiert/schmunzelnd das Ganze als Hype oder Schundliteratur abgetan hat? Verpasst man jetzt einen richtig guten Film? Oder gar einen Skandalfilm, den man unbedingt gesehen haben sollte, um mitreden zu können?

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Anastasia Steele (Dakota Johnson, Tochter von Melanie Griffith und Don Johnson) ist eine verhuschte Literaturstudentin, die durch einen Zufall Christian Grey (Jamie Dornan, der Sheriff/Huntsman aus Once Upon a Time), 27, erfolgreich, extrem wohlhabend und gutaussehend, kennenlernt. Sofort fühlen sie sich zueinander hingezogen, aber Christian will keine normale Beziehung und zückt flugs nicht nur eine Vereinbarung zur Schweigepflicht, die Anastasia unterschreiben soll, sondern auch noch einen Vertrag, der die Beziehung bis ins kleinste definiert. Die Beziehung als Herr und Sklavin. Anastasia muss das erstmal überdenken, lässt sich aber zur Entscheidungshilfe eine Kostprobe geben.

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Skandal! Verkündete so mancher empört, bevor auch nur ein Clip aus dem Film veröffentlicht wurde. S&M in einem Film für Frauen? Das Ende, es naht! Nun, nach Ansicht der 125 Filmminuten kann auch ich nicht anders als zu proklamieren: Skandal! Diese Dialoge sind ein Skandal! Wer sich vorher künstlich aufgeregt hat und dann – natürlich voller Entrüstung – ins Kino rennt, wird nicht umhin kommen festzustellen, dass sich Regisseurin Sam Taylor-Johnson und ihr Team alle Mühe gegeben haben, einen ästhetischen Film abzuliefern. Die Kunst der (rechtzeitigen) Abblende und der Blickwinkel, darin macht Taylor-Johnson so schnell niemand etwas vor. Aber diese Dialoge! Die sind – um in der Thematik zu bleiben – akustischer Masochismus. Dagegen nehmen sich die S&M Szenen harmlos aus, wobei man sich schon fragen sollte, warum in einem Film, dessen Zielpublikum weiblich ist, immer Johnsons Oberkörper nackig im Bild zu sehen ist. Zwar, das sei beruhigend erwähnt, ist auch Dornan öfter mal in mehr oder weniger unbekleidetem Zustand zu sehen, aber das war schon ernst gemeint, dass sein Vertrag ihn (und das Publikum?) vor der Zurschaustellung seines ganzen Körpers schützt.

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50 Shades of Grey ist im Grunde auch nichts anderes als das Märchen vom Aschenputtel, dass den schönen Prinzen abbekommt und der halt im Schlafzimmer – oder besser gesagt, im Spielzimmer – kein Langweiler ist. Das ist auch völlig okay, man kann emanzipiert sein und trotzdem von einem gutaussehenden und reichen Mann träumen, der einen beschenkt, der einen mehr will als alle anderen Frauen – aber gehört zu dem Traum wirklich, dass der Mann einen mächtigen Schaden hat? Vielleicht können Leserinnen des Romans in Mitleid und Verständnis vergehen, aber wenn Dornan so intensiv vor sich herstarrt, als müsste seine Dioptrinzahl mal dringend kontrolliert werden, in Kombination mit den bereits erwähnten Dialogen, dann können sich andere schon fragen, warum Anastasia Steele sich nicht zu einem gepflegten „ALTER!“ und einem umgehenden Abgang hinreißen lässt. Das ist schon schade, denn erstens stehen Dornan graue Anzüge ausgezeichnet und zweitens war er – mit besseren Dialogen ausgestattet – wirklich was fürs Auge und Herz in Once Upon a Time. Dakota Johnson hat natürlich auch unter den Texten zu leiden – und unter so manch misslungener Ausleuchtung, die ihr enorme Augenringe verschafft. Trotzdem, Johnson beweist nicht nur Mut zur Nacktheit, sie ging die Rolle ernsthaft an und das zahlt sich aus.

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Wer sich diesen Film ansieht, der will natürlich auch schöne Kleider, schöne Wohnungen, flotte Sportwagen und das ganze schicke Drumherum sehen. Das hat man hier auch wirklich gut hinbekommen. Die Farbgebung ist passend kühl-grau mit effektiv gesetzten Farbpunkten. Die Arbeit von Kostüm- und Setdesigner ist ebenfalls sehr ansprechend. Hier hat man sich wirklich für das weibliche Publikum viel Mühe gegeben. Dazu gibt es auch mal einen wirklich schicken Helikopter. Limousine war so gestern. Die Musik stammt zumeist von populären Künstlern (u.a. von Beyoncé), soll ein breites Publikum ansprechen, aber wird fürchterlich unsubtil zur Erzeugung von (künstlicher) Stimmung verwendet, was in mehr als nur einem Fall fast schon erheiternd wirkt.

Fazit

50 Shades of Grey ist eine stylische Romanadaption, die geschickt gefilmt, überraschend brav ausgefallen ist. Wer sich über die Sexszenen moralisch entrüsten will, der muss sich wirklich anstrengen. Der wahre Skandal sind die Dialoge, die schlichtweg grau-sam sind (man darf nicht vergessen, dass der Roman seinen Ursprung als Twilight Fan Fiction hatte) und das der Film irgendwann anfängt langweilig zu sein. Es ist kein guter Film, aber den Fans des Romans sollte man aber ihren Spaß lassen, denn für sie wurde er ja gemacht. Freigegeben ist er ab 16.

3.5
Grau-sig

Pros

  • Passendes Kostüm & Setdesign
  • Dakota Johnson überrascht positiv
  • Schicke Locations

Kontras

  • Grau-envolle Dialoge
  • Grau-samst lang
  • Grau-sig unsexy

Unser Fazit


Handlung
2
Präsentation
5