Review: Jupiter Ascending

Am 5. Februar kommt Jupiter Ascending nun doch ins Kino, nachdem der Filmstart letzten Sommer zurückgezogen wurde. Was lange währt, wird endlich gut? Die ersten Stimmen vom Sundance Festival ließen eher einen Fall von sauer gewordenem Wein vermuten und eröffneten die nächste Runde im beliebten Wachowski-bashing. Aber ganz so einfach können wir uns das nicht machen, denn zum einen wurde der Film sicherlich nicht für ein Indie-Publikum, wie das von Sundance, gedreht und zum anderen ist er unterhaltsam … auf seine eigene Art und Weise.

JUPITER ASCENDINGHips sind so 2006 – 2015 sind es Bienen, die nicht lügen

Jupiter Jones (Mila Kunis) wurde unter einem Sternenhimmel geboren und nach dem Planeten benannt, den ihr Vater, ein Astrophysiker, für den perfektesten aller hielt. Aber ihr Leben stand anfangs unter keinem guten Stern: ihr Vater wurde von Einbrechern erschossen, als er sein Teleskop vor ihnen retten wollte, sie wurde auf einem Frachtschiff auf der Flucht aus Russland geboren und jetzt, in den USA, putzt sie die Toiletten reicher Leute. Als Aliens sie eines Tages aus dem Nichts heraus töten wollen, wird sie von Caine Wise (Channing Tatum), einem genetisch manipulierten Ex-Soldaten, gerettet, der sie finden sollte, damit sie ihr Erbe antreten kann: die Erde. Auf die sind allerdings auch drei Geschwister einer alten und mächtigen Dynastie scharf.

JUPITER ASCENDING

Eine Geschichte zu erzählen ist nicht immer einfach, besonders wenn Wunsch (komplex, bedeutsam, tiefgründig) und Können (abgefahrene, fantastische Bilder) nicht zusammen passen wollen. Ein bisschen Schnittmenge gibt es zwar immer, aber damit macht man es ja erst recht keinem Recht. In diesem Dilemma finden sich mal wieder Andy und Lana Wachowski, die ihrer bizarren Geschichte und den fantasievollen Bildern die Zügel der Bedeutsamkeit umschnallen. Hätten sie das mal sein gelassen, dann wäre der Film vermutlich ein Riesenspaß geworden. Zwar hätten die üblichen Kritiker mangelnde Intellektualität moniert, aber wen hätte das schon wirklich interessiert? Natürlich ist die Geschichte bescheuert (obwohl eine der zu Grunde liegenden Ideen gar nicht so schlecht ist – ohne zu spoilern, es ist mal eine andere Erklärung für die Überbevölkerung), aber man muss das einfach hemmungslos feiern und in den Momenten, in denen die Wachowskis das zulassen, da ist der Film wirklich unterhaltsam. Jupiter Ascending ist nämlich ein pompöses Sci-Fi Märchen mit Kunis als Space-Cinderella und Tatum als Helden – nur dass er statt auf einem Ross auf fliegenden Schuhen heraneilt.

KJ2A2306.dng

Es heißt, einen schönen Mann könne nichts verunstalten. Wer das behauptet, hat das lausige, blonde Bärtchen nicht gesehen, dass Tatum hier wenig ziert. Als wäre das nicht schlimm genug, hat man ihm noch spitze Ohren verpasst, damit man ihm das mit den Wolf Genen auch ja glaubt. Trotz dieser Albernheiten und undankbarer Texte holt Tatum aber das Beste aus der Rolle raus. Das Caine sein Herz an Jupiter verliert und sie ein ums andere mal rettet, muss an Kunis großen, schönen Augen liegen, denn bedauerlicherweise ist die Heldin der Wachowskis eine selten hohle Nuss. Kunis kann nicht mal wie Tatum, das Beste aus der Rolle rausholen, weil es da einfach nichts zu holen gibt. Zum Ausgleich hat man ihr ein traumhaftes Hochzeitskleid  geschneidert. Na toll. Mit dabei sind auch Sean Bean, in der OV gnadenlos nuschelnd, Douglas Booth, mit unsichtbarem “Lügner” verkündendem Post-It auf der Stirn, und der diesjährige Oscar-Kandidat Eddie Redmayne. Redmayne spielt einen der drei Erben der intergalaktischen Abrasax Dynastie (nicht zu verwechseln mit dem Raben Abraxas aus Otfried Preußlers Die kleine Hexe), einen skrupellosen Unsympathen par excellence. Wenn er mit leiser Stimme und wie seit Jahrtausenden zugebotoxtem Gesicht spricht, ist das wunderbar bedrohlich. Bedauerlicherweise brüllt er gelegentlich so theatralisch los, dass seine Oscar Nominierung fast nur dank eines talentierten Zwillings vorstellbar ist.

JUPITER ASCENDING

Es gibt eine Menge Filme, die eigentlich keine Story haben. Das kann man Jupiter Ascending nicht vorwerfen. Zwar sind Logik, Zeit und Raum hier sehr lose verwendete Konzepte, aber die Ereignisse dienen der Handlung. Ob die Sinn macht oder nicht ist nebensächlich. Wenn man sich darauf einlässt, die Dialoge mit Humor nimmt (“Bienen lügen nicht!”), sich an der angestaubten Rollenverteilung nicht stört, und sich an den barock-bunten Welten und den coolen Raumschiffen einfach erfreut, dann ist Jupiter Ascending mit seinen 127 Minuten erstaunlich kurzweilig. An den Stellen, an denen er sich selbst auch nicht zu Ernst nimmt oder einfach nur in prächtigen Bildern schwelgt, da macht der Film sogar richtig Spaß. Die visuellen Effekte sind gewohnt souverän, u.a. hat Oscar-Gewinner John Gaeta (Matrix) daran mitgearbeitet, mit der Einschränkung, dass es irgendwie uncool aussieht, wenn Tatum in der Luft “läuft” – wenn er allerdings dahingleitet wie ein Eisschnellläufer, dann ist das richtig gut. Unglücklicherweise sieht ausgerechnet die letzte Szene wirklich beknackt aus – da wollte man wohl den romantisch veranlagten Zuschauern etwas bieten. Da hätte man besser Tatums Bärtchen den Garaus gemacht, davon hätten alle was gehabt.

JUPITER ASCENDING

Fazit

Jupiter Ascending ist ein kurzweiliges Sci-Fi Märchen, in dem ganz altmodisch die schöne, erschütternd dumme, Maid vom Helden, wenn auch ohne Adelstitel und Ross, gerettet werden muss. Teils unfreiwillig erheiternd dank aufgesetzter Bedeutsamkeit, teils wirklich unterhaltsam. Er ist einen Hauch zu pompös geraten – wäre mittendrin Bette Midler in Pailetten über die bunte Leinwand getanzt, es hätte auch gepasst. Trotzdem: optisch macht er mächtig was her. Ein bisschen Gelassenheit muss man halt mitbringen, dann macht er Spaß. Freigegeben ist er ab 12.

6
Pompös

Pros

  • Visuell toll
  • Schöne Effekte
  • Unterhaltsam

Kontras

  • Möchtegern bedeutsam
  • Unfassbar dumme Heldin
  • Suboptimale Dialoge

Unser Fazit


Handlung
4
Präsentation
8